Boden unter Gebäuden bewegt sich

In zwei wichtigen Sicherheitsbehörden des Landes wird seit Jahren unter widrigen Bedingungen gearbeitet. Jetzt wurde bei LKA und Verfassungsschutz die Heizung abgestellt.

Von Jürgen Bock

Stuttgart - Öfter mal was Neues, könnte man mit ironischem Unterton sagen. Kummer sind Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landeskriminalamts Baden-Württemberg (LKA) und des Landesamts für Verfassungsschutz (LfV) in Stuttgart gewöhnt. Die beiden wichtigen Sicherheitseinrichtungen sind in der Taubenheimstraße in Bad Cannstatt direkte Nachbarn. Die maroden Gebäude machen allerdings seit Jahren Probleme. Immer wieder gibt es Stromausfälle oder Wasserschäden, die auch die Arbeit direkt beeinflussen.

Seit einigen Tagen nun ist Bibbern angesagt. Wie ein LKA-Sprecher bestätigt, ist seit einer Woche das Gas abgestellt – und damit die Heizung und die Warmwasserversorgung. „So weit möglich, wird im Homeoffice gearbeitet. Die Reparaturarbeiten schreiten aber gut voran. Wir hoffen darauf, dass bald wieder alles funktioniert“, so der Sprecher. Betroffen sind sowohl LKA als auch LfV, deren Versorgung zum Teil über dieselben Leitungen erfolgt.

Und genau da scheint das Problem zu liegen. Offenbar ist das Gas aus Sicherheitsgründen abgestellt worden. Die Erde unter den maroden Gebäuden ist in den vergangenen Monaten wohl in Bewegung geraten. In der Bauverwaltung gab es deshalb die Sorge, die Gasleitung könnte beschädigt werden. Also sind jetzt für alle, die nicht zu Hause arbeiten können, Pullover, Decken und Tee angesagt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Sicherheitsspezialisten improvisieren müssen. Der Sitz des LKA etwa gilt seit Längerem als veraltet, zu klein und den Ansprüchen der Zeit nicht mehr gewachsen. Das Hauptgebäude ist 47 Jahre alt und war als Verwaltungsbau errichtet worden. In den vergangenen Jahren häuften sich technische Probleme, etwa Stromausfälle. Beim LfV ist es kaum anders. Im Januar 2023 trat sogar so etwas wie der Super-GAU für Sicherheitsbehörden ein: Das Rechenzentrum beim LKA fiel wegen Überhitzung aus, der Notstrom ebenfalls. Nichts ging mehr – in Mitleidenschaft gezogen wurden auch das LfV und zahlreiche Polizeidienststellen im gesamten Land. Das Technische Hilfswerk musste zur Stromversorgung anrücken.

Planungen für einen Umzug der beiden Sicherheitseinrichtungen laufen deshalb bereits seit Jahren. Für das LKA ist ein Gelände an der Pragstraße in Stuttgart-Bad Cannstatt vorgesehen. Das dürfte aber noch Jahre dauern.

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Erstellt:
23. März 2026, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
23. März 2026, 23:57 Uhr

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