Bierbrauer hat Ärger mit den Behörden

Ob die Murrhardter Craftbeer-Brauerei „Hey Joe Brewing“ von Thomas Szasz weiter Bier brauen darf, entscheidet sich an einem Kamin. Dieser ist laut Fachbehörde im Landratsamt vorgeschrieben, aber sehr teuer. Szasz bemüht sich um Alternativen.

Wie es mit der Brauerei von Thomas Szasz weitergeht, ist noch unklar. Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Wie es mit der Brauerei von Thomas Szasz weitergeht, ist noch unklar. Archivfoto: J. Fiedler

Von Melanie Maier

und Lorena Greppo

Murrhardt. Die Baugenehmigung liegt Thomas Szasz schon vor. Doch bevor er sich an die Umbaumaßnahmen seiner Brauerei macht, werde er noch eine Weile abwarten, sagt der Inhaber der Murrhardter Brauerei Hey Joe Brewing. 2017 gründete Szasz seine Craftbeer-Brauerei, die er seither nebenberuflich betreibt. Im Hauptberuf arbeitet der 33-Jährige aus Sulzbach an der Murr als Maschinenbauingenieur.

Von Jahr zu Jahr lief es mit seinen Bieren immer besser, Szasz konnte sich auf eine Stammkundengemeinschaft und Abnehmer in der Gastronomie verlassen. Doch seit der Coronapandemie ist offenbar der Wurm drin. Da sich die Flaschenbierproduktion für den Bierbrauer, der vom Schroten bis zur Etikettierung alles selbst macht, finanziell nicht lohnt, stellt er vor allem Fassbier her. Doch das war kaum mehr gefragt, als die Restaurants im Lockdown zumachten. Dazu kamen Probleme mit der Halle, in der Szasz braut. Als ein befreundeter Bierbrauer bei ihm einstieg und in Murrhardt eine Zweigniederlassung eröffnete, fiel auf, dass einige baurechtliche Änderungen nötig waren. Denn die Halle, in der Szasz seine Brauerei eingerichtet hat, wird noch als Werkshalle geführt (wir berichteten).

Mit den Änderungsmaßnahmen sind selbstverständlich Kosten verbunden. Aus diesem Grund startete der Bierbrauer ein Crowdfunding, das auch erfolgreich war. Rund 9000 Euro kamen für den Umbau der Halle seit Anfang dieses Jahres zusammen, berichtet Szasz. „Das war echt mega, damit wären wir gut hingekommen.“

Er wollte schon mit den ersten Arbeiten loslegen, doch dann bekam er eine E-Mail vom Murrhardter Baurechtsamt. Er brauche einen Kamin für die Halle. Das sehe die für den Emissionsschutz zuständige Behörde des Landratsamts vor. „Wenn wir die Bierwürze kochen, entsteht – wie beim Kochen – Wasserdampf“, erklärt Szasz. Die Behörde sehe das als „geruchsbehaftetes Abgas“, das entsprechend entsorgt werden müsse. Der Kostenfaktor: „Minimum 15000 Euro“, sagt Szasz. Denn einbauen darf er nicht irgendeinen Kamin. Er muss bestimmte Vorgaben erfüllen und speziell angefertigt werden. „Es geht darum, den Wasserdampf in einer bestimmten Höhe abzuführen, damit die Nachbarschaft nicht beeinträchtigt ist“, führt Szasz aus.

Dabei stört die Nachbarschaft sich nicht an dem Biergeruch, der ein- bis zweimal für maximal 1,5 Stunden aus der Halle strömt. „Wir haben eine Einverständniserklärung von den Nachbarn eingeholt – alle haben gesagt, es stört sie gar nicht“, betont Szasz. Was ihn dagegen umtreibt: „Es war noch nicht einmal jemand vom Landratsamt da, um zu überprüfen, ob das Sinn macht.“

Der Maschinenbauingenieur hätte auch schon einen Gegenvorschlag zum Kamin. Er könnte sich vorstellen, einen Pfannendunstkondensator zu bauen, der den Dampf sammelt. So könnte man das kondensierte Wasser als Abwasser über die Kanalisation abführen. „Das wäre außerdem hygienisch besser, denn so kommt das Abgas erst gar nicht nach draußen“, sagt Szasz. Ein weiterer Pluspunkt: Diese Lösung wäre auch um einiges günstiger.

Doch bisher besteht die Behörde auf den Kamin. Er sei zwingend notwendig, habe der Architekt, den Szasz beauftragt hat, ihm mitgeteilt. In der Baugenehmigung ist zwar nur von einer Abgasreinigungsanlage die Rede, doch die E-Mail, die ihn Wochen nach der Genehmigung erreichte, lässt keinen Zweifel offen. „Uns liegt eine Stellungnahme der Fachbehörde beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis vor zum entsprechenden Baugesuch. Mit dieser wurde die Erstellung eines Kamins für die abzuführenden Dämpfe gefordert. Diese fachtechnische Stellungnahme können wir in unserem Verfahren nicht ohne Weiteres übergehen“, erklärt Bürgermeister Armin Mößner. Die von Thomas Szasz vorgeschlagene Alternative sowie dessen Argumente dafür habe man erneut an die Fachbehörde im Landratsamt gesandt mit der Bitte um erneute Prüfung des Sachverhalts und Einschätzung. Diese Prüfung laufe derzeit, ein Ergebnis gelte es abzuwarten.

Ob es mit der Brauerei Hey Joe Brewing weitergeht, steht und fällt also damit, ob es wirklich ein Kamin sein muss. Denn diesen möchte Szasz nicht einbauen: „Das ist reine Bürokratie, das werden wir definitiv nicht machen.“

Thomas Szasz (Bierbrauer im Nebenberuf),
ärgert sich über die Vorgaben der Ämter. „Wir haben eine Einverständniserklärung von den Nachbarn eingeholt – alle haben gesagt, es stört sie gar nicht.“

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Erstellt:
2. September 2021, 06:00 Uhr

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