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Betrug findet immer öfter im Internet statt

Das Polizeipräsidium Aalen stellt erhöhte Fallzahlen im Bereich Cybercrime fest – Schadenssumme steigt beträchtlich

Betrug findet laut Polizei auch immer öfter im Internet statt. Foto: Imago

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Betrug findet laut Polizei auch immer öfter im Internet statt. Foto: Imago

Von Lorena Greppo

BACKNANG/AALEN. Der digitale Fortschritt hat die Kommunikation, die Gesellschaft und das Geschäftsleben maßgeblich verändert. Das bekommt auch die Polizei zu spüren, wie Kripo-Chef Reiner Möller bei der Vorstellung der Kriminalstatistik des Jahres 2018 eindrucksvoll darlegte. Wegen der veränderten Gegebenheiten sei es auch notwendig gewesen, die Definition des Begriffs Cybercrime anzupassen und weiter zu fassen. „Unter dem Begriff Cybercrime wird nun Folgendes zusammengefasst: Straftaten, die sich gegen das bisherige Tatmittel Internet und zudem gegen weitere Datennetze sowie informationstechnische Systeme oder deren Daten richten beziehungsweise mittels dieser Informationstechnik begangen werden.“ Das bedeutet, dass Cybercrime Fälle des Warenbetrugs unter Nutzung des Internets umfasst, ebenso wie Beleidigung im Internet sowie Verbreitung von beziehungsweise Werbung mit verbotenen Inhalten im Internet – etwa Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung und Kinderpornografie.

Die Fallzahlen jener Cybercrime-Delikte sind im Vergleich zum Vorjahr für das Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums (PP) Aalen, zu dem auch der Rems-Murr-Kreis zählt, um 12,1 Prozent gestiegen, von 1904 auf 2135. „Vorrangig geht es hier um Vermögens-, Fälschungs- und Betrugsdelikte sowie Urkundenfälschungen“, erklärt Möller. In diesen Bereichen verzeichnete das PP Aalen einen starken Anstieg. Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten stieg die Fallzahl im Vergleich zum Vorjahr um 11,7 Prozent von 1224 auf 1367 Straftaten. „Korrespondierend ist eine enorme Zunahme der entstandenen Schadenssumme von über 170 Prozent festzustellen, von 800000 Euro auf jetzt 2,2 Millionen Euro“, so Möller. Außerdem haben auch die Betrugsstraftaten um 9,8 Prozent auf 1287 (zuvor 1172) Delikte zugenommen. Die Urkundenfälschungen nahmen sogar um 66,7 Prozent zu, hier schlagen 70 Fälle (2017: 42) zu Buche.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn „nur ein kleiner Teil der begangenen Delikte taucht in der polizeilichen Kriminalstatistik auf“, erklärt Möller. Viele Straftaten würden vom Ausland aus begangen und viele relevante Dateien liegen auf ausländischen Servern.

Aufhorchen lässt auch die Entwicklung bei den Sexualdelikten via Internet: „Diese nahmen um 42,7 Prozent zu“, führt der Kripo-Chef aus. Nach 75 Fällen im Jahr 2017 kam das PP Aalen 2018 auf 107 Fälle. Darunter fällt die Verbreitung von pornografischen Schriften, sie erfuhr eine Steigerung von 45,5 Prozent auf 80 (zuvor 55) Fälle. Noch eklatanter ist der Anstieg im Bereich der Erpressungsdelikte über das Internet. „Diese haben prozentual gesehen mit einer Zunahme von 2250 Prozent den deutlichsten Anstieg.“ Wurden 2017 noch zwei Fälle verzeichnet, so kam die Polizei im vergangenen Jahr auf 47 Fälle.

Neu war nämlich laut Kriminalstatistik das Erpressungsphänomen „Sextortion“ in einer abgewandelten Form. Dabei wird den Empfängern von E-Mails mit der Veröffentlichung von angeblich angefertigten Sexvideos gedroht, wenn sie nicht einen gewissen Geldbetrag mittels der digitalen Währung Bitcoin bezahlen. In den E-Mails wird behauptet, den Computer der Betroffenen gehackt zu haben. Mit einer Webcam hätten sie die Opfer heimlich beim Masturbieren vor dem Computer aufgenommen. Als Beweis werden demnach häufig Passwörter der E-Mail-Empfänger aufgelistet. Gerade hier dürfte die Dunkelziffer verübter Straftaten besonders hoch sein, mutmaßt die Polizei, da Opfer sich vermutlich aus Scham nicht melden.

Allgemein schätzt das Landeskriminalamt das Dunkelfeld bei der Computer- und Internetkriminalität besonders hoch ein. Das liege unter anderem daran, dass die Straftaten sehr vielschichtig sind und Opfer oftmals nicht bemerken, dass sie von einer solchen Straftat betroffen sind. Zudem schrecken wohl viele Menschen aufgrund des vermeintlichen Aufwands davor zurück, die Taten zur Anzeige zu bringen.

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Erstellt:
2. April 2019, 06:00 Uhr

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