Sonne, Mond und Sterne im Mai
Blue Moon: Der Vollmond ist im Wonnemonat gleich zwei Mal zu sehen
Warum der Mai einen seltenen Blue Moon bringt – einen zweiten Vollmond im Monat. Unterdessen liefern sich Venus und Jupiter ein Rennen am Abendhimmel.
© Robert Michael/dpa
Der Mond geht am Abend hinter der Kuppel der Akademie der Bildenden Künste in Dresden mit dem Engel „Fama“ auf. Im Mai 2026 ist gleich zweimal ein Vollmond zu sehen.
Von Hans-Ulrich Keller(dpa)/Markus Brauer
Der Mai bietet Himmelsguckern gleich zwei Vollmondphasen. Die erste tritt bereits am 1. Mai um 19.23 Uhr ein. Da eine volle Lunation – die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden gleichen Mondphasen, also beispielsweise von Vollmond zu Vollmond – 29,5 Tage dauert, der Mai aber 31 Tage hat, kommt es diesmal zu einem zweiten Vollmond in diesem Monat.
Erdtrabant zweimal voll beleuchtet
Am 31. Mai zeigt sich der Erdtrabant abermals voll beleuchtet. Die exakte Vollmondphase wird um 10.45 Uhr erreicht. Da der Mond am folgenden Abend mit 405.839 Kilometern auch in Erdferne kommt, erscheint der Vollmond am kleinsten in diesem Jahr.
Ein zweiter Vollmond in einem Monat wird von den Amerikanern als Blue Moon bezeichnet. Keinesfalls leuchtet jedoch der zweite Vollmond in einem blauen Licht. Da ein solches Ereignis selten eintritt, bedeutet „Once in a Blue Moon“ alle Jubeljahre einmal. Der nächste Blaue Mond ist der Vollmond vom 31. Dezember 2028.
„Once in a Blue Moon“
Das ein Blauer Mond am Himmel erscheint, passiert statistisch etwa 41 Mal im Jahrhundert bzw. 412 Mal im Jahrtausend – im Durchschnitt also rund alle 2,4 Jahre, naturgemäß am häufigsten in den Monaten mit 31 Kalendertagen.
Der Begriff wurde erstmals um 1528 im englischen Sprachraum benutzt und bezeichnete dort ein seltenes Ereignis.
Nachdem der Begriff des Blauen Mondes Anfang des 20. Jahrhundert verloren ging, wurde er wieder erstmals in einem Artikel in der Zeitschrift „Sky & Teleskope“ im März 1946 genannt. Der Amateur-Astronom James Hugh Pruett (1886-1955) schrieb dort einen Aufsatz mit dem Titel „Once in a Blue Moon“.
Neumond tritt am 16. Mai um 22.01 Uhr ein. Einen Tag nach Neumond kommt der Mond in Erdnähe, wobei er von uns 358.075 Kilometer entfernt ist. Das Zusammenfallen von Erdnähe und Neumond führt zu Springfluten.
Wettlauf von Venus und Jupiter
Schon bald nach Sonnenuntergang leuchtet knapp über dem Nordwesthorizont die Venus auf, nach Sonne und Mond das hellste Gestirn. Kurz danach sieht man ebenfalls am Westhimmel ein wenig höher und östlicher als Venus den Riesenplaneten Jupiter, der deutlich lichtschwächer als Venus, aber immerhin heller als die Sterne ist.
Im Laufe des Monats kommen beide Planeten einander immer näher. Venus gewinnt den Wettlauf und überholt Jupiter am 9. Juni im Sternbild der Zwillinge.
Venus baut ihre Rolle als Abendstern aus. Allerdings ist sie kein Stern, keine heiße selbstleuchtende Gaskugel, sondern unser innerer Nachbarplanet, der das Sonnenlicht reflektiert.
Ein netter Himmelsanblick ergibt sich am 18. Mai gegen 23 Uhr, wenn die schmale Sichel des zunehmenden Mondes an Venus vorbeiwandert. Zwei Tage später zieht der Mond an Jupiter vorbei, wobei die zunehmende Mondsichel deutlich dicker geworden ist.
Jupiter verkürzt seine Abendsichtbarkeit merkbar. Ende Mai geht der Riesenplanet kurz nach Mitternacht unter. Saturn zeigt sich unter guten Sichtbedingungen am Monatsende in der Morgendämmerung knapp über dem Osthorizont.
Sternschnuppen zu sehen
Die Mai-Aquariden sind den ganzen Monat über aktiv. Es handelt sich um schnelle Sternschnuppen mit Eindringgeschwindigkeiten in die Erdatmosphäre um 234.000 Kilometer pro Stunde, wobei sie fast alle verglühen.
Ihr Ursprungskomet ist der Halleysche Komet. Der Komet (offiziell 1P/Halley) ist der bekannteste periodische Komet, der die Sonne etwa alle 75 bis 76 Jahre umkreist und dabei von der Erde aus mit bloßem Auge sichtbar ist.
Das Maximum ist um den 6. Mai zu erwarten. Wegen des bei uns recht tief stehenden Radianten sehen wir hierzulande nur wenig Sternschnuppen. Aber in südlichen Ländern sind bis zu zwanzig Meteore pro Stunde zu erwarten.
Sternen-Trio Regulus, Artur und Spica
Am Fixsternhimmel ist leicht das markante Frühlingsdreieck auszumachen. Es setzt sich aus den drei hellen Sternen Regulus im Löwen, Arktur im Bootes und Spica in der Jungfrau zusammen.
Das Sternbild Waage ist dagegen nicht besonders auffällig, man muss es schon bewusst suchen. Der Waage folgt im Tierkreis der Skorpion, der sich eben anschickt aufzugehen. Sein heller, roter Hauptstern Antares passiert gerade die Horizontlinie. In der Antike deuteten die Sterne der Waage noch die Scheren des Skorpions an. Im Südosten erhebt sich das aufgehende Bild des Schlangenträgers mit der Schlange.
Der Himmelswagen steht hoch über unseren Köpfen fast im Zenit. Auch die Jungfrau schreitet eben durch die Mittagslinie. Zwischen der Jungfrau und dem Großen Wagen ist außer dem Sternbild Jagdhunde auch das Haar der Berenike zu finden.
Dieses Sternbild ist recht lichtschwach, setzt sich aber aus zahlreichen Sternen zusammen. Es wirkt besonders gut, wenn man diese Gegend mit einem lichtstarken Fernglas absucht. Dabei ist störendes Mondlicht ebenso zu vermeiden wie irdische Lichtquellen.
Sonne auf dem Weg zum Höchststand
Zwischen dem orangen, hellen Arktur und der bläulichen Wega, beide die hellsten Sterne des Nordhimmels, stößt man auf den auffälligen Sternenhalbkreis der Nördlichen Krone. Weiter östlich, näher bei Wega breitet sich das ausgedehnte aber lichtschwache Sternbild des Herkules aus.
Im Herkules sieht man ein lichtschwaches, rundliches Fleckchen, das im Fernglas deutlicher hervortritt. Es ist kein Nebel, sondern ein kugelförmiger Sternhaufen. Über eine Million Sterne finden sich hier in einer Entfernung von 24.000 Lichtjahren.
Die Sonne nähert sich ihrem Höchststand, den sie allerdings erst im Juni erreicht. Sie wandert durch das Sternbild Widder und wechselt am 14. Mai gegen 16 Uhr in das Sternbild Stier. Am 21. Mai tritt sie gegen 3 Uhr morgens in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Die Mittagshöhe nimmt um knapp sieben Grad zu. Die Tageslänge wächst in Hamburg um eine Stunde und 35 Minuten, in München um eine Stunde und 15 Minuten.
