Eurovision Song Contest 2026

Boykottländer: Gaza-Dokus und Eurovision-Parodie statt ESC

Fünf Länder zeigen dem ESC als Protest gegen Israels Teilnahme die kalte Schulter. Wo wird der Boykott durchgezogen, und wo nimmt man es nicht so genau?

Fahnen wehen vor der Stadthalle in der die erste Halbfinalshow des 70. Eurovision Song Contest (ESC) stattfindet. Was planen die Länder, die den ESC 2026 boykottieren (Symbolfoto)?

© Jens Büttner/dpa/Jens Büttner

Fahnen wehen vor der Stadthalle in der die erste Halbfinalshow des 70. Eurovision Song Contest (ESC) stattfindet. Was planen die Länder, die den ESC 2026 boykottieren (Symbolfoto)?

Von red/dpa

Sender aus fünf europäischen Ländern boykottieren den Eurovision Song Contest 2026. Irland, Island, die Niederlande, Slowenien und Spanien nehmen aus Protest gegen die Teilnahme Israels nicht an dem Wettbewerb in Wien teil. Abstimmen dürfen ESC-Fans aus diesen Ländern trotzdem – ihre Stimmen werden aber mit nicht teilnehmenden Staaten aus aller Welt zusammengefasst. Doch was läuft in den Boykott-Ländern am Samstagabend statt des ESC im Fernsehen, und wo nimmt man es mit dem Boykott nicht so genau?

Slowenien

Der öffentlich-rechtliche Sender TV Slovenija überträgt in der ESC-Woche statt des Song Contests Spiel- und Dokumentarfilme unter dem Motto „Stimmen Palästinas“. Die Filme setzen sich mit dem Los der Palästinenser im Gazastreifen und im israelisch besetzten Westjordanland sowie mit den Bemühungen um einen israelisch-palästinensischen Dialog auseinander. Kein anderer Sender verfügt über die ESC-Übertragungsrechte. In Slowenien herrscht grundlegend eine propalästinensische und Israel-kritische Stimmung, die durch die Kriegsführung Israels im Gazastreifen noch verstärkt wurde. Der Boykott des ESC findet deshalb in dem kleinen Land breite Zustimmung. Kritische Stimmen sind rar. 

Irland

Das Land, das schon sieben Mal den Eurovision Song Contest gewonnen hat, boykottiert ihn in diesem Jahr komplett: Weder nimmt Irland teil noch wird der ESC im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein. Am Abend des ESC-Finales wiederholt der Kanal RTÉ2 eine Folge der beliebten Sitcom „Father Ted“, in der zwei katholische Priester mit einem selbstgeschriebenen Lied beim Song Contest antreten. Einer der Schöpfer und Drehbuchautoren, Graham Linehan, verurteilte die Programmentscheidung als „antisemitische politische Geste“ und forderte den Rücktritt des RTÉ-Chefs. Linehan ist wegen als transfeindlich kritisierter Äußerungen selbst umstritten.

Spanien

Statt der Live-Übertragung des internationalen Musikwettbewerbs setzt der öffentlich-rechtliche Sender RTVE am Samstagabend auf heimische Kost: Auf dem Programm steht die Musik-Sendung „La Casa de la Música“ mit Auftritten von mehr als 20 spanischen Künstlern wie Ana Belén, Mónica Naranjo, Manuel Carrasco oder Metrika. 

Island

In Wien ist auch kein Beitrag aus Island am Start. Trotzdem übernimmt der isländische Rundfunk RÚV wie immer die Übertragung des ESC. Das Finale läuft am Samstag zwar im kleineren Sender RÚV 2, aber das dürfte wenig mit dem Boykott zu tun haben: Am selben Tag sind in Island Kommunalwahlen - und gerade zur besten ESC-Sendezeit werden Ergebnisse erwartet. Die Entscheidung, dem Wettbewerb die kalte Schulter zu zeigen, stieß bei den Isländerinnen und Isländern auf breite Zustimmung. 

Niederlande 

Auch der traditionell für die ESC-Teilnahme zuständige TV-Sender AVROTROS hat diesmal keinen Beitrag ausgewählt. Doch Eurovision-Fans kommen auf ihre Kosten. Sie können alle Shows sehen. Denn die öffentlich-rechtlichen Sender NTR und NOS übernehmen die Übertragung und schicken auch zwei Kommentatoren nach Wien.

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Erstellt:
15. Mai 2026, 13:26 Uhr

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