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Bis März rollt Plan B auf der Murrbahn

Go-Ahead als neuer Betreiber der Regionalexpress-Verbindung Stuttgart–Nürnberg greift vorerst auf älteres Wagenmaterial zurück

Mit einem Ersatzkonzept geht Go-Ahead am 15. Dezember auf der Murrbahn an den Start: Ältere Fahrzeuge anderer Bahnunternehmen sollen auf der Strecke Stuttgart–Nürnberg verkehren, bis die neuen Flirt-Triebwagen ausreichend getestet sind. Das Verkehrsministerium hatte von Go-Ahead verlangt, stabile Verhältnisse zu gewährleisten.

Ein Flirt-Triebwagen aus der Flotte von Go-Ahead fährt am Bahnhof Aalen ein. Die neuen Flirt-XL-Fahrzeuge, die ab März auf der Murrbahn zum Einsatz kommen sollen, sehen äußerlich wie ihr Vorgänger aus, sie bestehen jedoch aus drei Teilen und haben einen längeren Mittelwagen. Zunächst sollen sie aber erst noch eingehend getestet werden, um Ausfälle zu verhindern. Foto: S. Berger

© Sebastian Berger

Ein Flirt-Triebwagen aus der Flotte von Go-Ahead fährt am Bahnhof Aalen ein. Die neuen Flirt-XL-Fahrzeuge, die ab März auf der Murrbahn zum Einsatz kommen sollen, sehen äußerlich wie ihr Vorgänger aus, sie bestehen jedoch aus drei Teilen und haben einen längeren Mittelwagen. Zunächst sollen sie aber erst noch eingehend getestet werden, um Ausfälle zu verhindern. Foto: S. Berger

Von Armin Fechter

BACKNANG/CRAILSHEIM. Der große Fahrplanwechsel am 15. Dezember markiert auch den Betriebsstart für Go-Ahead auf der Murrbahn. Vorgesehen ist wie bisher ein Zweistundentakt auf der Strecke Stuttgart–Schwäbisch Hall-Hessental– Crailsheim–Ansbach–Nürnberg.

Der Übergang vom bisherigen Betreiber, der Deutschen Bahn, soll nach dem Willen der Beteiligten weniger holprig vonstattengehen als bei den anderen Strecken, die Go-Ahead übernommen hat. So hatte es unter anderem auf der Remsbahn große Probleme mit Verspätungen, Zugausfällen und unterschiedlichsten Störungen gegeben.

Das Ersatzkonzept sieht nun vor, dass drei verschiedene Subunternehmen, die Go-Ahead ins Boot geholt hat, den Betrieb mit fünf Zuggarnituren vorübergehend gewährleisten sollen. Es handelt sich, wie Gordon Lemke, Projektleiter Betrieb von Go-Ahead, gestern bei einer Pressekonferenz in Crailsheim sagte, um die WFL Wedler Franz Logistik aus Potsdam, die TRI Train Rental International, Eckental-Eschenau, und um die Centralbahn AG aus der Schweiz. Zum Einsatz kommen lokbespannte Züge. Darunter seien zum Teil sehr moderne Loks, aber auch ältere Wagen – die sogenannten Silberlinge. Diese Züge sollen den vom Land geforderten zuverlässigen Betriebsstart sicherstellen, und zwar, so die Planungen, bis 29. Februar. In der Zwischenzeit sollen die neuen Flirt-Triebwagen von Stadler Pankow erprobt werden.

„Zweieinhalb Monate reichen aus“, zeigte sich Hans-Peter Sienknecht zuversichtlich, was den Testbetrieb angeht. Der kaufmännische Geschäftsleiter von Go-Ahead Baden-Württemberg schätzt die Wahrscheinlichkeit „sehr hoch“ ein, dass die neuen Züge ab 1. März fahren. Die Erkenntnisse, die auf den schon seit Juni von Go-Ahead betriebenen Strecken gewonnen wurden, fließen in die neuen Fahrzeuge ein, machte er deutlich.

„Für uns ist wichtig: Es fallen keine Züge aus, es wird alles gefahren“, sagte Markus Gericke vom Verkehrsministerium zum Ersatzkonzept. Damit sei die Inbetriebnahme mit Go-Ahead sichergestellt, wenn auch mit einem Wermutstropfen: Die schönen neuen Fahrzeuge im gelb-weißen Landesdesign kämen etwas später. Auf jeden Fall aber, so unterstreichen beide Seiten: Go-Ahead bleibe unverändert das beauftragte und leistungserbringende Unternehmen. Mit dem Ersatzkonzept kann der Fahrplan nach den Worten von Felix Schmidt-Eisenlohr von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg „im Prinzip wie heute“ fortgeführt werden, es könnten sich allenfalls Abweichungen im Minutenbereich ergeben, weil die Züge sich anders fahren lassen als die Triebwagen.

„Die ersten Inbetriebnahmen sind leider etwas anders verlaufen, als es sich jeder von uns gewünscht hat“, bedauerte Geschäftsleiter Sienknecht rückblickend. Mit verantwortlich machte er dafür, dass die neue Technik in den Fahrzeugen übersensibel eingestellt gewesen sei. Bei den kleinsten Unstimmigkeiten, die von Sensoren gemeldet wurden, seien die Züge auf Störung gegangen. Das werde jetzt mit einem Softwareupdate anders einjustiert. Personell sei Go-Ahead gut aufgestellt, versicherte er und verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine Kooperation mit der DB Regio. Darüber hinaus baut das Land einen eigenen Pool an Lokführern für den Notfall auf. Allerdings seien Fahrer nach wie vor knapp: Wenn eine Grippewelle anrollt, werde dies nicht so locker abzupuffern sein.

Weg von der alten Relaistechnik und hin zur Elektronik

„Wir setzen alles daran, dass das nicht noch einmal passiert“, erklärte auch Andreas Hiller, Leiter Instandhaltung bei der Stadler Rail AG, zu den massiven Startschwierigkeiten. Der Fahrzeugbauer hatte, so Hiller weiter, die Steuerung in den bewährten Fahrzeugen und damit deren Herz überarbeitet und mit einer neuen Netzwerktechnik ausgestattet. Man wollte wegkommen von der alten Relaistechnik und der Mechanik und hin zur Elektronik, die eine rasche Fehlersuche ermöglichen soll. Auf diese Veränderungen müssten sich aber die Fahrer erst neu einstellen. Um schneller und effektiver auf Störungen reagieren zu können, habe man zusätzliches Personal geholt und die Werkstattkapazitäten erhöht.

Die Flirt-XL-Triebwagen, die auf der Murrbahn eingesetzt werden, stellen wiederum eine Weiterentwicklung dar. Der neue Typ sieht äußerlich aus wie sein Vorgänger, der auf der Remsbahn fährt, er besteht aber, wie Sienknecht sagte, aus drei Teilen mit einem vergrößerten Mittelwagen. Zudem wurde die Leittechnik, so Andreas Hiller, auf die Bedingungen der Murrbahn angepasst. Bereits im September hätten die Schulungen für die Fahrzeugführer begonnen. Die Auslieferung der neuen Züge hat sich aber hingezogen, die letzten würden diese Woche erwartet, sagte Sienknecht – und damit habe keine Chance auf einen Vorlaufbetrieb bestanden. In Abstimmung mit dem Ministerium habe man daher das Ersatzkonzept als Plan B aufgestellt. Die Interimswagen sollen aber für die kurze Zeit nicht aufs neue Design umlackiert werden, allerdings soll, so Lemke, durchaus kenntlich gemacht werden, dass die Züge im Auftrag von Go-Ahead fahren.

Die Fahrpläne für die Go-Ahead-Linien sind im Netz auf www.go-ahead-bw.de einsehbar. Die Daten werden aber auch, wie Schmidt-Eisenlohr versicherte, im Kursbuch Baden-Württemberg auf www.bwegt.de und in der elektronischen Fahrplanauskunft der Bahn geführt.

Im Vorfeld des Betreiberwechsels hat sich der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber mehrfach in Sorge um einen reibungslosen Übergang an den Verkehrsminister gewandt. Zuletzt hat er unter anderem nachgefragt, ob im Ersatzkonzept die vertraglich vereinbarte Sitzkapazität zur Verfügung stehe. Ministerialdirektor Uwe Lahl sicherte dies zu: „Auch wenn nicht alle Komfortmerkmale direkt eingehalten werden, so haben wir darauf geachtet, dass die Kapazitäten mindestens genauso groß sind.“ Zur Frage, ob denn gegenüber dem Ministerium auch zugesichert worden sei, dass ausreichend Personal bereitsteht, antwortete Lahl vorsichtig: Die personelle Ausstattung basiere auf einer soliden Planung.

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Erstellt:
6. Dezember 2019, 06:00 Uhr

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