Bosch Tech Compass
Bosch-Chef Hartung wünscht sich „mehr Mut zum Risiko“
Nur 59 Prozent der in Deutschland Befragten finden, dass technologischer Fortschritt die Welt verbessert. Was der Bosch Tech Compass zeigt und was Konzernchef Stefan Hartung fordert.
© IMAGO/Rainer Unkel
Stefan Hartung, hier bei der jüngsten Internationalen Automobilausstellung (IAA) in München, hat sich zu Studienergebnissen geäußert.
Von Rouven Spindler
Bosch-Chef Stefan Hartung wünscht sich hierzulande einen breiteren Zuspruch gegenüber Neuerungen. „In Deutschland müssen wir die gesellschaftliche Akzeptanz für Innovationen steigern“, wird Hartung in einer Mitteilung des Stuttgarter Automobilzulieferers zitiert.
„Um Innovation von der Forschung auf die Straße zu bekommen, müssen aber auch die innovationspolitischen Rahmenbedingungen stimmen: Dazu gehören etwa Maßnahmen wie steuerliche Entlastung für Investitionen in innovative Technologien, mehr Agilität und weniger Bürokratie“, fügt der 59-Jährige hinzu, der den Technologiekonzern seit vier Jahren führt.
Bosch Tech Compass: Ergebnisse im Überblick
Anlass für Hartungs Aussagen sind die Ergebnisse des aktuellen Bosch Tech Compass, der das Verhältnis von Menschen zu Technologie untersucht unter anderem zeigt: Bürokratische Vorschriften gelten aus Sicht der Befragten aus verschiedenen Ländern als die größte Innovationsbarriere (41 Prozent), speziell in Deutschland sehen das sogar 65 Prozent der Umfrageteilnehmer so. Dort finden auch lediglich 30 Prozent, dass das Bildungssystem ihr Innovationsdenken gefördert hat. Im globalen Durchschnitt sehen das 51 Prozent so, in China 77.
Für die Studie hat die von Bosch beauftragte Gesellschaft für Innovative Marktforschung laut dem Konzern im Herbst vergangenen Jahres in Summe 11.000 Personen ab 18 Jahren online befragt. In Brasilien, China, Indien und den USA hätten sich jeweils 2000 Menschen beteiligt, in Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich jeweils 1000.
Der Umfrage zufolge glauben global 71 Prozent der Befragten (69 Prozent im Vorjahr), dass der technologische Fortschritt die Welt zu einem besseren Ort macht. Bei den regionalen Ergebnissen zeigt sich: In China etwa sehen das 87 Prozent so, in Indien 84 und in Deutschland nur 59. Lediglich in Frankreich fällt der Wert noch niedriger aus (53).
57 Prozent aller Befragten sprechen sich dafür aus, dass der technologische Fortschritt gebremst werden sollte – und zwar bis wir dessen Folgen besser verstehen. In Deutschland sind 47 Prozent dieser Ansicht.
40 Prozent fühlen sich hierzulande persönlich angemessen auf das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) vorbereitet – deutlich weniger als anderen Ländern. Der globale Schnitt liegt bei 56 Prozent.
70 Prozent wiederum sehen KI als die einflussreichste Technologie in zehn Jahren in ihrem Land an, Deutschland sticht bei den regionalen Ergebnissen als Spitzenreiter heraus (77). Vor drei Jahren lag der globale Wert zu diesem Punkt der Umfrage noch bei 41 Prozent. Der Anstieg ist aus Sicht von Tanja Rückert, die für das Digitalgeschäft verantwortliche Bosch-Geschäftsführerin, nicht überraschend: „Wir sehen weltweit eine rasch wachsende Zahl innovativer KI-Lösungen, wie wir sie uns vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnten.“
Aufällig ist auch: KI steht sowohl bei den Technologien, die aus Sicht der Befragten positive Auswirkungen mitbringen (43 Prozent) als auch bei denen, die laut ihnen negative Auswirkungen haben (34 Prozent), ganz oben in der Tabelle. Deutschland zieht den globalen Schnitt bei den negativen Folgen nach oben. Denn hierzulande sehen 49 Prozent KI als größte Bedrohung der Technologien – darunter humanoide Roboter, autonomes Fahren und Co. – an.
Bosch-Chef Hartung wünscht sich „mehr Mut zum Risiko“
Die verhältnismäßig ausgeprägte skeptische Sicht der Befragten in Deutschland zeigt sich auch in einem anderen Beispiel: nämlich bei der Frage, ob man sein Kind ermutigen würde, auf das Studium zu verzichten und stattdessen ein Start-up zu gründen, wenn es eine bahnbrechende Idee haben sollte. China (54 Prozent) liegt bei dieser Frage knapp vor Frankreich und Deutschland (je 52 Prozent) am unteren Ende der Tabelle. In Indien stimmen dagegen 78 Prozent für Ja ab.
„Insgesamt würde ich uns als Gesellschaft mehr Mut zum Risiko wünschen. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann sollten wir dies nicht als Scheitern sehen, sondern als Teil des Lernprozesses“, schildert Konzernchef Stefan Hartung. Der Bosch Tech Compass 2026 ist die fünfte Ausgabe der jährlich erscheinenden Studie.
