Landtagswahl in Baden-Württemberg

Cem Özdemir hat seinen Wahlsieg auch den Frauen zu verdanken

Das Wahlverhalten der Geschlechter klafft auseinander, das zeigt sich auch bei der Landtagswahl. Die Grünen und Cem Özdemir profitieren von der Wahlentscheidung der Frauen im Land.

Cem Özdemir hat sein gutes Wahlergebnis vor allem den Frauen zu verdanken.

© IMAGO/Arnulf Hettrich

Cem Özdemir hat sein gutes Wahlergebnis vor allem den Frauen zu verdanken.

Von Eberhard Wein

Ginge es allein nach den Männern, dann könnte der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel jetzt seine Kartons für den Umzug in die Villa Reitzenstein packen. Für den knappen Wahlsieg von Cem Özdemir bei der baden-württembergischen Landtagswahl am vergangenen Sonntag haben eindeutig die Frauen gesorgt. Mit klarem Abstand stimmten sie mehrheitlich für die Grünen. Das geht aus Zahlen des Umfrageinstituts Infratest Dimap hervor.

Demnach kamen die Grünen bei den Frauen auf rund 34 Prozent, die CDU auf 28 Prozent. Umgekehrt war der Wahlausgang bei den Männern. Hier lag die CDU mit 31 Prozent vorne, die Grünen erzielten 27 Prozent. Laut dem amtlichen Endergebnis landeten die Grünen insgesamt bei 30,2 Prozent, die CDU kam auf 29,7 Prozent.

Winfried Kretschmann war bei Frauen noch beliebter als Cem Özdemir

Ob die ungeschickten Äußerungen von Hagel über Schülerinnen, die in der Endphase des Wahlkampfs diskutiert wurden, einen Einfluss hatten, lässt sich daraus nicht schließen. Es ist möglich, dass Frauen darauf sensibler reagierten als Männer.

Andererseits hat sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern im Vergleich zur Landtagswahl 2021 etwas verringert. Winfried Kretschmann war bei Frauen besonders gut angekommen. Er hatte bei ihnen sogar zehn Prozentpunkte mehr als bei den Männern erzielt, und das, obwohl die CDU damals mit einer Frau – Susanne Eisenmann – als Spitzenkandidatin angetreten war.

Landtagswahl: Abstand zwischen den Geschlechtern erhöht sich bei der AfD

Dass Frauen weiter links wählen als Männer zeigt sich auch bei der AfD. Sie kam bei den männlichen Wählern auf 22 Prozent, bei den Wählerinnen auf 15 Prozent.

Trotz eines starken Zuwachses von acht Prozentpunkten bei den Frauen gegenüber der Wahl vor fünf Jahren hat sich der Abstand zwischen den Geschlechtern bei der AfD damit weiter erhöht. Denn bei den Männern legte sie sogar um zehn Prozentpunkte zu. Insgesamt kam sie auf 18,6 Prozent.

In den 1950er Jahren wählten Frauen konservativer

Geringer ausgeprägt ist dieses Muster bei den kleineren Parteien zu beobachten, aber auch dort durchaus noch messbar. Während die Linke (insgesamt 4,4) bei den Frauen mit fünf Prozent den Einzug knapp geschafft hätte, erhielten sie bei den Männern nur vier Prozent. Bei der FDP (insgesamt 4,4) war es genau umgekehrt. Fünf Prozent der Männer, aber nur vier Prozent der Frauen gaben ihr ihre Stimme. Die SPD (insgesamt 5,5) wiederum konnte bei den Frauen mit sechs Prozent etwas besser abschneiden als bei den Männern mit fünf Prozent.

Der sogenannte „Gender Voting Gap“ ist nicht neu. Schon seit mehreren Jahrzehnten tendieren Frauen in westlichen Demokratien eher dazu, Parteien zu bevorzugen, die sich für Gleichstellung und sozialen Ausgleich einsetzen. In Deutschland war dieser Trend aber viele Jahre eher schwach und ist erst seit der Bundestagswahl 2017 deutlicher messbar. Noch in den 1950er und 1960er Jahre wählten Frauen konservativer. Später ließ sich dann kein klares Rechts-Links-Schema erkennen. Während die Grünen beispielsweise schon immer eher Frauen ansprechen, war die Linke – damals noch PDS – in den 1990er Jahren stärker bei Männern erfolgreich.

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Erstellt:
10. März 2026, 11:26 Uhr

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