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Chef der Staatsanwaltschaft beklagt Trend zur Anzeige

dpa/lsw Stuttgart. Bei zivilen Streitigkeiten wird immer häufiger Strafanzeige gestellt - diesen Trend beklagt der Leiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft angesichts einer Zunahme an Ermittlungsverfahren. „Wenn zum Beispiel zwei Nachbarn sich streiten und einer hebt am Gartenzaun die Schaufel, wird der gleich wegen Bedrohung angezeigt“, sagte Siegfried Mahler den „Stuttgarter Nachrichten“ (Dienstag). Auch Ärger mit Behörden werde häufiger an die Staatsanwaltschaft herangetragen. Viele Unbeteiligte schrieben inzwischen auch Strafanzeigen, obwohl sie nur in der Zeitung von einem Fall gelesen haben.

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen angebracht. Foto: Oliver Berg/Archivbild

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen angebracht. Foto: Oliver Berg/Archivbild

Wenn die Staatsanwaltschaft dann die Verfahren einstelle und auf den Privatklageweg verweise, sei das Geschrei oft groß, sagte Mahler. Die Klärung solcher Fälle sei aber nun mal nicht im öffentlichen Interesse. „Das alles kostet ja auch Steuergeld.“

Mitte der 2000er Jahre bearbeiteten die Staatsanwälte in Stuttgart jährlich rund 96 000 Ermittlungsverfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte. Im Jahr 2018 seien es 110 000 gewesen, so Mahler. „Dieses Jahr werden es nach der Prognose voraussichtlich rund 114 000 Verfahren sein.“ Nehme man die Verfahren gegen Unbekannt sowie Ordnungswidrigkeiten hinzu, seien es pro Jahr inzwischen mehr als 200 000 Fälle. In Stuttgart arbeiteten 2006 noch 123 Staatsanwälte, mittlerweile sind es rund 180.

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Erstellt:
26. August 2019, 18:25 Uhr

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