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Brasilien: Tüv-Prüfer festgenommen

Nach dem Dammbruch werden noch immer 279 Menschen vermisst

São Paulo /DPA - Nach dem Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien hat die Polizei zwei Mitarbeiter des Münchner Unternehmens Tüv Süd festgenommen. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt bestätigen, dass zwei Mitarbeiter von Tüv Süd in Brasilien verhaftet wurden“, teilte die Firma am Dienstag mit. „Aufgrund der laufenden Ermittlungen können wir zurzeit keine weiteren Auskünfte geben. Wir unterstützen die Ermittlungen vollumfänglich.“ Die beiden Männer hatten im vergangenen September den Damm geprüft.

Zudem nahm die Polizei drei Mitarbeiter der Betreiberfirma Vale fest, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Polizei durchsuchte zudem die Niederlassung von Vale in Nova Lima und Geschäftsräume eines externen Dienstleisters in São Paulo.

Der Damm an der Mine Córrego do Feijão nahe der Ortschaft Brumadinho im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais war am Freitag gebrochen. Eine Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und über benachbarte Siedlungen hinweg. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg bis Dienstag auf 65, wie der Zivilschutz mitteilte. 279 weitere Menschen wurden noch vermisst. „Leider ist es sehr unwahrscheinlich, noch Überlebende zu finden“, sagte Feuerwehrsprecher Pedro Aihara im Fernsehsender Globo News.

Angesichts der Katastrophe und möglicher Umweltschäden rief die Naturschutzorganisation WWF deutsche Unternehmen dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Deutschland beziehe über 50 Prozent seines importierten Eisenerzes aus Brasilien und zähle zu den größten Abnehmern des Rohstoffs. „Der Dammbruch zeigt, welch unfassbares Leid der Abbau von Rohstoffen verursachen kann“, sagte Jörg-Andreas Krüger vom WWF. „Auch deutsche Unternehmen tragen hierfür Verantwortung, wenn sie Rohstoffe aus solchen Bergwerken importieren.“

Der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation forderte einen besseren Arbeitsschutz im Bergbau. „Ich bin sehr traurig über die Nachricht vom Tod so vieler Menschen und Bergleute an ihrem Arbeitsplatz“, sagte Guy Ryder. „Die Tragödie erinnert uns daran, wie wichtig funktionierender Arbeits- und Gesundheitsschutz für Bergleute ist.“

Bereits 2015 hatte es in Minas Gerais ein ähnliches Unglück gegeben. Bei der „Tragödie von Mariana“ brach in einem Eisenerzbergwerk ein Damm, 19 Menschen starben. Das damalige Betreiberunternehmen Samarco gehörte ebenfalls Val sowie sowie dem australisch-britischen Konzern BHP. Eine riesige Welle mit Schlamm und schädlichen Stoffen kontaminierte den Rio Doce auf 650 Kilometer Länge.

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Erstellt:
30. Januar 2019, 03:14 Uhr

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