Brennende Holzstapel in Serie

Georg Spinner von der Feuerwehr und Fallanalytiker Andreas Tröster bewerten die Vorfälle

In jüngster Zeit brennen Holzstapel verdächtig häufig. So neulich in Rommelshausen: Nach dem Löschen wurde mithilfe eines Baggers das Holz umgeworfen, um Glutnester zu finden. Foto: 7aktuell

© 7aktuell.de/Simon Adomat

In jüngster Zeit brennen Holzstapel verdächtig häufig. So neulich in Rommelshausen: Nach dem Löschen wurde mithilfe eines Baggers das Holz umgeworfen, um Glutnester zu finden. Foto: 7aktuell

Von Jörg Nolle und Alexander Roth

WAIBLINGEN/LEUTENBACH (no/aro). Es hat nicht lange gedauert. Der nächste Holzstapel brannte in der Nacht auf Freitag, diesmal in Urbach. Unheimlich, diese Serie. In Leutenbach sitzt Georg Spinner, Kommandant der örtlichen Wehr, aber auch der Vorsitzende aller Retter, Löscher, Bergenden an Rems und Murr, organisiert im Kreisfeuerwehrverband.

Klar, dass er inzwischen selbst auf Kohlen sitzt. Wo werden Feuerleute als Nächstes ausrücken müssen? Zumal es in der Serie auch einen Brand auf Markung Leutenbach gegeben hat. Der aber Georg Spinner noch mehr Rätsel aufgibt. Schließlich zieht sich die Spur der Verwüstung in erster Linie vom Neckar- übers Remstal, entlang der B29, nicht B14. „Das passt nicht in die Richtung.“ Aber vielleicht wollten der oder die Täter eine falsche Spur legen. „Da steckt schon hohe kriminelle Energie dahinter.“

Nicht dass Spinner speziell psychologisch geschult wäre, um Einblick in notorische Feuerleger zu haben. Bei Pyromanen ist es ihm eher klar. Die freuen sich am Feuer und sind denn auch leichter zu überführen. Sie halten sich in der Nähe auf. Solchermaßen Auffällige gibt es auch bei der Feuerwehr. Zuletzt in Kirchberg. Manchmal ist es bei Feuerwehrleuten auch ein fehlgeleitetes Helfersyndrom. Sie sind dann als Erste am Einsatzort. „Geltungssucht“ nennt das der Leutenbacher Kommandant. Spinner ist skeptisch, ob man dem oder den Tätern präventiv auf die Schliche komme. Das, was bislang brannte, sei nicht einfach ein Holzhaufen gewesen. Sondern massive Stapel. Da bringt es wohl auch wenig, wenn die Besitzer eine Wildkamera aufstellen, die es schon für wenig Geld bei Discountern oder Baumärkten gibt.

Eine Häufung von Selbstentzündungen kommt für Spinner schon lange nicht mehr infrage. Für ihn ist klar: „Irgendeiner tut was.“ Serien gab es und gibt es immer wieder. Auch welche, die man gar nicht groß wahrnimmt. Immer wieder werden Gartenhäuser angezündet. Zehn oder zwanzig im Jahr sind es nach Spinners Rechnung. Auch da muss Wille dahinterstecken, ist er sich sicher. „Die Hälfte davon brennen vorsätzlich.“

Warum tut jemand so etwas? Andreas Tröster, Leiter der Operativen Fallanalyse beim Landeskriminalamt, nennt mehrere Möglichkeiten: „Sich selbst Vorteile verschaffen durch Versicherungsbetrug, anderen gezielt schaden wollen, aber auch pure Zerstörungswut können Gründe sein.“ Weitaus seltener seien dagegen Pyromanen, die aus einem krankhaften Zwang heraus handeln. Sie sind für nicht einmal fünf Prozent aller Brandstiftungen verantwortlich, schätzt Tröster.

Die Fälle in der Region verlaufen alle nach einem ähnlichen Muster: Die Holzstapel brannten immer auf abgelegenen Grundstücken, und nie kamen dabei Menschen zu Schaden. „Wahrscheinlich will da jemand Aufmerksamkeit erregen, ein Zeichen setzen. Oder einfach nur seine Faszination befriedigen“, mutmaßt Tröster. Trotzdem: „Wer ein Feuer legt, hat oft nicht in der Hand, ob es Verletzte gibt oder nicht.“ Dafür, dass die Holzstapel-Brände trotz Fahndungsdruck und Berichterstattung weitergehen, hat Tröster mehrere Erklärungsansätze. Zuerst einmal sei gar nicht sicher, ob es sich immer um denselben Täter handelt: „Dafür liegen uns noch nicht genug belastbare Fakten vor.“ Auch das Thema Trittbrettfahrer dürfe man in solchen Fällen nicht vergessen. Außerdem sei es möglich, dass der mutmaßliche Täter von dem Rummel, den er verursacht, überhaupt nichts mitbekommt. „Manche leben ihre Faszination im Moment der Tat aus und fertig“, sagt Andreas Tröster. „Alles, was danach kommt, ist denen gerade wurscht.“

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Erstellt:
26. November 2018, 06:00 Uhr

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