Breitbandausbau schreitet gut voran

Das Kooperationsprogramm Gigabit Region Stuttgart hat in Backnang und in Allmersbach im Tal schon segensreich gewirkt: Dort wurde zahlreichen Haushalten der turboschnelle Internetzugang via Glasfaser verschafft. Weitere Kommunen werden folgen.

Farbenfroh: Das Foto zeigt den Blick in einen Netzverteilerkasten für Glasfaserleitungen.  Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Farbenfroh: Das Foto zeigt den Blick in einen Netzverteilerkasten für Glasfaserleitungen. Foto: A. Becher

Von Bernhard Romanowski

BACKNANG. „Die Coronapandemie zeigt eindrucksvoll, dass auch die Arbeit von zu Hause aus dem Homeoffice und die digitale Bildung nur funktionieren, wenn die Infrastruktur dafür vorhanden ist“, so kommentiert die Verwaltung des Rems-Murr-Kreises ein Projekt, das die gesamte Region Stuttgart in Sachen Digitalisierung ganz weit nach vorne bringen soll. Die letzten Wochen hätten bestätigt, dass die Bemühungen in Sachen Breitbandausbau mit Glasfaser in der Region Stuttgart „richtig und wichtig wie nie zuvor“ seien.

Durch den Zusammenschluss der Landeshauptstadt Stuttgart mit den umliegenden Landkreisen zur Gigabit Region Stuttgart wurde 2019 ein gemeinsamer Weg beim Breitbandausbau mit Glasfaser eingeschlagen (wir berichteten). Seitdem hat die Telekom für rund 15500 Haushalte die Möglichkeit geschaffen, einen Glasfaseranschluss zu nutzen. In der Vermarktungsphase vor Baubeginn konnten die Haus- und Wohnungseigentümer entscheiden, ob sie einen Glasfaseranschluss wollen. In der Bauphase wurde dieser dann bis in die jeweilige Wohnung verlegt. Für alle anderen Eigentümer wurde ein Anschluss im Gehweg vorbereitet, sodass die Herstellung eines Hausanschlusses zu einem späteren Zeitpunkt ohne größere Aufgrabungen auf öffentlichem Grund erfolgen kann.

In der Gemeinde Allmersbach im Tal wurden 2277 Haushalte bereits vollständig mit Glasfaser erschlossen, in drei anderen Kommunen im Landkreis läuft der Ausbau mit Glasfaser derzeit noch. In der Backnanger Innenstadt wurden 1494 Haushalte breitbandtechnisch erschlossen. Im selben Zeitraum wurden zwölf Gewerbegebiete durch die Telekom an das Glasfasernetz angeschlossen, eines davon in Backnang.

Der Ausbau in Kooperation mit der Telekom wird vom Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr kontinuierlich begleitet. Bei den Verbandsmitgliedern werden Informationen über geplante Sanierungsmaßnahmen gesammelt, damit diese Maßnahmen für eine Mitverlegung von Glasfaserleitungen genutzt werden können. Informationen über das in den Kommunen vorhandene Leerrohrnetz, die dortige Infrastruktur und die Mitverlegungsmöglichkeiten bilden die Grundlage für eine Vorschlagsliste, die der Zweckverband jährlich im August der Telekom als Grundlage für deren Ausbauplanung zur Verfügung stellt. Daraus entwickelt die Telekom in einer sogenannten rollierenden Ausbauplanung ihre Liste für die kommenden zwei Jahre, die in der Verbandsversammlung des Zweckverbands am Freitag, 4. Dezember, vorgestellt wird. Im Januar 2021 starten anschließend die Gespräche mit den Kommunen, in denen für 2022 ein Ausbau möglich sein könnte.

Nach der bisher geltenden Förderrichtlinie kann der Glasfaserausbau nur dort mit 90 Prozent Fördermitteln – 50 Prozent vom Bund, 40 Prozent vom Land – bezuschusst werden, wo die aktuelle Versorgung weniger als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) beträgt. Die Planer sprechen hier von der Aufgreifschwelle. „Unter dem bisherigen Förderrahmen sind rund 7300 Haushalte förderfähig“, erklärt der Breitbandbeauftragte des Rems-Murr-Kreises, Michael Murer. Die Gesamtzahl der Haushalte im Rems-Murr-Kreis beträgt rund 210000. Förderfähig sind oder waren damit rund 3,5 Prozent davon. Für den Jahresbeginn 2021 wurde eine Änderung der Förderrichtlinie angekündigt, wie Murer verkündet. In einer ersten Stufe soll die Aufgreifschwelle von 30 Mbit/s auf 100 Mbit/s erhöht werden. Sogenannte sozioökonomische Schwerpunkte, also etwa Bildungsstätten, Krankenhäuser, Unternehmen, Verkehrsknotenpunkte, Gebäude lokaler Behörden, Forschungszentren, Stadien, Bahnhöfe, Flugplätze und Häfen, eventuell „Blaulichtorganisationen“ wie Polizei und Feuerwehr sollen ohne Aufgreifschwelle förderfähig werden. In einer zweiten Stufe ab 1. Januar 2023 sollen alle Anschlüsse förderfähig werden, die noch nicht mit einem gigabitfähigen Anschluss versorgt sind.

Als nicht förderfähig gelten weiterhin Gebiete, in denen ein HFC-Netz (Kabelfernsehen) besteht oder die bereits über einen Gigabitanschluss verfügen.

Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr

Ziel der Gigabit Region Stuttgart und der Kooperation mit der Deutschen Telekom ist es, bis 2025 alle Schulen und Gewerbegebiete sowie bis 2030 mindestens 90 Prozent der Haushalte mit gigabitfähigen Breitbandanschlüssen, also mit moderner glasfaserbasierter Technologie zu versorgen. Bis Ende 2020 sollen rund 80000 weitere Haushalte und Unternehmen von einem schnellen Gigabitanschluss profitieren. Zum Jahresende haben dann bereits insgesamt über 100000 Haushalte und Unternehmen Zugang zu einem Glasfaseranschluss. 39 Gewerbegebiete wurden bereits ausgebaut. Für 61 weitere Gewerbegebiete ist der Glasfaseranschluss bereits beschlossen. Die Rolle des Zweckverbandes Breitbandausbau Rems-Murr ist es, die Kommunen im Landkreis mit technischem Sachverstand bei der Ausbauplanung zu begleiten und bei Förderantragstellung zu unterstützen. Der Zweckverband wurde im Februar vergangenen Jahres gegründet. Er ist im Amt für Vermessung und Flurneuordnung des Kreises angesiedelt, sein technischer Leiter ist Michael Murer. (bro)

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Erstellt:
3. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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