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Bunte Bratkartoffeln sind der Favorit

Etwa 13000 Jahre zählen die ältesten Spuren der Solanum tuberosum – der Kartoffel. Hobbygärtnerin Regina Bäucker probiert gerne exotische Sorten aus, während Heike und Manfred Friz aus Zwingelhausen den Anbau professionell betreiben.

Im Garten von Regina Bäucker in Kirchberg an der Murr gedeihen unterschiedliche Kartoffelsorten. Die Sorte Heiderot wird als aromatisch, buttrig, festkochend beschrieben. Die dunkle Purple Rain ist festkochend, hat einen guten Geschmack und lässt sich lange lagern. Die helle Knolle ist eine Marabel, eine Frühkartoffel mit feinem aromatischen Geschmack, lange lagerfähig und vorwiegend festkochend.

© Alexander Becher

Im Garten von Regina Bäucker in Kirchberg an der Murr gedeihen unterschiedliche Kartoffelsorten. Die Sorte Heiderot wird als aromatisch, buttrig, festkochend beschrieben. Die dunkle Purple Rain ist festkochend, hat einen guten Geschmack und lässt sich lange lagern. Die helle Knolle ist eine Marabel, eine Frühkartoffel mit feinem aromatischen Geschmack, lange lagerfähig und vorwiegend festkochend.

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Jahrtausendelang in Südamerika beheimatet, fand die Kartoffel in der Frühen Neuzeit ihren Weg nach Europa. Wohl jedem ist bekannt, wie Friedrich der Große im 18. Jahrhundert den Kartoffelanbau forcierte. Er hatte das Potenzial der Knolle als Grundnahrungsmittel erkannt und verordnete den Anbau des Erdapfels 1756 per Dekret in ganz Preußen. Schnell trat das Nachtschattengewächs seinen Siegeszug in allen deutschen Ländern an. Ein Glücksfall, wie sich im 19. Jahrhundert zeigte, als aufgrund von Getreidemissernten große Hungersnöte drohten.

Die Kartoffel ist recht anspruchslos, was Boden und Temperatur betrifft, nur starke Nässe und große Kälte behagen ihr gar nicht. Auch wenn sich in den letzten 50 Jahren die Anbaufläche hierzulande sehr verringert hat, bleibt sie weiterhin ein sehr beliebtes Nahrungsmittel. Es gibt unzählige Sorten, fest- oder mehligkochend, Früh- oder Lagerkartoffeln, und sie trägt klangvolle Namen: Sieglinde, Galactica, Casablanca.

Die Familie von Regina Bäucker hat schon immer Kartoffeln angepflanzt, allerdings vorwiegend für den Hausgebrauch. Hinter ihrem malerischen Fachwerkhaus in Kirchberg befindet sich ein großer, fast verwunschener Garten. Ein Teil davon gehört den Kartoffeln. Mit den üblichen Arten gibt sich Regina Bäucker gar nicht mehr ab, seit sie vor etwa vier Jahren der Slow-Food-Messe in Stuttgart einen Besuch abgestattet hat. An einem Stand mit bunten Kartoffeln war die naturliebhabende Hobbygärtnerin hängen geblieben. Kurz entschlossen hatte sie einen Pflanzkatalog mitgenommen und verschiedene Sorten zum Ausprobieren bestellt. Und seither gibt es zu Hause überwiegend bunte Kartoffeln.

„Es ist immer eine Freude, sie zu ernten“, verrät Bäucker. Dieses Jahr hat sie die ersten bereits im März gesteckt. Sobald die Kartoffeln austreiben, kommen sie in einen mit Erde gefüllten speziellen Pflanzsack und werden damit in das vorbereitete Beet gepflanzt. Der Pflanzsack sorgt dafür, dass sie früh anfangen zu wachsen. So bilden sie schon Knollen, bevor die berüchtigte Krautfäule mit dem schwülheißen Wetter kommt. Allerdings können im Mai Gefahren durch Frost drohen. Doch aufgrund der bereits angenehmen Temperaturen im zeitigen Frühjahr lohnt sich der frühere Anbau.

Regina Bäucker achtet auf die Fruchtfolge, alle zwei Jahre wechselt der Anbauplatz. Die geernteten Mengen reichen für den Hausgebrauch. Besonders beliebt sind die bunten Bratkartoffeln. Dieses Jahr darf sich die Familie auf rote, blaue und gelbe Äbbiera mit so exotischen Namen wie Arran Victory, Blaue Schweden, die mittlerweile ein Klassiker bei Bäuckers sind, Cara, Cheyenne, Purple Rain und Heiderot freuen. Auf eines freut sich die Hobbygärtnerin besonders: „Wenn es in diesem Jahr ausreichend blaue gibt, dann mache ich blaues Kartoffelpüree.“ Die blaue Farbe kommt von den Anthocyanen (wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe), denen gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen werden. Sie sollen etwa den Cholesterinwert senken, Nervenzellen unterstützen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.

Bei den Anbaumethoden hat sich viel verändert.

Für die Zwingelhausener Landwirtsfamilie Friz gehört die Kartoffel schon lange dazu. Manfred Friz erinnert sich: „Als Kinder sind wir hinter dem Pflug, der die Furchen gezogen hat, hergelaufen und haben die Kartoffeln von Hand gesteckt. Und dahinter gingen die Frauen und haben die Dämme aufgehäufelt.“

Seitdem hat sich viel verändert – alles funktioniert mit Maschinen wesentlich schneller. Das Kartoffellegegerät erledigt drei Arbeitsschritte auf einmal – über einen Trichter werden die Kartoffeln in Legebechern platziert und im genau richtigen Abstand in der Furche abgelegt, während das Gerät gleichzeitig die Furchen zieht und hinter den Kartoffeln wieder aufhäufelt. Und zwar zugleich bei zwei Reihen. Eine enorme Arbeitserleichterung, eine Person reicht dafür aus. Allerdings machen Manfred Friz und Frau Heike das gemeinsam, sie sitzt über dem Trichter und passt auf, dass auch jedes Becherchen mit einer Kartoffel gefüllt ist.

Die Ernte geht ebenfalls zum großen Teil mechanisch. Der Roder gräbt die Knollen aus und verteilt sie auf einem Fließband, auf dem schlechte Exemplare und Schmutz aussortiert werden. Der Rest wandert in den sogenannten Bunker, einen großen Behälter, mit dem die Ernte direkt in einen Hänger gekippt wird.

Trotz einiger Versuche mit exotischen Varianten hat sich der Anbau verschiedener konventioneller Sorten etabliert. Da wären Glorietta und Allianz, festkochend, beide gut geeignet für Salat. Überhaupt gehören Salatkartoffeln bei den Kunden der Familie Friz zu den beliebtesten Erzeugnissen. Als Allzweckkartoffel wird die Sorte Belana angebaut, sie ist eine mittelfrühe, vorwiegend festkochende Knolle, die beispielsweise im Gratin oder als Bratkartoffel gut zur Geltung kommt. Zudem gehören noch die mehligkochende Marabel und nicht zu vergessen die Frühkartoffel Annabelle zum Repertoire. Letztere ist aber nur begrenzt lagerfähig.

Auf gut einem halben Hektar wird das gelbe Gold angebaut und hauptsächlich auf Wochenmärkten und im Kirchberger Bauernlädle verkauft. Die Mengen reichen etwa bis Anfang Frühjahr, dann sind die Lager leer. Eine gute Lagerung ist den Frizens sehr wichtig. „Das beste Kartoffellager ist ein Kühllager, wie ein kalter Keller. Da müssen wir sie zum Lagern nicht behandeln,“ betont Heike Friz. Und auch auf dem Feld wird so wenig Chemie wie nötig ausgebracht. „Herbizide brauchen wir nicht, es reicht, wenn man mit dem Schlepper durchfährt. Wir behandeln nur gegen Pilzkrankheiten.“ Wie beispielsweise gegen die Kraut- und Knollenfäule, die sonst bis zur Hälfte der Ernte vernichten könnte. Besonders gern tritt sie bei feuchtwarmem Wetter auf.

Im Kartoffelanbau macht sich der Klimawandel bereits seit Jahren bemerkbar. Der alte Spruch „Legst du mich im März, treibst du mit mir Scherz. Legst du mich im April, komm ich, wann ich will. Legst du mich im Mai, komm ich eins, zwei, drei“ stimmt schon lange nicht mehr. Nicht nur Regina Bäucker beginnt frühzeitig mit dem Kartoffelstecken, auch Manfred Friz hat den Stecktermin auf Anfang April, zum Teil sogar in den März gelegt. Mai ist längst passé. Gegen drohende Nachtfröste helfen Schutzvliese. Tagsüber ist die Wärme oft schon ausreichend, um die Pflänzchen treiben zu lassen. Und bald geht es schon los mit der Ernte – die Frühkartoffel trägt ihren Namen schließlich nicht umsonst.

Hobbygärtnerin Regina Bäucker baut außergewöhnliche Kartoffelsorten an. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Hobbygärtnerin Regina Bäucker baut außergewöhnliche Kartoffelsorten an. Fotos: A. Becher

Bunte Bratkartoffeln sind der Favorit

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Erstellt:
13. Mai 2020, 06:00 Uhr

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