Unterwegs ohne Fahrer: Karlsruhe testet autonome Busse

dpa/lsw Karlsruhe. Mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde sind sie unterwegs: In Karlsruhe fahren ab Donnerstag autonom fahrende Minibusse im Straßenverkehr. Bis zu sechs Menschen können „Ella“, „Vera“ und „Anna“ mitnehmen. Ganz ohne Personal sind die Fahrzeuge aber nicht.

Praxistest für den ersten selbst fahrenden Nahverkehrs-Minibus auf Abruf: Von diesem Donnerstag an können Bürger im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock einen von drei autonomen Bussen kostenlos nutzen. Das Besondere des vom Bundesverkehrsministerium geförderten Forschungsprojekts: Die Fahrzeuge fahren im normalen Straßenverkehr mit. „In dieser Konstellation ist das bisher einzigartig in Deutschland“, teilte der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) als Betreiber am Mittwoch mit.

Im Einsatz sind die drei E-Busse „Ella“, „Vera“ und „Anna“. Sie zuckeln auf verschiedenen Strecken mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde. Sechs Passagiere hätten Platz, doch wegen Corona dürfen nun nur jeweils drei Fahrgäste mitfahren. Der Shuttle von der Haustür zur Straßenbahnhaltestelle oder zum nächsten Geschäft fährt ohne festen Fahrplan und muss vorher bestellt werden. Dafür braucht man eine App auf dem Smartphone.

Viel Zeit, sich auf „Ella“, „Vera“ und „Anna“ einzustellen, haben die Anwohner allerdings nicht: Das bundesweit beachtete Nahverkehrsprojekt endet schon Ende Juni. Dann wird weiter geforscht; unter anderem sollen Studien zur Akzeptanz solcher Fahrzeuge erstellt werden.

„Mit der Förderung dieses Projekts leistet der Bund einen wichtigen Beitrag, um die Mobilität in den Städten weiterzuentwickeln“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Mittwoch. Mit einem neuen Gesetz zum autonomen Fahren werde Deutschland als erstes Land selbstfahrende Fahrzeuge aus den Forschungslaboren auf die Straße holen - und zwar im Regelbetrieb. „Projekte wie das hier in Karlsruhe können dann viel leichter umgesetzt werden“, sagte Scheuer.

Für Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) könnten solche Lösungen ein entscheidender Schritt sein, um neue Nutzergruppen für den ÖPNV zu gewinnen. „Wir wünschen uns sehr, dass möglichst viele Bürger ab morgen einsteigen“, sagte VBK-Chef Alexander Pischon.

„Ella“, „Vera“ und „Anna“ sind im Rahmen des Forschungsprojekts EVA-Shuttle (EVA = elektrisch, vernetzt, automatisiert) unterwegs. Sie haben monatelange Entwicklungsfahrten und Tests hinter sich und wurden wiederholt vom TÜV geprüft. Jeder Bus fährt auf Basis detaillierter Karten aus dem Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg, welche befahrbare Bereiche vorgeben. „Hindernisse sowie andere Verkehrsteilnehmende werden von der Sensorik des Fahrzeugs erkannt. Das Fahrzeug richtet seinen Fahrweg individuell anhand der selbst erkannten Verkehrssituation aus“, erläuterte Professor J. Marius Zöllner, Vorstand des federführenden FZI Forschungszentrums Informatik.

„Sicherheit geht vor“, betonte Minister Scheuer angesichts mancher Skepsis nach Unfällen mit autonomen Autos. Er verwies darauf, dass neun von zehn Unfällen auf menschliches Versagen zurückzuführen seien. Auch der kleine Auffahrunfall, den einer der Busse im Weiherfeld in der Testphase hatte, passierte laut FZI aufgrund von „menschlichem Versagen“: Ein unerfahrener Begleitmann habe zu spät den Knopf gedrückt. Daraus habe man gelernt. Um im Notfall eingreifen zu können, ist bei den Fahrten mit Passagieren ohnehin immer ein Sicherheitsfahrer des KVV an Bord. Er hilft - wenn nötig - auch beim Ein- und Ausstieg.

© dpa-infocom, dpa:210421-99-295092/3

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Erstellt:
21. April 2021, 15:05 Uhr

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