Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Brandstifter zündet Asylunterkunft an

Gebäude im Kirchberger Industriegebiet Kalkwerkstraße war unbewohnt – Feuer richtet nur geringen Sachschaden an

Die Spuren lassen keinen Zweifel: Der Brand in der derzeit unbewohnten Asylbewerberunterkunft in Kirchberg wurde vorsätzlich gelegt. Ein bislang Unbekannter hatte am späten Donnerstagabend eine brennbare Flüssigkeit im Flur des Erdgeschosses ausgeschüttet und angezündet. Das Feuer fand in der leergeräumten Unterkunft keine Nahrung und richtete wenig Sachschaden an. Trotzdem reichte die Rauchentwicklung dazu aus, dass das Gebäude vermutlich vorerst nicht bewohnt werden kann.

Schon schnell ist klar: Das Feuer wurde mit voller Absicht gelegt. Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren. Foto: B. Beytekin

© Benjamin Beytekin

Schon schnell ist klar: Das Feuer wurde mit voller Absicht gelegt. Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren. Foto: B. Beytekin

Von Matthias Nothstein

KIRCHBERG AN DER MURR. Die Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehr, des DRK und der Feuerwehr wurden am späten Donnerstagabend zu dem Brand in der Flüchtlingsunterkunft in der Kalkwerkstraße gerufen. Der Feueralarm wurde kurz nach 22.30 Uhr über eine Brandmeldeanlage bei der Rettungsleitstelle ausgelöst. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte drang Rauch aus dem Gebäude. Die Feuerwehren Kirchberg an der Murr und Steinheim an der Murr hatten den Brand schnell gelöscht. Im Gebäudeinneren war durch den Brand und Rußablagerung ein Schaden in bislang unbekannter Höhe entstanden. Personen wurden nicht verletzt.

Die Kriminalpolizei hat noch in der Nacht die Ermittlungen zur Brandursache übernommen. Aufgrund der ersten Erkenntnisse muss davon ausgegangen werden, dass der Brand von unbekannten Tätern absichtlich gelegt wurde. In der Nacht noch hieß es am Brandort, das Feuer sei an zwei verschiedenen Stellen ausgebrochen.

Gestern Mittag rückten auch Experten des Landeskriminalamts an und sicherten Spuren am Tatort. Mehrere Fenster der zweigeschossigen Unterkunft mit insgesamt 40 Zimmern waren weit geöffnet, damit sich der Rauchgestank verflüchtigen konnte. Der Brand war ganz offensichtlich im Erdgeschoss gelegt. Im Flur ist die Spur einer Flüssigkeit sichtbar, die scheinbar relativ folgenlos verbrannt ist. Einige Ermittler haben Atemschutzmasken aufgesetzt, andere nicht. „Das riecht auch nicht schlimmer als an der Tankstelle“, bemerkt einer. Der Teppich im Flur ist angekokelt, die Wände an einigen wenigen Stellen etwa halbhoch mit Russ geschwärzt. Nahrung fand das Feuer lediglich an den Zimmertüren, die dadurch leicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Aber größere Schäden sind nicht erkennbar. Trotzdem scheint das Gebäude derzeit nicht mehr bewohnbar zu sein, zumindest heißt es vonseiten des Landratsamts, diese Frage werde derzeit geprüft. Unklar ist auch die Frage, wie der Brandstifter in das Gebäude eingedrungen ist. Scheiben sind keine zerschlagen, und auch an der Eingangstür sind keine Aufbruchspuren sichtbar.

Bürgermeister Frank Hornek verurteilte den Anschlag: „Völlig egal, wie man zu der Flüchtlingsthematik steht, ist Brandstiftung in keinster Weise zu rechtfertigen und hinzunehmen.“ Auch Landrat Richard Sigel wurde noch in der Nacht verständigt. Er sagte gestern: „Ich bin betroffen, zumal es nicht das erste Mal ist, dass eine Flüchtlingsunterkunft im Rems-Murr-Kreis brennt. Aber ich bin auch froh und dankbar, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist.“

Zu den Hochzeiten der Flüchtlingskrise waren in dem Gebäude 100 Asylbewerber untergekommen. Die eigentliche Kapazität des Gebäudes ist deutlich größer, aber Bürgermeister Hornek hatte sich vor vier Jahren mit den Zuständigen des Landratsamts auf diesen Oberwert verständigt, unter Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei Kirchberg um einen relativ kleinen Ort handelt. „Bei 100 ist Schluss, bis dahin tragen wir das mit“, lautete damals die Auffassung des Bürgermeisters. Nachdem die Unterkunft seit November/Dezember vergangenen Jahres leer stand, sollte sie nun dieser Tage wieder mit 70 Flüchtlingen belegt werden. Hornek selbst war in der Nacht nicht vor Ort: „Ich wurde von der Feuerwehr informiert. Das Gebäude war leer und der Brand bereits gelöscht. Zudem war es kein Gebäude der Gemeinde.“

Das Heim sollte demnächst wieder mit 70 Flüchtlingen belegt werden

Die Gemeinschaftsunterkunft in der Kalkwerkstraße sollte eigentlich am 1. November wieder mit 70 Flüchtlingen neu belegt werden. Nun muss das Landratsamt vermutlich nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten suchen, da noch nicht geklärt ist, ob die Räume derzeit bewohnbar sind. Pressesprecherin Martina Keck vom Landratsamt Rems-Murr erklärte gestern dazu: „Wir sind dabei, Alternativen zu suchen und sind auch sehr zuversichtlich, dass wir sie finden.“

Die Feuerwehren Kirchberg und Steinheim waren in der Brandnacht mit insgesamt fünf Fahrzeugen und 37 Einsatzkräften im Einsatz. Auch das Deutsche Rote Kreuz war mit einer Rettungswagenbesatzung und weiteren zehn Mitgliedern der DRK-Ortsvereine Kirchberg, Burgstall und Aspach vor Ort. Die Polizei war in der Nacht mit drei Streifenbesatzungen vom Polizeirevier Backnang und einem Fahrzeug des Kriminaldauerdienstes im Einsatz. Die Ermittlungen der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen laufen weiterhin auf Hochtouren.

In diesem Teil des Flüchtlingsheims hat es gebrannt. Wie der Täter in das leer stehende Gebäude gekommen ist, haben die Ermittler noch nicht herausbekommen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

In diesem Teil des Flüchtlingsheims hat es gebrannt. Wie der Täter in das leer stehende Gebäude gekommen ist, haben die Ermittler noch nicht herausbekommen. Foto: A. Becher

Info
Tat weckt Erinnerungen

Die Tat weckt Erinnerungen an ein Feuer vom 24. August 2015 in der Welzheimer Straße in Unterweissach. Auch damals brannte ein Gebäude, in dem wenige Tage später Asylbewerber untergebracht werden sollten.

Auch das Haus in Unterweissach stand zum Tatzeitpunkt leer. Es hätte saniert werden sollen und war für die Asylbewerberanschlussunterbringung vorgesehen. Etwa 20 Flüchtlinge hätten in dem Haus Platz gefunden.

Schon kurz nach der Tat stand fest, dass das Feuer in Unterweissach mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Brandstiftung ausgelöst wurde. Trotz umfangreicher Ermittlungen konnten die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Polizeipräsidium Aalen jedoch bis heute keinen Täter präsentieren.

Das Kirchberger Asylbewerberheim hätte zum 28. Oktober von zunächst 34 Flüchtlingen bezogen werden sollen. In einem zweiten Schritt, der laut Landratsamt noch nicht terminiert worden ist, hätten dann nochmals ebenso viele Flüchtlinge in Kirchberg eine Bleibe finden sollen.

Aktuell leben im Rems-Murr-Kreis ungefähr 650 Flüchtlinge in 13 Gemeinschaftsunterkünften. In dieser Zahl sind die Flüchtlinge in Anschlussunterkünften nicht mitgezählt.

Die Zahl der Flüchtlingsunterkünfte wurde von einst über 60 auf inzwischen 13 Heime reduziert. Die Reduzierung ist begründet durch die Forderung des Landes, dass der Kreis nur 20 Prozent Leerstand haben darf. Das Land ist der Geldgeber.

Die für Kirchberg vorgesehenen Flüchtlinge wurden neu vom Land zugewiesen, sie werden von den drei Landeserstaufnahmestellen (LEA) verteilt.

Zum Artikel

Erstellt:
18. Oktober 2019, 14:36 Uhr
Aktualisiert:
18. Oktober 2019, 19:25 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Auszeichnung für Mörikeschule

Die Backnanger Gemeinschaftsschule erhält für ihr europäisches Schulprojekt über digitale Medien das eTwinning-Qualitätssiegel