Polizei: Bislang keine rassistischen Motive für Brandsätze

dpa/lsw Marbach. Drei zeitgleiche Brände versetzen das idyllische Marbach am Neckar in Angst und Schrecken. Wenig später kommt noch eine Explosion vor einem Geschäft hinzu. Ein 42-Jähriger könnte für die ersten drei Brandsätze verantwortlich sein. Das Motiv ist noch ein Rätsel.

Feuerwehrleute löschen einen Brand in einem Gebäude in der Marbacher Innenstadt. Foto: Simon Adomat/VMD-Images/dpa/Archivbild

Feuerwehrleute löschen einen Brand in einem Gebäude in der Marbacher Innenstadt. Foto: Simon Adomat/VMD-Images/dpa/Archivbild

Die Polizei schließt nach einer Attacke mit Brandsätzen auf mehrere Gebäude in Marbach rassistische Motive des mutmaßlichen Täters momentan aus. Es gebe dafür nach derzeitigem Ermittlungsstand keine Anhaltspunkte, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Der Staatsschutz sei nicht eingeschaltet. Bei der Tat in der Nacht auf Samstag wurden acht Menschen verletzt. Es entstand ein Schaden von mehr als einer halben Million Euro.

Bei seiner Festnahme hatte der Deutsche auch polizei- und fremdenfeindliche Parolen von sich gegeben und Beamte beleidigt, wie die Polizei mitgeteilt hatte. Der 42-Jährige habe sich in einem „psychischen Ausnahmezustand“ befunden. Er sitze in Untersuchungshaft. Er war der Polizei zuvor noch nicht bekannt.

Laut Polizei besteht keinerlei Verbindung zwischen den Brandsätzen in der Nacht zum Samstag und einer Explosion am späten Samstagabend ebenfalls in Marbach (Kreis Ludwigsburg). Dabei richtete ein Sprengsatz am Eingang eines Einkaufsmarktes einen Schaden von 10 000 Euro an. Dem oder den Tätern gelang es nicht, in den Laden einzudringen. Nach ihm oder ihnen wird noch gesucht.

Im Fall vom frühen Samstagmorgen hatten Polizisten gegen 3.00 Uhr bemerkt, dass jemand einen selbstgebauten Brandsatz gegen die Eingangstür des Polizeireviers geworfen hatte. Zeitgleich meldeten Zeugen zwei weitere Brände in der Nähe. Auch dort waren Brandsätze - vermutlich Molotow-Cocktails - gegen ein Wohnhaus und die evangelische Kirche geworfen worden.

Während einige Polizisten die zwei Meter hohen Flammen am Polizeirevier bekämpften, verfolgten drei weitere den mutmaßlichen Täter und nahmen ihn fest. Dabei habe der mit einem Schlagstock bewaffnete Mann eine Beamtin mit einer Schnapsflasche beworfen.

Ersthelfer löschten derweil den Brandsatz an der evangelischen Kirche und brachten fünf Bewohner eines brennenden Wohnhauses ins Freie. Die Feuerwehr kämpfte Stunden mit den Flammen. Das Gebäude war nicht mehr zu retten. Wegen hoher Kohlenmonoxidbelastung mussten auch die Bewohner des Nachbarhauses aus ihren Wohnungen. Sie gelangten ohne Hilfe ins Freie.

Vier Bewohner des angezündeten Mehrfamilienhauses und zwei Ersthelfer wurden leicht verletzt. Sie mussten medizinisch versorgt werden. Auch zwei Polizisten erlitten leichte Verletzungen.

Neben Feuerwehr und Polizei waren der Bevölkerungsschutz, Rettungsdienste und der Bürgermeister vor Ort. Ein Hubschrauber suchte aus der Luft nach weiteren Brandstellen. Nach ersten Schätzungen der Polizei entstand am Mehrfamilienhaus ein Schaden von mindestens 500 000 Euro. Das Gebäude ist einsturzgefährdet und nicht mehr zu bewohnen. Der Schaden an der Kirche wurde auf etwa 10 000 Euro geschätzt, der am Polizeirevier war zunächst unklar.

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Erstellt:
4. Oktober 2020, 12:20 Uhr

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