BKZ-Artikel war für Bewerbung ausschlaggebend

Mit Kai-Uwe Ernst und Matthias Bacher treten in Auenwald zwei Kandidaten an, mit denen zuvor niemand gerechnet hat.

BKZ-Artikel war für Bewerbung ausschlaggebend

Von Florian Muhl

AUENWALD. Das war eine Überraschung. Bis fast zum Ende der Bewerberfrist für die Bürgermeisterwahl in Auenwald am 14. März gingen alle Gemeinderäte davon aus, dass sich nur der amtierende Bürgermeister Karl Ostfalk für seine dann dritte Amtsperiode bewerben wird. Doch dann auf den letzten Drücker haben zwei weitere ernsthafte Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen, die zuvor niemand auf dem Schirm hatte (wir berichteten).

Kai-Uwe Ernst aus Berglen ist beim Finanzamt Waiblingen als Sachbearbeiter tätig. Der 26-Jährige ließ sich nach der Mittleren Reife zum Finanzwirt ausbilden. Tätig war er dabei beispielsweise beim Landesamt für Besoldung und Versorgung in Fellbach, dem Statistischen Landesamt in Stuttgart und der Oberfinanzdirektion in Karlsruhe. Im Anschluss besuchte Ernst das berufliche Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen, um seine Fachhochschulreife zu erwerben. Danach war er für knapp zwei Jahre bei einem mittelständischen Unternehmen als Lohnsachbearbeiter tätig. Anschließend erhielt Ernst ein Stipendium des Deutschen Bundestags und war für ein Jahr in Lincoln/Nebraska/USA. Dort studierte er am College Fächer wie „Business Ethics“ und „Principles of Management“ und arbeitete zudem zeitweise für eine Versicherungsgesellschaft.

Von Oktober 2017 bis zum diesjährigen Frühjahr absolvierte Ernst den dualen Bachelorstudiengang „Steuerverwaltung“ an der Hochschule in Ludwigsburg und ging dann zum Finanzamt Waiblingen. „Trotz meiner jungen Jahre bringe ich sowohl national als auch international reichlich an Erfahrung mit und fühle mich den Herausforderungen eines Bürgermeisters gewachsen“, sagt Ernst. Für ihn stehe der Mensch im Vordergrund seines politischen Handelns.

Ernst bezeichnet sich selbst als einen sehr offenen Menschen, einfühlsam und empathisch, immer bereit, neue Erfahrungen zu sammeln und aus diesen zu lernen. „In meiner Freizeit treffe ich mich gerne mit Freunden, versuche mich sportlich fit zu halten und reise sehr gerne.“ Für die nötige Bewegung sorgt seine Hündin Kira, durch die er schöne Spaziergänge in der Natur zu schätzen weiß.

Matthias Bacher wohnt seit 28 Jahren in Mittelbrüden. Der 58-jährige Maschinenbauingenieur (FH) ist mit einem Ingenieurbüro für Wärmetauscher und Energiesysteme in Backnang selbstständig. Weil er der Meinung ist, dass sich die Gemeinde Auenwald schneller und konsequenter Richtung Klima- und Umweltschutz bewegen muss, habe er schon „eine ganze Weile“ wegen einer Kandidatur mit sich gehadert. Ausschlaggebend sei dann der BKZ-Artikel „In Auenwald ist kein Gegenkandidat in Sicht“ vom 12. Februar gewesen. „Ich hab mir gedacht: Wenn der Herr Ostfalk der einzige Bewerber ist, das kann nicht sein, weil der geht in die Wahlkabine, macht bei sich ein Kreuz und ist damit Bürgermeister. Das geht nicht“, sagt Bacher, der seine Bewerbung erst am Montag abgab.

In der Gemeinde sei er gut verwurzelt. „Ehrenamtlich bin ich schon sehr lange Zeit Kassenwart der Nabu-Ortsgruppe hier in Auenwald. Und ich war sechs Jahre lang Elternbeirat, vier Jahre an der Grundschule Oberbrüden und zwei Jahre am Bize.“ Und seinen Sohn Jean Robert Pierre, den seine Frau und er mit zwei Jahren aus Haiti adoptiert haben und der heute 15 Jahre alt ist, kenne auch jeder. In seiner Freizeit radelt der 58-Jährige sehr gern und ausgiebig in den umliegenden Wäldern herum. Zumindest mit Flyern will Bacher für sich werben. Am Wahltag rechnet er mit „einigen Hundert Stimmen“. Zufrieden wäre er mit 10 bis 20 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Auf dem Wahlzettel steht zudem Dauerkandidat Samuel Speitelsbach (34). Der Ingenieur, der in der Vergangenheit vor allem durch rechtsradikale Provokationen aufgefallen ist, bewirbt sich zeitgleich in mindestens neun weiteren Kommunen bei Bürgermeisterwahlen.

Karl Ostfalk hatte mit Gegenkandidaten gerechnet. Bei den Wahlen 2005 und 2013 habe er auch Mitbewerber gehabt. Mit seinen 62 Jahren fühle er sich „jung genug, um eine volle Amtszeit ableisten zu dürfen“. Auf Anfrage unserer Zeitung hatte Nicole Birkenbusch, Fraktionssprecherin der Neuen Liste Auenwald (NLA) mitgeteilt, dass die NLA befürchte, „dass Herr Ostfalk die neu angestrebte Amtszeit von weiteren acht Jahren nicht voll ableisten wird“. Und weiter: „Wir hoffen nun alle, dass dadurch die neue und dritte Amtszeit unseres Bürgermeisters nicht unter dem Stern ,verwalten‘ statt ,gestalten‘ stehen wird.“ Daraufhin angesprochen sagt Ostfalk, dass er in der Vergangenheit nicht nur verwaltet, sondern auch gestaltet hat. Und so lange er geistig und körperlich fit ist, will er den Job machen. „Ich will so lange es geht, so lange wie möglich, Bürgermeister der Gemeinde Auenwald sein.“

Von den 6726 Einwohnern sind 5615 bei der Bürgermeisterwahl Auenwald am 14. März wahlberechtigt. Wie Hauptamtsleiterin Yvonne Bader sagt, ist die Briefwahl die sicherste Möglichkeit zum Wählen.

Kai-Uwe Ernst. Foto: privat

Kai-Uwe Ernst. Foto: privat

Matthias Bacher. Foto: privat

Matthias Bacher. Foto: privat

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Erstellt:
17. Februar 2021, 06:00 Uhr

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