Bis zu vier Prozent Wachstum in diesem Jahr

dpa Berlin. Rezession besser überstanden als von vielen erwartet: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier rechnet mit einer positiven Entwicklung der deutschen Wirtschaft noch in diesem Jahr.

„Beispielloser gemeinsamer Kraftakt“: Peter Altmaier. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

„Beispielloser gemeinsamer Kraftakt“: Peter Altmaier. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Wirtschaftsminister Peter Altmaier erwartet angesichts der abflauenden Corona-Krise in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum hierzulande von bis zu vier Prozent.

Deutschland habe die Rezession besser überstanden als von vielen erwartet, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Der Staat habe seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 insgesamt 300 Milliarden Euro in die Hand genommen, um den Abschwung abzumildern. Dank dieses „beispiellosen gemeinsamen Kraftakts“ sei es gelungen, schweren Schaden von der heimischen Wirtschaft abzuwenden. So seien Hunderttausende, vermutlich bis zu einer Million Arbeitsplätze gesichert worden.

Stabilisierung bei der Staatsverschuldung in zehn Jahren

Im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,9 Prozent eingebrochen - und damit nicht so schlimm, wie von vielen Experten befürchtet. Ein Jahr nach der Einigung der schwarz-roten Koalition auf ein milliardenschweres Konjunkturpaket sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) im ZDF, ein starkes Wirtschaftswachstum sei nun das Wichtigste, um die gestiegene Schuldenlast des Staates abzuschütteln. Er rechne mit einer Stabilisierung bei der Staatsverschuldung in zehn Jahren. Es müsse „Wachstum in großem Maße“ organisiert werden.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rechnet nicht mit einer riesigen Pleitewelle als Folge der Corona-Krise. „Klar ist, dass die Unternehmensinsolvenzen zunehmen werden“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Ossig der dpa. „Wir erwarten allerdings keinen sprunghaften Anstieg, sondern einen Prozess, der sich über mehrere Monate hinziehen wird.“ Die Experten des Verbandes rechnen mit 24.000 Firmenpleiten in diesem Jahr - und damit weniger, als zunächst von einigen Beobachtern befürchtet. „Das sind Zahlen, die verkraftbar erscheinen“, stellte Ossig fest.

Am 3. Juni 2020 hatten die Koalitionsspitzen umfangreiche Hilfen beschlossen, um die Wirtschaft anzukurbeln. „Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen“, sagte Vizekanzler Scholz damals. Enthalten war eine bis Ende 2020 befristete Senkung der Mehrwertsteuer sowie ein einmaliger Kinderbonus. Daneben ging es um höhere Prämien für Elektroautos sowie Milliardenhilfen für Kommunen. Für besonders belastete Firmen wurden Überbrückungshilfen beschlossen.

Auch Scholz zog eine positive Bilanz: „Dadurch, dass wir dieses viele Geld eingesetzt haben, ist es gelungen, die Wirtschaft zu stabilisieren. Wir sind viel besser durch die Krise gekommen als alle vorher gesagt haben.“

Altmaier für Fortsetzung der Corona-Wirtschaftshilfen

Altmaier warb dafür, die Corona-Wirtschaftshilfen für bedürftige Unternehmen über den 30. Juni hinaus möglichst bis Jahresende zu verlängern. Er setze dabei auf eine endgültige Verständigung mit dem Koalitionspartner SPD in der kommenden Woche. Missbrauch sei dabei ausgeschlossen, betonte er. Die antragstellenden Firmen müssten ihre Umsatzverluste konkret belegen. Mit Blick auf Betrugsvorwürfe gegen Testanbieter rechtfertigte er auch die teils langsame Auszahlung der Corona-Wirtschaftshilfen. Die aktuelle Diskussion über die Testzentren zeige, wie gefährlich mangelnde Kontrolle sein könne. „Und genau das haben wir bei den Wirtschaftshilfen verhindert“, sagte Altmaier im ZDF-„Morgenmagazin“.

Altmaier sagte, angesichts der abflauenden Krise und sinkender Corona-Infektionszahlen müsse nun auch das Auslaufen der außerordentlichen staatlichen Hilfen eingeleitet werden - schließlich sei Deutschland eine Marktwirtschaft. Er wandte sich zugleich gegen Vorschläge, die Schuldenbremse für den Bundeshaushalt weiter womöglich auf Jahre hinaus auszusetzen. Dies wäre ein schwerer Fehler, auch weil es Zweifel am „Erfolgsmodell Deutschland“ wecken könne.

Mit Blick auf das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das verschärfte Anstrengungen beim Klimaschutz einfordert, sagte Altmaier, Deutschland müsse bereit sein, einen „Teil der Aufschwung-Dividende“ in mehr Klimaschutz zu investieren und in die Transformation hin zu CO2-armen Produktionsprozessen. Er forderte erneut, dass angesichts der schon beschlossenen steigenden Bepreisung klimaschädlicher Treibhausgas-Emissionen im Gegenzug die Strompreise sinken sollten. Die EEG-Umlage gehöre daher abgeschafft. Mit der Umlage zahlt jeder Verbraucher über seine Stromrechnung für die Förderung von Ökostrom.

© dpa-infocom, dpa:210603-99-844922/6

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Erstellt:
3. Juni 2021, 10:09 Uhr

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