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Buchhandlung Leibold schließt

Ende einer 126-jährigen Tradition in der Backnanger Innenstadt – Inhaber Walter Leibold tritt in den Ruhestand

Die Buchhandlung Leibold in der Stuttgarter Straße in Backnang schließt. Das seit 1893 bestehende Unternehmen war zunächst als Buchbinderwerkstatt gegründet worden. Später wurde es alsBuchhandlung ausgebaut. Walter Leibold, der den Betrieb zusammen mit seiner Ehefrau Heiderose seit 1982 geführt hat, tritt in den Ruhestand.

Schließen ihre Buchhandlung am 19. Juni: Heiderose und Walter Leibold. Beim Ausräumen kommen derzeit viele Raritäten und Kuriositäten zum Vorschein, zum Beispiel ein alter Glasbehälter für Tinte. Daraus wurden einst die kleineren Tintenfässer der Kundschaft befüllt. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Schließen ihre Buchhandlung am 19. Juni: Heiderose und Walter Leibold. Beim Ausräumen kommen derzeit viele Raritäten und Kuriositäten zum Vorschein, zum Beispiel ein alter Glasbehälter für Tinte. Daraus wurden einst die kleineren Tintenfässer der Kundschaft befüllt. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Die Anfänge der Buchhandlung Leibold liegen nicht dort, wo sich das Geschäft heute befindet – in dem schmalen, mehrgeschossigen Gebäude in der Stuttgarter Straße 16, das mit seiner Fassade und den gemauerten Schaufensterbögen den Charme einer vergangenen Epoche ausstrahlt. Vielmehr hatte die ursprüngliche Buchbinderwerkstatt ihren Standort in der Spaltgasse an der Ecke zur Uhlandstraße. Dort hatte Friedrich Leibold sein am 15. Juni 1893 gegründetes Unternehmen angesiedelt.

Die Geschäfte scheinen ganz gut gelaufen zu sein, denn schon zehn Jahre später ließ Leibold in der Stuttgarter Straße einen Neubau errichten. Als Planer für das Wohn- und Geschäftshaus holte er den Stuttgarter Architekten Maisenbacher nach Backnang, der in der Landeshauptstadt Bauten im Stil des Klassizismus, Historismus und der Neorenaissance errichtete. An dem Projekt mit beteiligt war der Backnanger Oberamtsbaumeister Christian Hämmerle. Auf einer Fläche von neun auf neun Metern entstand ein Bauwerk, das dem Eklektizismus zugeordnet wird, einer Stilrichtung, die Elemente mehrerer vergangener Epochen aufgreift und kombiniert.

Aus der Buchbinderwerkstatt wird eine Buchhandlung

1906 eröffnete Friedrich Leibold dann im Erdgeschoss ein Buchbindergeschäft mit Schreibwarenverkauf und Galanterie für Bilder und Einrahmungen. In den oberen Stockwerken waren Wohnungen untergebracht, ganz oben befand sich eine Kammer für die Gesellen der Buchbinderei. 1938 trat sein Neffe Walter Leibold aus Öhringen – der Vater des heutigen Inhabers – in das Geschäft ein.

Er war Buchhändler und sorgte für eine Neuausrichtung des Betriebs. Ältere Backnanger erinnern sich noch an den Mann mit der Behinderung an einer Hand, die allerdings nicht, wie oft angenommen wurde, eine Kriegsfolge war, sondern auf einen Unfall zurückging. Im Zusammenhang mit Baumaßnahmen an benachbarten Häusern baute auch Leibold 1959 und 1972 um und aus, sodass die ursprüngliche Verkaufsfläche – heute der vordere Bereich des Geschäfts am Eingang – auf 150 Quadratmeter wuchs. 1974 trat Walter Leibold junior, der eine Banklehre absolviert hatte, in das Unternehmen ein, 1982 übernahm er zusammen mit seiner Ehefrau Heiderose die Leitung. Nach einem Brand in der Buchhandlung am 1. November 1989 folgte ein kompletter Umbau; im April 1990 wurde das Geschäft neu eröffnet.

Zu den Besonderheiten im Sortiment der Buchhandlung Leibold gehörten immer diverse Nebenartikel, insbesondere sakraler Natur: Kommunionsartikel, Devotionalien sowie katholische und evangelische Gesangbücher. Dann kamen noch Krippen hinzu, ein Zweig, den Heiderose Leibold weiter ausbaute. Überdies ist die Firma Munding Edelmetall seit zehn Jahren im Betrieb vertreten.

Neben seinem Geschäft widmet sich Walter Leibold bis heute auch der Musik. Seit 55 Jahren gehört er dem Städtischen Blasorchester an; anfangs spielte er Querflöte, später stieg er auf Tenorsaxofon um. Dies nicht etwa, weil er lieber ein größeres Instrument bedienen wollte, sondern weil er auch Tanzmusik machte: Er gehörte den Nevadas und den Rietenauer Buam an, Formationen, die viel beschäftigt waren. Im Blasorchester trug er 20 Jahre als Jugendleiter Verantwortung und brachte sich darüber hinaus auf Landesverbandsebene ein. Sehr verbunden ist er auch dem Ballonsport. Außerdem pflegt Leibold durch die Musik bereits seit 1976 Kontakt mit Backnangs französischer Partnerstadt Annonay.

Bei so vielfältigen Interessen wundert es nicht, dass sich der 66-Jährige für die kommende Zeit des Ruhestands einiges vorgenommen hat. So möchte er aufspüren, wer schon so alles in Backnang gelebt hat. Auf dieses Thema ist Leibold gestoßen, weil auch im eigenen Haus schon einige Persönlichkeiten gewohnt haben, etwa ein Nachfahre von „Rulaman“-Verfasser David Friedrich Weinland.

Diese Ansicht mit dem markanten Leibold’schen Wohn- und Geschäftshaus entstand um 1920.

Diese Ansicht mit dem markanten Leibold’schen Wohn- und Geschäftshaus entstand um 1920.

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Erstellt:
5. Juni 2019, 11:30 Uhr

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