Breitband an Schulen? Häufig Fehlanzeige

FDP-Abgeordneter Haußmann kritisiert Lage bei Digitalisierung.

Symbolfoto: Schnelle Glasfaseranschlüsse sind in Schulen noch Mangelware. Foto: tkt teleconsult backnang

Symbolfoto: Schnelle Glasfaseranschlüsse sind in Schulen noch Mangelware. Foto: tkt teleconsult backnang

BACKNANG/STUTTGART (pm). Zwischen 400 Mbit/s in Welzheim und Winnenden und 6 Mbit/s in der Grundschule in Leutenbach-Nellmersbach liegen die Bandbreiten von 38 Schulen und Volkshochschulen im Rems-Murr-Kreis nach einer Übersicht des Kultus- und des Innenministeriums, die dem Schorndorfer FDP-Landtagsabgeordneten Jochen Haußmann vorliegt: „Vom Rest ist nichts bekannt, aber aus meiner Sicht ist der Stand der Digitalisierung der Schulen im Kreis besorgniserregend.“

Selbst die Ministerien beurteilen den Stand der Dinge so: „Die aktuelle Breitbandversorgung der oben genannten Schulen kann in Einzelfällen den aktuellen Bedarfen gerecht werden, ist jedoch insgesamt nicht zukunftsfähig“, steht in der Antwort auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten zu lesen.

Aufgelistet sind etwa das Bildungszentrum Weissacher Tal (Gemeinschaftsschule und Gymnasium) mit 38 Mbit/s, die Ganztagsgrundschule Oberweissach mit 53 Mbit/s, die Talschule Waldrems mit 72 Mbit/s, die Schule an der Weissach in Unterweissach mit 77 Mbit/s, die Grundschule Burgstetten mit 93 Mbit/s und die Evangelische Missionsschule in Unterweissach mit 100 Mbit/s. Immerhin auf 238 Mbit/s bringt es die Murrtal-Schule in Oppenweiler.

Gigabitfähige Netze sollen 2025 im Land zur Verfügung stehen.

Bis 2025 soll alles besser werden, versichern die Ministerien. Sie hätten sich das Ziel gesetzt, „bis 2025 überall in Baden-Württemberg gigabitfähige Netze zur Verfügung zu stellen“.

Haußmann: „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass wir längst viel weiter sind, aber die Ministerien haben weder einen Überblick noch eine Strategie. Der Liberale zitiert zum Beweis aus den Antworten den Satz: „Eine belastbare Aussage über den Investitionsbedarf für einen flächendeckenden Anschluss aller Schulen im Rems-Murr-Kreis ist leider nicht möglich.“

Eigentlich hatte Haußmann damit gerechnet, „keinen begeisternden, aber wenigstens einen befriedigenden Zwischenstand zu bekommen“, als er die Frage nach dem Abruf von Fördermitteln zur Digitalisierung an Schulen im Kreis stellte. So können die Schulträger im Rems-Murr-Kreis aus dem Digitalpakt Schule rund 19,3 Millionen Euro bekommen (plus 4,3 Millionen Euro aus dem Sofortausstattungsprogramm). Angefordert sind nur etwas über 2,7 Millionen, darunter 32240 Euro für die Grundschule in Nellmersbach, die die rote Laterne der Übertragungsraten unter den Schulen im Rems-Murr-Kreis hat – und zwar von den Schulen, von denen Innen- und Kultusministerium überhaupt wissen, dass sie Internetverbindungen haben. Denn „Informationen über die aktuelle Breitbandversorgung der Schulen liegen dem Innenministerium als Fördermittelgeber für den Breitbandausbau nur für diejenigen Schulen vor, deren Anbindung an das Glasfasernetz mittels Bundes- und Landesförderung derzeit geplant ist“. Ansonsten gilt: „Eine Übersicht zu den Internetanbindungen der einzelnen Schulen im Rems-Murr-Kreis von 2015 bis zum aktuellen Zeitpunkt liegt der Landesregierung nicht vor.“

Das, so Haußmann, „entspricht nicht dem, was ich mir unter einem planvollen und zielgerichteten Vorgehen vorstelle“. Damit erklärt sich dann auch die Antwort: „Eine belastbare Aussage über den Investitionsbedarf für einen flächendeckenden Anschluss aller Schulen im Rems-Murr-Kreis ist leider nicht möglich.“ Haußmann: „Wer keinen Plan hat, kann auch keine Mittel berechnen.“

Aber wenigstens an den Schulen selbst gibt es Pläne, lobt der Liberale: „Stand 13. Oktober 2020 wurden 29 Medienentwicklungspläne vom Landesmedienzentrum zertifiziert, hiervon nach Schularten differenziert zwei von sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, sechs von Grundschulen, zwei von Realschulen/Werkrealschulen, sechs von Gemeinschaftsschulen, drei von Gymnasien, acht von beruflichen Schulen und zwei schulartübergreifend.“

Lernen soll wirksamer, vielfältiger und individueller werden.

Womit sich der Kreis wieder schließt: „Viele Schulen wollen digitale Technologien und Medien nutzen, um das Lernen der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen und den Unterricht wirksamer, anschaulicher, vielfältiger und individueller zu gestalten“, schreibt Kultusministerin Susanne Eisenmann. „Die Coronapandemie ist auch ein Stresstest für die digitalen Strukturen unserer Schulen“, unterstreicht Haußmann: „Wir brauchen jetzt einen Innovationsschub für die digitale Versorgung unserer Schulen.“

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Erstellt:
16. November 2020, 16:00 Uhr

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