Blaues Wasser verunsichert Heidelberger

Behörden verbieten Händewaschen und schließen Cafés – Anwohner kaufen Trinkwasserbestände von Supermärkten leer

Heidelberg Bis um die Mittagszeit ist die Feuerwehr mit Blaulicht durch den Heidelberger Norden und den Nachbarort Dossenheim gefahren: „Achtung, Achtung, aufgrund einer Verunreinigung ist der Verbrauch und Verzehr von Trinkwasser verboten“, tönte es aus dem Lautsprecher des Fahrzeugs. Auch Speisen, „die nach acht Uhr zubereitet worden sind“, dürften nicht gegessen werden. „Waschen Sie sich nicht die Hände!“, warnten die Einsatzkräfte.

Die Feuerwehr empfahl den Anwohnern, Wasservorräte anzulegen. Und schon wenig später wurden in einigen, wenn auch nicht in allen Supermärkten von Heidelberg und Dossenheim die Wasserflaschen knapp. Die Mensen der Universität wurden geschlossen, für Tausende Studenten ist das Mittagessen ausgefallen. Cafés und Gaststätten haben vorsorglich zugemacht, im Uniklinikum und zwei benachbarten Krankenhäusern wurde ein Krisenstab eingerichtet. Bei den Hotlines des Gesundheitsamts war für besorgte Bürger kaum noch ein Durchkommen.

Ausgelöst hatten die Sorgen um das Trinkwasser etliche Dossenheimer Bürger. Die hatten zwischen halb neun und halb zehn bei der Gemeinde und beim Gesundheitsamt angerufen und eine bläuliche Verfärbung ihres Leitungswassers gemeldet.

Wenig später entnahmen Mitarbeiter der Stadtwerke Heidelberg, die für die Versorgung zuständig sind, in ihrem Wasserwerk „Entensee“ im Norden der Stadt eine Eimerprobe – und stellten gleichfalls eine leicht bläuliche Verfärbung fest. Gegen zehn Uhr wurde das Wasserwerk geschlossen.

Zehn Wasserproben wurden zur Untersuchung an das Hygieneinstitut der Universität Heidelberg und an ein Speziallabor der Mannheimer Feuerwehr geschickt. Um 14 Uhr teilten die Vertreter des Gesundheitsamts und die Stadtwerke bei einer Pressekonferenz dann mit, es gebe nach den bisherigen Analyseergebnissen keinen Grund zur ­Besorgnis.

Es habe sich niemand mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen gemeldet, „die Wahrscheinlichkeit von Schäden ist sehr gering“, so die Behörden. Eine Entwarnung könne man allerdings noch nicht geben. Die kam knapp zwei Stunden später. Die Ergebnisse der Untersuchungen seien „unkritisch“, teilte die Stadt Heidelberg mit, das Wasser könne „ab sofort wieder in vollem Umfang genutzt werden.

Kurz danach hob auch das Gesundheitsamt die Trinkwasserwarnung offiziell auf. Feuerwehrautos für Lautsprecheransagen wurden dafür allerdings nicht mehr überall losgeschickt.

Noch keine Antwort gab es auf die Frage, woher die Verfärbung des Wassers rührte. Fest stehe, dass sie vom Wasserwerk „Entensee“ gekommen sei. Dort habe es in den letzten Tagen aber keine Vorkommnisse oder besondere Arbeiten gegeben, die als Ursache infrage kämen, sagte der Stadtwerke-Sprecher. „Die Behörden gehen davon aus, dass es sich um eine Verfärbung handelte, die auf der natürlichen Schwankungsbreite der Zusammensetzung des Wassers beruht“, teilte die Pressestelle der Stadt mit.

„Wir haben mit unseren Maßnahmen schon für sehr viel Aufregung gesorgt“, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes, Rainer Schwartz. „Aber wir mussten die möglichen Gefahren abwägen“, erklärte er. Daher habe man auch das Händewachen untersagt. „Denn wenn es toxische oder ätzende Verunreinigungen gegeben hätte, hätte man uns Vorwürfe gemacht“, meinte der Mediziner.

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Erstellt:
8. Februar 2019, 03:14 Uhr

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