Baustile in der Stadt sind heterogen

„Backnanger Fassaden“ Thema beim Altstadtstammtisch

„Backnanger Fassaden – der etwas andere Blick auf das Gesicht der Stadt“. So betitelte der Leiter des Baudezernats, Stefan Setzer, seinen Vortrag, den er zum 219. Altstadtstammtisch des Backnanger Heimat- und Kunstvereins hielt. Setzer bot dabei einen erstaunlichen Streifzug durch die Stadt Backnang mit all ihren Fassaden und Facetten.

Backstein bezeichnet der Backnanger Baudezernent Stefan Setzer als Element, das das Stadtbild prägt. Hier die einstige Spinnerei. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Becher

Backstein bezeichnet der Backnanger Baudezernent Stefan Setzer als Element, das das Stadtbild prägt. Hier die einstige Spinnerei. Foto: A. Becher

Von Gabriella Lambrecht

BACKNANG. Die meisten kommen nicht umhin, direkt an das Fachwerk in Backnangs Altstadt zu denken, sobald das Stichwort „Backnanger Häuser“ fällt. Stefan Setzer betont, dass dies durchaus ein trefflicher Eindruck und auch ein beliebtes Postkartenmotiv sei, die Stadt selbst jedoch noch wesentlich mehr zu bieten habe. Sie durchlebte nämlich eine ganze eigene Dynamik, die auch gut an den Baufassaden zu erkennen ist: „In Backnang wurde zu jeder Zeit gebaut“, deshalb auch die Heterogenität der Baustile aus vier Jahrhunderten, die sich überall in der Stadt vermischen.

Ein sehr anschauliches Beispiel findet sich etwa in der Stuttgarter Straße, in welcher Bauten aus dem 19. Jahrhundert neben Wohn- und Geschäftshäusern der 1960er- und 1980er-Jahre stehen und schließlich den Blick auf den Neubau aus dem 21. Jahrhundert unten am Schillerplatz eröffnen. Diese Durchmischung und Kontinuität im Bau, so Setzer, „ist ein Ausdruck des Wunsches der Bürger nach Weiterentwicklung und Selbstbewusstsein hier in Backnang“. Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Sicherlich wäre es manchmal besser gewesen, man hätte nicht weitergebaut“ und liefert – sehr zur Erheiterung der Zuhörerschaft – einige Beispiele weniger gelungener Architektur im Herzen der Stadt.

Die Begeisterung, die Setzer selbst an den Tag legt, hört man deutlich aus seinen Beschreibungen heraus. Selbst der Blick des Publikums ändert sich, wenn er die doch teils extremen Kontraste diverser Bauten nebeneinander beschreibt: Er spricht in positivem Sinne von „Spannungen“, „von Häusern im Dialog miteinander“ oder von Altbauten, die neue Fassaden beinahe „liebevoll links und rechts umarmen“.

Dabei erinnert Setzer daran, dass man selbst als Einwohner manchmal den Blick für das Detail verliert und die feinen Raffinessen oft im Alltag nicht mehr wahrnimmt. So mag es vielen im Falle der raffiniert gestalteten Fassade an der Rückseite des Schweizer-Baus ergehen, ebenso mit weiteren Backsteingebäuden der Gartenstraße. Die Fotoaufnahmen, die präsentiert werden, beeindrucken tatsächlich und eröffnen eine Perspektive, die die Ästhetik der Bauten mit ihren fein gebrannten Kacheln wieder in den Mittelpunkt rückt. „Solche Hausfassaden sind ein Geschenk, das wir erhalten müssen“, so Setzer – und berichtet von Bemühungen der Stadt, diese wieder vermehrt zur Geltung zu bringen. Überhaupt sei Backstein ein wichtiges, das Stadtbild prägendes Element; eine Tatsache, die man auch Christian Hämmerle zu verdanken hat. Sein eklektizistischer Baustil, der Elemente verschiedener Epochen kombiniert, prägt die Außenwahrnehmung der Stadt.

Setzer richtet auch, wie könnte es anders sein, einen Blick auf die Zukunft der Stadt und die IBA 2027. Ziel sei es dabei, lebendige Fassaden zu gestalten, vielfältig sollen sie sein „an Material und Form“ und „kein Einheitsbrei“.

Auch das Thema der Fassadenbegrünung, unter anderem zur Regulierung des Mikroklimas vor Ort, greift Stefan Setzer in seinem Vortrag auf. Überhaupt sei Backnang eine sehr grüne Stadt, voller Natur und Bäume. Dies gelte es zu erhalten. Das Publikum im Backnanger Helferhaus nickt zustimmend, ein leises Murmeln füllt den Raum, das in diesem Moment wohl die Hoffnungen und Wünsche der Zuhörer in sich trägt, Backnang von seiner schönsten Seite zu erhalten und weiter zu prägen.

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Erstellt:
19. Februar 2020, 06:00 Uhr

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