Bahnsanierung
Besser zwei statt vier
Die Deutsche Bahn AG sollte länger und umfassend sanieren statt in Aktionismus zu verfallen, meint Korrespondent Thomas Wüpper.
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Das Sanierungskonzept der Bahn steht in der Kritik.
Von Thomas Wüpper
Über Jahrzehnte haben die Deutsche Bahn AG und wechselnde Regierungen den Erhalt der zweitwichtigsten Verkehrsinfrastruktur vernachlässigt. An der Modernisierung des mehr als 33 000 km großen Schienennetzes führt daher kein Weg vorbei. Ein wenigstens noch halbwegs funktionierender Bahnbetrieb sollte dabei jedoch auch bei der verantwortlichen DB Infra-Go ganz oben stehen – und nicht eine zu schnelle und zu teure Generalsanierung um jeden Preis.
Konzepte sollten korrigiert werden
Die bisherigen Konzepte zur Erneuerung von 41 wichtigen Korridoren mit kompletten Vollsperrungen über bis zu neun Monate überzeugen nicht und sollten korrigiert werden. Die Branche sieht die Regierung, die Taskforce „Zuverlässige Bahn“ des Bundesverkehrsministeriums und den DB-Konzern in der Verantwortung, für Besserung zu sorgen. Sperrkonzepte sollten je Korridor überprüft und durch Einzelfallentscheidungen ersetzt werden.
Zur nochmaligen Korrektur fehle aber bisher bei der Infra-Go und auch im Ministerium die Bereitschaft, heißt es. Dabei zeigt das sinkende Frachtvolumen der Güterbahnen, dass es höchste Zeit ist, zu handeln. Der Bau-Marathon sollte deutlich über 2036 hinaus verlängert und langfristig finanziell abgesichert werden. Konkret: Die DB sollte sich auf zwei statt vier Großprojekte pro Jahr beschränken.
Damit die wenigen Generalunternehmer im Streckenbau keine Fantasiepreise mehr verlangen können und mehr Wettbewerb die Baukosten senkt, gibt es auch gute Ideen: Teure Spezialmaschinen zum Beispiel für Gleisverlegung könnten mit staatlichen Auslastungsgarantien über Leasingfirmen angeschafft und den Firmen bereitgestellt werden, die Ausschreibungen gewinnen. Auch Mittelständler hätten dann die Chance mitzubieten.
Also: Lieber länger und umfassend sanieren mit Kapazitätserweiterungen, funktionierenden Umleitungen, mehr Wettbewerb und gesicherter Finanzierung – statt in Aktionismus den Bahnverkehr weiter an den Rand des Kollapses zu treiben, bis das knappe Geld ausgeht und das Vertrauen in den Schienenverkehr vollends verspielt ist.
