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Beschluss zur Gartenschau naht

Marbach und Benningen wollen sich eventuell mit gemeinsamem Konzept bewerben – Entscheidung im November

Im November entscheiden die Gemeinderäte über eine gemeinsame Bewerbung von Marbach und Benningen für die Gartenschau für die Jahre 2031 bis 2036. Das Konzept soll zuvor öffentlich präsentiert werden.

So könnte es einmal am Neckarufer bei einer gemeinsamen Gartenschau von Marbach und Benningen ausschauen. Visualisierung: Planstatt Senner

So könnte es einmal am Neckarufer bei einer gemeinsamen Gartenschau von Marbach und Benningen ausschauen. Visualisierung: Planstatt Senner

Von Christian Kempf

MARBACH AM NECKAR/BENNINGEN AM NECKAR. Ellwangen, Rottweil, Ulm, Bad Urach und Vaihingen an der Enz heißen die Städte, an die zuletzt große und kleine Gartenschauen vergeben wurden. Vielleicht reihen sich in diese Liste demnächst auch Marbach und Benningen ein. Die beiden Neckaranrainer erwägen nämlich, für die Jahre 2031 bis 2036 gemeinsam ihren Hut in den Ring zu werfen, um ebenfalls ein solches Event auf die Beine stellen zu dürfen. Ob aus dem Erwägen auch eine handfeste Bewerbung wird, entscheidet sich schon bald. Wie Thomas Storkenmaier, der Koordinator des Vorhabens, erklärt, sollen die Würfel in den Gemeinderäten im November fallen.

Mit welchem Konzept die beiden Kommunen ins Rennen gehen würden, können die Bürger bei einer öffentlichen Doppelsitzung der Gremien am 18. November erfahren. Dann stellt das verantwortliche Büro Planstatt Senner vor, mit welchen Ideen und Vorstellungen man bei der Jury punkten will. Anschließend geht es noch am selben Tag in Benningen in medias res. Die Räte der Gemeinde werden dann darüber befinden, ob eine Bewerbung abgegeben werden soll. Wobei die bisherigen Verfahrensschritte zur Gartenschau in Benningen bislang stets fast diskussionslos abgesegnet wurden.

Stadtentwicklung durch gutes Konzept voranbringen

Schwerer abschätzen lässt sich indes, in welche Richtung sich die Waage nur drei Tage später in Marbach neigen wird. Dort wurden zuletzt Bedenken speziell wegen der verkehrlichen Belastung geäußert. Selbst die Frage nach einem Bürgerentscheid stand zwischenzeitlich im Raum, wurde dann jedoch vom Gemeinderat auf Eis gelegt. „Das ist aber aktuell kein Thema. Es gibt auch keine Initiative in der Richtung“, sagt Storkenmaier. Die Sachlage sei zudem unverändert, so der Marbacher Hauptamtsleiter. Im momentanen Stadium lägen weiter kein konkreter Rahmenplan und keine Kostenberechnung vor, sodass die Grundlage für einen etwaigen Beschluss via Bürgerentscheid fehle. So wird also der Gemeinderat der Schillerstadt darüber befinden müssen, ob die Bewerbungsunterlagen abgegeben werden sollen – oder nicht.

Fällt die Antwort auf beiden Seiten des Neckars positiv aus, müsste die Präsentation bis zum 19. Dezember eingereicht werden, sagt Jürgen Wippel, stellvertretender Pressesprecher des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. In einem nächsten Schritt bereise eine Fachkommission im Frühjahr 2020 alle Bewerberstädte. „Da müssen wir etwas bieten“, sagt Storkenmaier. Die Präsentation kenne die Jury zu dem Zeitpunkt schließlich schon. Insofern müsse man für den Besuch ein Programm auf die Beine stellen, das Eindruck hinterlässt. Er erinnert an das Beispiel von Ludwigsburg, das die B27 kurzzeitig sperren ließ, damit Schüler dort eine Performance starten konnten, mit der für mehr Grün in der Stadt geworben wurde – was freilich bei der Bewerbung der Barockstadt nicht geholfen hat. Ludwigsburg erhielt keinen Zuschlag für eine Landesgartenschau von 2026 bis 2030, will für 2031 bis 2036 aber erneut die Hand heben.

Diesen Zeitraum haben auch Marbach und Benningen im Blick, die aber im Gegensatz zu Ludwigsburg keine große, sondern eine kleine Gartenschau ausrichten möchten. Welche Städte in der nächsten Runde zum Zug kommen, werde im Sommer 2020 bekannt gegeben, kündigt Wippel an. In geraden Jahren würden Landesgartenschauen, in ungeraden die kleineren Gartenschauen ausgerichtet, erklärt er.

Storkenmaier weist darauf hin, dass die Gartenschau der Stadt einen richtigen Schub verleihen würde. Er erinnert daran, dass in dem Rahmen die Anbindung des Neckars an die Altstadt ebenso forciert werden soll wie die Entwicklung eines Literaturparks auf der Schillerhöhe. „Wir haben ein gutes Konzept, das die Stadtentwicklung voranbringen würde“, ist er überzeugt.

Voll hinter einer Gartenschau mit Benningen steht auch der Marbacher Stadtmarketingverein, der das Thema bei seiner Mitgliederversammlung am 11. Oktober nochmals in den Fokus rücken wird. „Der Verein hat das gepusht. Das ist ein Kind von ihm“, erklärt Storkenmaier. Und die Chancen, dass sich die Unterstützung auszahlt, sind wohl gar nicht schlecht. Zumindest statistisch. Für 2026 bis 2030 hatten sich 14 Kommunen für Gartenschauen beworben, immerhin rund jede dritte bekam einen positiven Bescheid von der Jury.

Hintergrund
Schwaikheim und Winnenden wollen Gartenschau und Internationale Bauausstellung

(itz). Euphorie hat man im Gemeinderat Winnenden gespürt, als Landschaftsplaner Urs Müller-Meßner von Kienleplan erste Ideen für eine Landesgartenschau 2032 vorstellte. Die Schau soll Natur und Siedlung verbinden, soll durch ein grünes Freizeitgebiet im Zipfelbachtal das Wir-Gefühl von Winnenden und Schwaikheim steigern.

Kernpunkt einer Landesgartenschau – wenn denn die beiden Kommunen den Zuschlag bekommen – würde die Zipfelbachaue, und Ausgangspunkte würden in einer Zeit, in der Bahn und Bus eine größere Bedeutung haben werden, die beiden Bahnhöfe in Winnenden und Schwaikheim.

Beide müssten architektonisch und durch Pflanzen und Grün aufgewertet werden, beide würden Verkehrsdrehscheiben und beide würden sozusagen den Gästen der Gartenschau und auch der Internationalen Bauausstellung (IBA) einen freundlichen Empfang bereiten. Von hängenden Gärten zwischen Gleisen und Karl-Krämer-Straße, vom sichtbaren Zipfelbach und vom Platz an der heutigen Hufeisenkreuzung schwärmte bei der Planung der Winnender Stadtentwickler Markus Schlecht.

Landschaftsplaner Müller-Meßner sieht gute Chancen für die beiden Kommunen, hält die beiden Bahnhöfe für einen großen Pluspunkt, zwischen denen direkt das Kerngebiet der Gartenschau liegt, und er meint auch, dass der zeitliche Abstand zur Remstal-Gartenschau ganz gut sei.

Für die IBA rechnet Stadtentwickler Markus Schlecht mit ganz hohen Chancen für Winnenden. „Wir bewerben uns in der Königsdisziplin, bei den IBA-Quartieren. Sie bleibt nur vier bis fünf Städten in der Region Stuttgart vorbehalten.“ Winnenden könne sich bewerben, weil das Gewerbegebiet zwischen Marbacher und Schwaikheimer Straße ohnehin schon in der Vorbereitung ist und jetzt eine noch mehr zukunftsweisende, klimaorientierte und grüne Ausrichtung bekommt.

Noch nicht geklärt ist, ob Schwaikheim und Winnenden sich wirklich für die Landesgartenschau bewerben. Die Gemeinderäte entscheiden Mitte November. Ob die beiden Kommunen den Zuschlag für Gartenschau und Internationale Bauausstellung erhalten, ist ebenfalls noch offen. Beide Entscheidungen fallen auf Landesebene im Juli.

Wenn beide Kommunen den Zuschlag für die Landesgartenschau bekommen, braucht es einen Bürgerbescheid. Und die Frage, ob die Kommunen die beiden großen Projekte finanziell verkraften, stellt sich ebenfalls. Das Land gibt fünf Millionen Euro für den investiven Teil. Der laufende Betrieb soll sich selbst finanzieren durch Eintrittsgelder. Die Stadt wird auch Millionen investieren müssen. In einigen Jahren werden genauere Kalkulationen bekannt, und dann können die Gemeinderäte immer noch entscheiden.

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Erstellt:
2. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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