Bischöfe für klimafreundlichen Urlaub

dpa/lsw Freiburg/Stuttgart. Die Schöpfung bewahren - dazu rufen die Kirchen schon lange auf. Doch die von Greta Thunberg ausgelöste Klimaschutzbewegung hat dem alten christlichen Gebot eine neue Dynamik verpasst: Christen sollen klimafreundlich in den Urlaub fahren.

Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Foto: Christoph Schmidt

Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Foto: Christoph Schmidt

Der katholische Erzbischof von Freiburg und der evangelische Landesbischof in Württemberg haben die Christen zum Beginn der Sommerferien zu mehr Klimaschutz aufgerufen. Die globale Erderwärmung kenne keine Ferien, sagte Erzbischof Stephan Burger der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Wahl des Urlaubsziels und der Verkehrsmittel sowie bei Urlaubsaktivitäten sollte dies bedacht werden.

Landesbischof Frank Otfried July sprach sich für ein freiwilliges „und damit nachhaltiges“ Tempolimit auf Autobahnen aus. „Alles, was dem Klimaschutz dient, ist begrüßenswert“, sagte July. „Daher bin ich dafür, etwas auf die Bremse zu treten und den CO2-Ausstoß zu verringern. Schöner wäre es aber, wenn die Leute es freiwillig machen würden.“

Die Evangelische Kirche Mitteldeutschland hat eine Petition für ein allgemeines Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen gestartet. Die Grünen im Bundestag unterstützen die Forderung.

„Ich möchte das nicht als einzelpolitische Forderung erheben“, sagte July. „Mir geht es eher darum, dass jeder überlegt, was er beitragen kann. Die Menschen spüren doch gerade in diesen Tagen: Es wird Zeit.“

Burger betonte: „Im Urlaub gilt nichts anderes als sonst: Wir müssen Gewohnheiten überdenken und vielleicht ändern, wenn es bessere Alternativen gibt.“ Er selbst werde im Sommerurlaub in der Heimat bleiben. Weiter als bis zu den Alpen werde er nicht reisen.

„Wenn wir die Schöpfung in ihrer Vielfalt wirklich bewahren wollen, gibt es keine Zeiträume oder Anlässe, zu denen wir das Klima mehr schädigen dürfen als zu anderen Zeiten“, sagte der katholische Erzbischof. „Gerade in unserem Urlaub genießen wir ja die Natur und unsere Umwelt besonders intensiv, und das wollen wir mit gutem Gewissen tun können.“ Jeder sei dabei für sein Handeln selbst verantwortlich.

July schränkt nach seinen Angaben die Zahl seiner Inlandsflüge ein und setzt anstelle einer Konferenz vor Ort auch mal auf einen Austausch per Videoschalte. „Der nächste Dienstwagen wird ein kleinerer, rein elektrischer sein“, kündigte der evangelische Oberhirte an.

Der 65-Jährige ergänzte: „Die Bewahrung der Schöpfung ist für die Kirchen nichts Neues, sondern gehört zum biblischen Auftrag, aber wir müssen das noch mehr wahrnehmen. Es ist eine Herausforderung nicht nur für unsere Reiseplanung, sondern für unseren Lebensstil insgesamt: Müssen wir etwas entschleunigen?“

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Erstellt:
28. Juli 2019, 10:05 Uhr

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