Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Caritas kritisiert weltweites Aufrüsten

dpa/lsw Freiburg. Caritas-Präsident Peter Neher kritisiert ein weltweites Aufrüsten. Er sieht so die Arbeit von Hilfsorganisationen in Gefahr. Mehr Waffen bedeuteten mehr Konflikte und mehr Flüchtlinge. An die Adresse der Bundesregierung formuliert er eine klare Forderung.

Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Foto: Patrick Seeger

Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Foto: Patrick Seeger

Die katholische Hilfsorganisation Caritas beklagt eine zunehmende Militarisierung der internationalen Staatengemeinschaft. Es gebe eine weltweite Aufrüstungsspirale, sagte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, am Donnerstag in Freiburg. Statt die Flüchtlings- und Entwicklungshilfe zu verbessern und Friedenspolitik zu betreiben, würden vielerorts die Ausgaben für das Militär deutlich erhöht. Die Politik vollziehe einen Bewusstseinswandel hin zu einem globalen Aufrüsten. Die Hilfe für Menschen in Not verliere politisch spürbar an Bedeutung.

„Es ist nicht nachzuvollziehen, wenn auf weltpolitischer Ebene davon geredet wird, Fluchtursachen bekämpfen zu wollen, während parallel dazu die Armeen hochgerüstet werden“, sagte Neher. Mehr Waffen sorgen nach seinen Worten für mehr Konflikte und mehr Flüchtlinge. Die Arbeit von Hilfsorganisationen wie Caritas international mit Sitz in Freiburg werde so erschwert. Es sei zu befürchten, dass mehr Geld für Militär Einsparungen bei der Entwicklungshilfe zur Folge habe.

Auslöser dieser Entwicklung sind aus Nehers Sicht US-Präsident Donald Trump und seine Forderung, die Nato-Mitgliedsstaaten müssten zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. Die Bundesregierung müsse sich davon distanzieren, forderte Neher. Zudem müsse sie Rüstungsexporte stärker als bisher einschränken. Sie verschärften weltweit Konflikte.

Das Beispiel Afghanistan zeige, dass militärisches Eingreifen keine Probleme löse. In dem Land seien laut der Vereinten Nationen noch immer 6,3 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Menschliches Leid lasse sich mit Waffen nicht bekämpfen, sagte Neher. Das Geld solle besser in die Entwicklungshilfe fließen.

Die Zahl internationaler Konflikte und Katastrophen befinde sich auf einem Rekordhoch, sagte der Leiter von Caritas international, Oliver Müller. Laut der Vereinten Nationen seien daher rund 132 Millionen Menschen in Not. 2010 seien es noch 52 Millionen Menschen gewesen.

Caritas international habe im vergangenen Jahr mit knapp 81,1 Millionen Euro in 78 Ländern geholfen, sagte Müller am Donnerstag bei der Vorlage des Jahresberichts 2018. In Syrien werde das Hilfswerk künftig auch Wiederaufbauhilfe leisten. „Je länger der Krieg dauert, desto deutlicher wird, dass reine Nothilfe nicht mehr ausreicht.“ Da der Krieg viel zerstört habe, brauche es Häuser und Wohnungen sowie andere Infrastruktur. Dies sei eine Aufgabe der kommenden Jahre.

Zum Artikel

Erstellt:
18. Juli 2019, 14:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!