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Betrugsmasche drastisch angestiegen

Falsche Polizisten erbeuten immer wieder große Geldsummen – Vor allem Senioren sollten aufmerksam und achtsam sein

Die Serie reißt nicht ab: Die Betrugsmasche von falschen Polizeibeamten hält die „richtige Polizei“ in Atem. Mit dem Plan, Bürger um ihr Vermögen zu bringen, haben Gaunerbanden allzu oft Erfolg. „Der Schaden für die betroffenen Opfer ist oft immens“, sagt Polizeipressesprecher Holger Bienert. Trotz vieler Warnungen hat die Zahl der Fälle zuletzt deutlich zugenommen.

Nicht nur der Enkeltrick ist ein Betrügerphänomen – die Masche der „falschen Polizeibeamten“ tritt immer häufiger in Erscheinung und wird bei der richtigen Polizei angezeigt. Die Polizei würde niemals Wertgegenstände oder Geld an der Haustür abholen. Foto: Imago

© imago stock&people

Nicht nur der Enkeltrick ist ein Betrügerphänomen – die Masche der „falschen Polizeibeamten“ tritt immer häufiger in Erscheinung und wird bei der richtigen Polizei angezeigt. Die Polizei würde niemals Wertgegenstände oder Geld an der Haustür abholen. Foto: Imago

Von Yvonne Weirauch

BACKNANG/AALEN. Anfang Oktober hat die Polizei vermeldet: „Zahlreiche Bürger aus Burgstetten, Aspach und Leutenbach haben von der falschen Polizei Anrufe erhalten. Die Betrüger täuschten den Opfern vor, dass bei ihnen in der Nachbarschaft eingebrochen worden sei. Zudem versuchten die Betrüger, über Vermögensverhältnisse Auskünfte zu erlangen. Die Opfer erkannten jedoch die Betrugsmasche, sodass es zu keinem schädigenden Ereignis kam.“ Richtig gehandelt hat eine 70-Jährige im Februar dieses Jahres in Winterbach: Ein Betrüger gab sich am Telefon als Polizist vom Revier Winterbach aus. Dumm nur, dass die Frau sofort entgegnen konnte, dass der Polizeiposten Winterbach seit Jahren nicht mehr existiert. Der überraschte Anrufer legte daraufhin wortlos auf.

Die Serie von Betrugsversuchen durch falsche Polizeibeamte und mit dem sogenannten Enkeltrick reißt aber nicht ab. Laut Polizeipräsidium Aalen gab es in den vergangenen Wochen wieder zahlreiche Anrufe durch solche Betrüger. Fast 40 Anzeigen, überwiegend aus dem Ostalb- und dem Rems-Murr-Kreis, gingen ein. Angerufen werden vor allem ältere Personen. Oftmals geben sich die Betrüger am Telefon als Kriminal- oder Polizeibeamte aus. Die Angerufenen werden aufgefordert, ihr ganzes Bargeld und Vermögensgegenstände an die Polizei zur sicheren Verwahrung zu übergeben. Die Polizei unterstreicht, dass sie niemals um Geldbeträge bittet oder Auskunft zu Vermögensverhältnissen verlangt.

„Tendenz dieser Betrugsmasche ist mehr als steigend“

Der Masche ist zuletzt am 28. Oktober ein 65-jähriger Mann aus Welzheim zum Opfer gefallen, der um 36000 Euro betrogen wurde. Im Präsidiumsbereich erbeuteten Enkeltrickbetrüger in diesem Jahr bereits rund 505000 Euro, der Schaden durch falsche Polizeibeamte beträgt etwa 565000 Euro. Bienert geht aber davon aus, dass die Dunkelziffer in diesen Betrugsfällen nach wie vor hoch ist, „obwohl immer mehr Bürger eine Anzeige machen“. Ganz deutlich sagt der Polizeipressesprecher eines voraus: „Die Tendenz dieser Betrugsmasche ist mehr als steigend. Wir werden viel, viel höhere Zahlen in der kommenden Statistik haben als sonst.“ Die Ereignisse seien kein Phänomen, das nur den Präsidiumsbereich Aalen, der den Ostalbkreis, den Kreis Schwäbisch Hall und den Rems-Murr-Kreis einschließt, betrifft. Bienert: „Das übersät das ganze Land.“

Die Vorgehensweise ist immer gleich. Beispiel: Das Telefon klingelt. Eine Rentnerin hebt den Hörer ab. Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein angeblicher Beamter: „Hier ist Herr Schneider von der Polizei.“ Wer das am Telefon hört, sollte hellhörig werden. Herr Schneider könnte ein Betrüger sein, der beispielsweise behauptet, in der Nachbarschaft sei eingebrochen worden, es seien Täter festgenommen worden. Danach erfragt er, ob Schmuck oder Bargeld im Haus sei. Der Mann fordert auf, einen größeren Bargeldbetrag von der Bank abzuheben. Diesen und den Schmuck solle das Opfer dann in die Obhut der angeblichen Polizisten geben.

So oder so ähnlich läuft die dreiste Betrugsmasche ab. Bei den Anrufen nutzen die Täter oft eine spezielle Technik, die bei einem Anruf auf der Telefonanzeige der Angerufenen die Polizeinotrufnummer 110 oder eine andere örtliche Telefonnummer erscheinen lässt. Auch per Post oder E-Mail würden die Betrüger ihre Opfer zur Zahlung höherer Geldsummen auffordern: Sie verschicken beispielsweise gefälschte Haftbefehle mit der Aufforderung, die im Schreiben genannte Geldstrafe zu bezahlen, ansonsten drohe die Inhaftierung.

Die „kriminelle Energie“ habe zugenommen, sagt Bienert. Obwohl viele Angerufene mittlerweile den Betrugsversuch erkennen und richtigerweise einfach auflegen, haben die Betrüger immer wieder Erfolg. „Diese Betrugsart ist für die Geschädigten besonders dramatisch, da es um hohe Schäden, teils um Gesamtvermögenswerte, sogar unter Umständen um Goldbarren geht“, sagt Bienert. „Wir warnen und warnen – davon lassen sich aber die Täter nicht beeindrucken. Sie sind sehr gewieft und lassen bei ihren Gesprächen am Telefon auch nicht locker.“ Opfertypen seien meist ältere Menschen. „Ein Täter filtert sich das fein säuberlich aus“, so der Polizist. Das beginne beispielsweise mit dem Durcharbeiten von Telefonbüchern.

Die Ermittlungen gestalten sich regelmäßig als schwierig, da die Hintermänner normalerweise aus Callcentern im Ausland anrufen. Selbst wenn man den Boten oder Kurier dingfest machen könne, habe man noch lange nicht die Hintermänner, so der Polizist. Was in den Augen des Beamten sehr viel bringt: die Banken zu sensibilisieren. Die Warnungen, die man an Banken herausgebe, seien sehr viel wert. Da wurde mittlerweile schon so mancher Betrugsversuch verhindert. Denn wenn das Geld mal übergeben wurde, sei es sehr schwierig, es wieder zurückzubekommen.

Fälle erfolgreich aufgeklärt:

Mögglingen: Falsche Polizisten festgenommen. Immer wieder kann die Polizei auch einen Ermittlungserfolg vermelden. Dank einer aufmerksamen Bankmitarbeiterin konnten am 10. Oktober zwei falsche Polizisten festgenommen werden. Eine 85-Jährige aus Oberkochen erhielt zunächst einen Anruf eines angeblichen Polizeibeamten. Dieser teilte der betagten Dame mit, dass in ihrer Nachbarschaft zwei Räuber festgenommen worden wären, welche einen Notizzettel mit dem Namen der Seniorin mitgeführt hätten. Weiterhin wurde der Frau suggeriert, dass ihr Geld bei der Bank nicht sicher sei und sie 20000 Euro von der Bank abheben solle. Die gutgläubige Frau begab sich schließlich zu ihrer Bank und hob wie gefordert 20000 Euro von ihrem Konto ab. Kurze Zeit später übergab sie das Geld den Tätern. Eine aufmerksame Bankmitarbeiterin ahnte, dass es sich um einen Betrugsversuch handeln könnte, und verständigte die Polizei. Eine Streife des Polizeireviers Aalen konnte die beiden Täter kurze Zeit später in Mögglingen festnehmen. Im Fahrzeug wurde der hohe Bargeldbetrag gefunden. Bei den Tätern handelt es sich um einen 41 Jahre alten Griechen sowie eine 34-jährige Deutsche.

Schwäbisch Gmünd: Falscher Polizeibeamter in Untersuchungshaft. Im Verlauf des Wochenendes 19. und 20. Oktober wurden mindestens 20 Anrufe aus dem gesamten Präsidiumsbereich Aalen der Polizei gemeldet. Einen weiteren Erfolg konnten die Beamten daraufhin aus dem Raum Schwäbisch Gmünd verkünden. Eine 77-Jährige war das Opfer. Ihr wurde mitgeteilt, dass Einbrecher festgenommen worden sind, auch ihre Wohnung im Visier stünde und sie ihre Vermögenswerte dringend in Sicherheit bringen müsse. Die Frau wurde telefonisch massiv bedrängt. Als Tatverdächtiger wurde ein 38-jähriger Türke festgenommen, er sitzt in Untersuchungshaft.

Hinweis
Die Polizei rät:

Geben Sie Unbekannten am Telefon niemals Auskunft über Ihre Vermögenswerte.

Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an Unbekannte.

Verschicken oder überweisen Sie kein Geld und keine Wertgegenstände an unbekannte Empfänger.

Lassen Sie sich am Telefon auf keinen Fall einschüchtern.

Lassen Sie sich nicht von der angezeigten Telefonnummer täuschen.

Notieren Sie die angezeigte Telefonnummer und informieren Sie im Verdachtsfall unter 110 die Polizei.

Echte Polizeibeamte würden niemals Besitzverhältnisse am Telefon abfragen oder Wertgegenstände abholen.

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Erstellt:
15. November 2019, 06:00 Uhr

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