Brandursache steht noch nicht fest

Zwei Tage nach dem Großbrand hat die Polizei das Areal weiterhin abgeriegelt. Das Kino Traumpalast bleibt in den nächsten Tagen weiterhin geschlossen. Auch Nena’s Café ist von dem Feuer betroffen, hat aber gestern den Betrieb wieder aufgenommen.

Das Gebäude im Hinterhof an der Eduard-Breuninger-Straße muss abgerissen werden. Viel Glück hatte das Kino Traumpalast (im Hintergrund). Nur die Fassade und die Klimageräte wurden zerstört.

© Alexander Becher

Das Gebäude im Hinterhof an der Eduard-Breuninger-Straße muss abgerissen werden. Viel Glück hatte das Kino Traumpalast (im Hintergrund). Nur die Fassade und die Klimageräte wurden zerstört.

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Zwei Tage nach dem Großbrand an der Eduard-Breuninger-Straße in Backnang dauern die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Brandursache weiter an. Wie Jonas Ilg, ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen, bestätigte, waren die Beamten der Kriminaltechnik am Montag in Backnang und haben den Brandort eingehend untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden frühestens in ein paar Tagen vorliegen. Solange ist das Areal abgesperrt. Das Betretungsverbot gilt auch für die Handwerker, die in der Nachbarschaft benötigt werden, schließlich könnten sie laut Ilg bei ihrer Arbeit eventuelle Spuren verändern oder gar vernichten.

Für Heinz Lochmann, den Chef des Kinos Traumpalast, ist dies keine erfreuliche Nachricht, denn er kann bis zur Freigabe des Brandortes auch niemand beauftragen, die zum Teil verschmorten Klimageräte an der Rückseite des Kinos zu ersetzen oder zu reparieren. Weil aber ohne diese Klimatisierung der Betrieb des Kinos nicht machbar ist, bleibt das Lichtspielhaus bis auf unbestimmte Zeit, zumindest aber noch mehrere Tage geschlossen. Zumal in dem betroffenen Bereich auch Fluchttüren liegen, die unter den aktuellen Umständen nicht genutzt werden könnten.

Die Bekämpfung der Glutnester stellte sich als schwieriges Unterfangen heraus, schließlich liegen zwei Stockwerke aufeinander. Auch ist das Betreten des Gebäudes derzeit nicht möglich, die Gefahr wäre zu groß, dass neben den bereits eingestürzten Giebeln noch weitere Mauern einfallen. „Bei diesem Szenario ist es ganz normal, dass es noch raucht“, so Michael Schladt, der stellvertretende Kommandant der Backnanger Feuerwehr. Er prognostiziert, dass der Schutthaufen noch mehrere Tage qualmen wird. Anlass zur Sorge sei dies aber nicht, denn die Wahrscheinlichkeit, dass das Feuer nochmals groß aufflammt, ist Schladts Erfahrung nach sehr gering. Es fehlt an Brandlast, also an wirklich brennbarem Material, und an genügend Luft. Das Qualmen jedoch hört erst auf, wenn das Gebäude komplett abgetragen wird.

Stromleitungen haben zeitweise die Einsatzkräfte behindert.

Trotz der engen Verhältnisse und des schwierigen Einsatzes gab es vonseiten der Feuerwehr glücklicherweise keine Verletzten zu beklagen. Der Hauptangriff der Wehrmänner auf das Feuer erfolgte über die Drehleiter. Zwar waren anfangs auch mehrere Trupps am Boden im Einsatz, die durch den Torbogen zur Brandstelle gelangt waren. Aber diese mussten sich sicherheitshalber wieder zurückziehen, als der Dachträger des Hauses samt der Stromleitungen einknickte. Eine Leitung krachte früh zu Boden, so Schladt, die zweite jedoch stellte eine Gefahr dar. Sie war zwar von den Syna-Mitarbeitern schon früh stromlos gemacht worden, aber sie drohte, zu reißen. Deshalb erfolgten zwischendurch Löschangriffe von der Seite des Kindergartens Kaltes Wasser.

Die Bewohner der benachbarten Häuser wurden recht schnell wieder an das Stromnetz angeschlossen, Nena Pataridou spricht von zwei bis höchstens drei Stunden, in denen sie stromlos waren. Pataridou betreibt das nach ihr benannte „Nena’s Café“, das direkt vor dem Garten liegt, in dem das Feuer vermutlich den Ausgang nahm. Sie und ihr Vater Theodoros sind ebenfalls stark betroffen, weil die gesamten Vorräte der Grill-Bar in Anbauten im Garten gelagert waren. „Alle Vorräte sind zerstört. Die Gefrierschränke mit allen Getränken und Essen.“ Noch größer jedoch ist laut Nena Pataridou „der emotionale Wert, den wir verloren haben“. Sie berichtet, dass das Lebenswerk ihres Vaters zerstört wurde, „all das, was er sich mit viel Herzblut und Leidenschaft in den letzten 40 Jahren aufgebaut hat“. Darunter fällt auch ein Schuppen, in dem er viel Werkzeug wie eine Drehbank, Sägen und andere Maschinen gelagert hatte. Nena’s Café konnte übrigens nach Absprache mit der Feuerwehr am Montag wieder öffnen. Die Betreiberin gibt sich zuversichtlich: „Wir sind Kämpfer. Ich muss jetzt umstrukturieren und ohne Lager öfter einkaufen gehen. Aber der Betrieb läuft wieder.“

Ein Glücksfall – wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt davon sprechen darf – war für die Rettungskräfte vermutlich, dass erst wenige Tage zuvor die Aspacher Brücke wieder für den Verkehr freigegeben worden war. So konnten die zahlreichen Fahrzeuge ungehindert anfahren und sich strategisch korrekt positionieren. Zumindest das funktionierte, wenn schon die räumlichen Verhältnisse rings um den Brandherd alles andere als einfach waren.

Die Feuerwehrleute mussten sich auf engstem Raum vorwärtskämpfen. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Die Feuerwehrleute mussten sich auf engstem Raum vorwärtskämpfen. Fotos: A. Becher

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Erstellt:
21. September 2020, 17:04 Uhr

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