Umzug des Papstes
Bescheiden oder prunkvoll? Wie Papst Leo XIV. künftig wohnen will
Achteinhalb Monate nach seiner Wahl hat Papst Leo XIV. Umzugspläne. Nicht ganz so bescheiden wie sein Vorgänger Franziskus, aber fast.
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Seit Mai 2025 ist der neue Papst im Amt.
Von Dominik Straub
Der Entscheid des Papstes über sein zukünftiges Logis war in Rom schon seit längerer Zeit mit nicht geringer Spannung erwartet worden. Denn seit Leos Vorgänger Franziskus die Papstwohnung im dritten Stock des apostolischen Palastes verschmäht und dem Prunkbau neben dem Petersplatz eine einfache, kleine Wohnung im vatikanischen Pilgerheim Santa Marta vorgezogen hatte, ist die Wohnungsfrage des Pontifex auch ein wenig zu einer Stilfrage geworden.
Prunk oder Demut?
Mehr noch: Viele erwarteten von der Wohnungswahl geradezu ein Statement zum künftigen Kurs des Papstes. Wird der Neue wieder – wie seit dem 16. Jahrhundert alle seine Vorgänger mit Ausnahme von Franziskus – wie ein Kirchenfürst in den Palast einziehen, oder setzt er erneut ein Zeichen der Bescheidenheit und der Demut?
Vieles hatte darauf hingedeutet, dass Leo XIV. wieder im Papstpalast wohnen wolle: Es gab Berichte über monatelange, aufwendige Renovierungsarbeiten in der Wohnung. Diese hatte schon zu Zeiten von Papst Benedikt XIV. einige Mängel nicht mehr verbergen können und ist während des fast dreizehn Jahre dauernden Leerstandes unter Franziskus feucht und muffig geworden.
Doch nun weiß man es besser: Papst Leo XIV., der erste Papst aus den USA, hat sich für einen Mittelweg zwischen repräsentativer Papstwohnung und schlichtem Pilgerheim entschieden. Er wird zwar in den apostolischen Palast zurückkehren, aber nicht die Papstwohnung beziehen, sondern die Mansarde darüber. Dies berichtete die in Vatikanangelegenheiten für gewöhnlich gut unterrichtete Römer Zeitung „La Repubblica“ in ihrer Freitagausgabe.
Die „Repubblica“ wusste auch schon genauestens, wie man sich die neuen päpstlichen Gemächer oder vielmehr die Zimmer vorzustellen hat: Es gibt demnach ein Schlafzimmer mit „Möbeln ab der Stange“, ein Badezimmer, „das über den Gang zu erreichen ist“, eine kleine Küche „mit minimaler Basisausstattung“ und, auf der Seite des Palastes, an der die Vatikanbank IOR angebaut ist, „einen geräumigen Fitnessraum“ mit allem drum und dran.
Ein Pool auf der Dachterrasse
Dass sich der sportliche Papst so etwas für seine Wohnung wünscht, hatte schon sein Bruder John in einem Interview durchblicken lassen. Außerdem wird Leo XIV. einen direkten Zugang zur Dachterrasse des Palastes haben. Diese hatte es auch schon dem früheren Papst Johannes Paul II. angetan: Er hatte dort oben die Grotte von Lourdes nachbauen lassen. Sogar einen kleinen Pool soll es dort geben.
Im Unterschied zur „richtigen“ Papstwohnung im dritten Stock befindet sich die Mansarde nicht auf der Seite des apostolischen Palastes, die an den Petersplatz angrenzt. Und damit wird auch die kleine Prise Intimität nicht zurückkehren, die den Römerinnen und Römern mit dem Auszug von Benedikt XVI. aus dem Palast verloren gegangen war: Früher konnten die Gläubigen am Abend, wenn es dunkel war, vom Petersplatz aus jeweils nachschauen, ob der Papst noch am Arbeiten war oder ob er sich bereits schlafen gelegt hatte.
Denn hinter dem zweiten Fenster von rechts im dritten Stock des Palastes befand sich das Arbeitszimmer des Papstes. Wenn dort noch Licht brannte, dann bedeutete dies, dass der katholische Oberhirte noch Akten studierte oder an einer Enzyklika schrieb. Benedikt XVI. arbeitete wohl gerne abends: Bei ihm war das Fenster oft bis 23 Uhr erleuchtet.
Umzugsdatum steht noch nicht fest
Wann genau der Papst in seine Mansarde ziehen wird, steht noch nicht fest. Es gebe weiterhin kein Umzugsdatum, teilte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni vor wenigen Tagen mit. Derzeit lebt Leo XIV. in einer Wohnung im Palazzo der vatikanischen Glaubensbehörde auf italienischem Staatsgebiet. Dort wohnte der damalige Kardinal und Präfekt der Bischofskongregation Robert Francis Prevost bereits vor seiner Wahl zum Papst am 8. Mai 2025.
