Erneute Standort-Suche für neues Flüchtlings-Ankunftszentrum

dpa/lsw Heidelberg. Zurück auf los: Ein Bürgerentscheid hat die Heidelberger bei ihrer Suche nach einem neuen Standort für ein Ankunftszentrum für Geflüchtete zurückgeworfen. Der Oberbürgermeister macht jetzt Dampf.

Wohnhäuser stehen auf dem ehemaligen Gelände der US-Siedlung „Patrick-Henry-Village“. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Wohnhäuser stehen auf dem ehemaligen Gelände der US-Siedlung „Patrick-Henry-Village“. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Nach dem Bürgerentscheid gegen ein neues Ankunftszentrum für Geflüchtete in einem Gewerbegebiet geht die Suche nach einem Standort wieder los. Bis zum Sommer solle eine Lösung für eine zentrale Anlaufstelle gefunden werden, forderte der Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) am Montag. Am Sonntag hatten sich die Heidelberger gegen eine Verlagerung des Zentrums aus der ehemaligen US-Siedlung Patrick-Henry-Village (PHV) in die sogenannten Wolfsgärten ausgesprochen. Viele Bürger können sich aber eine Integration der Behörde in dem neuen Stadtteil, den die Stadt auf dem PHV-Areal entwickeln will, gut vorstellen.

Zuletzt waren neben dieser Idee noch das Airfield, ein ehemaliger Flugplatz der US-Armee, und der Gäuschlag, eine landwirtschaftlich genutzte Fläche wie die Wolfsgärten, als mögliche Standorte für die Aufnahme von bis zu 2000 Flüchtlingen im Gespräch. Die vom Land betriebene PHV-Einrichtung hat 3500 Plätze, von denen derzeit etwa 700 belegt sind.

Klar ist nach dem Bürgerentscheid nur, dass Heidelberg dem Land weiterhin einen Standort anbietet. Andere Kommunen zeigen derzeit keine Neigung, sich eine schwierige Standortsuche aufzuhalsen. Würzner betonte: „Ich habe aus der Diskussion mitgenommen, dass es eine hohe Akzeptanz für das Ankunftszentrum in unserer Stadt gibt. Mit der jetzigen Beschlusslage haben wir jedoch kein Standortangebot mehr.“ Man solle sich im Gemeinderat aus Zeitgründen auf die ein oder zwei Flächen konzentrieren, die überhaupt vorstellbar seien.

Der Nabu wertet den Heidelberger Bürgerentscheid gegen eine Verlagerung des Ankunftszentrums auf eine landwirtschaftliche Fläche als Votum für den Naturschutz. „Wir verstehen es als eine Abstimmung gegen weitere Bodenzerstörung durch Überbauungen aller Art sowie für Städtebau auf vorhandenen, bereits baulich genutzten Flächen“, betonte der Umweltverband in Heidelberg. Die zukünftige Entwicklung zur klimaresistenten Stadt mit ausreichender Wohnungsanzahl in der PHV und der Erhalt des Ankunftszentrums dort seien kein Widerspruch.

Der Bürgerentscheid hatte ergeben, dass das Ankunftszentrum nicht auf die Wolfsgärten zwischen dem Autobahnkreuz Heidelberg und einer Bahntrasse verlagert werden soll. 70,33 Prozent der Abstimmenden votierten gegen den von Stadt und Land favorisierten Neubau. Weil mit 30 496 Stimmen die nötige Mindestzahl von 21 800 überschritten wurde, hat das Ergebnis die Wirkung eines Gemeinderatsbeschlusses und kann innerhalb von drei Jahren nur durch einen neuen Bürgerentscheid abgeändert werden. Die Urheber des Entscheids vom Bündnis für Ankunftszentrum, Flüchtlinge und Flächenerhalt (BAFF) setzten sich damit durch.

© dpa-infocom, dpa:210410-99-154110/5

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Erstellt:
11. April 2021, 00:52 Uhr

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