Claus Vogt ist nicht mehr tragbar

Der Machtkampf beim VfB Stuttgart eskaliert. Dafür ist der Präsident verantwortlich.

Für Claus Vogt läuft es derzeit nicht gut. Jetzt hat sich der VfB-Präsident mit Wucht geäußert.

© Baumann/Julia Rahn

Für Claus Vogt läuft es derzeit nicht gut. Jetzt hat sich der VfB-Präsident mit Wucht geäußert.

Von Carlos Ubina

Stuttgart - Beim VfB Stuttgart tobt der Wahnsinn. Anders ist es nicht mehr zu bezeichnen, was sich beim Fußball-Bundesligisten abspielt. Und das gleich auf zwei Bühnen. Da zaubert die Mannschaft bislang eine herausragende Saison hin, ist Tabellendritter und womöglich auf dem Weg in die Champions League, und gleichzeitig eskaliert hinter den Kulissen ein Machtkampf. Wenn man so will, hat der Präsident Claus Vogt mit der Erklärung nach seiner Absetzung als Aufsichtsratsvorsitzender das Clubhaus mit dem markanten roten Dach angezündet. Jetzt brennt es lichterloh an der Mercedesstraße 109 in Bad Cannstatt.

Die Frage, die sich aus diesem Gegenschlag, den Vogt mit einigen Getreuen aus dem Vereinsbeirat zu verantworten hat, ableitet: Ist dieser Präsident noch tragbar? Die Antwort heißt: nein. Auch deshalb, weil sich in der Zusammenarbeit mit Vogt seit seinem Amtsantritt 2019 immer wieder Konflikte auftun, in den verschiedensten Konstellationen mit unterschiedlichen Beteiligten.

Dabei kann Vogt diesmal für sich mildernde Umstände reklamieren, weil er vom Kontrollgremium der AG (neue Vorsitzende ist Tanja Gönner) zuletzt schwer angegangen wurde und ihm öffentlich die Eignung für die Führung des Aufsichtsrates abgesprochen wurde. Das war nicht die feine Art und ist hart, aber es erklärt und entschuldigt keinesfalls, dass Claus Vogt gegen den Willen seiner Präsidiumskollegen Rainer Adrion und Christian Riethmüller seine Befindlichkeiten und Interessen über das Wohl des VfB stellt. Zumal in der Präsidentenerklärung falsche Zusammenhänge hergestellt werden und somit an einer zentralen Stelle suggeriert wird, dass die Mitglieder darüber mitbestimmen könnten, wer den Vorsitz im Aufsichtsrat übernimmt.

Dem ist rein aktienrechtlich nicht so. Vogts Vorgehen zielt darauf ab, mit einer Scheinargumentation in puncto Mitgliederrechte den schwindenden Rückhalt in der organisierten Fanszene zurückzugewinnen. Sie bildet seine Stimmenbasis bei der Präsidentenwahl – und die Ultras haben aufgrund der Entwicklung im Traditionsverein von 1893 die nächsten Proteste angekündigt.

Allerdings muss sich Vogt jetzt auch von den aktiven Anhängern fragen lassen, warum er im Zuge des sogenannten 100-Millionen-Euro-Deals mit der Porsche AG zugestimmt hat, die Doppelfunktion aus Präsidentschaft und Aufsichtsratsvorsitz zu trennen – trotz eines gegenteiligen Versprechens, das sein Vorgänger gegeben hatte. Weil er etwas vom Glanz der spektakulären Vereinbarung abhaben wollte? Dieser Eindruck drängt sich auf.

Mittlerweile gehört der Sportwagenhersteller neben Mercedes-Benz und dem Sportausrüster Jako zu den drei Investoren des VfB. Vogt selbst hat die Beteiligungsvereinbarung unterschrieben.

Damit ergibt sich ein Bündnis, das im Profifußball seinesgleichen sucht. Denn welcher Club bringt schon zwei solche Nobelmarken wie Porsche und Mercedes zusammen? Dass die Herren aus Zuffenhausen mit dem Anspruch angetreten sind mitzugestalten, ist von Anfang an klar gewesen. Jetzt bestimmen sie auch mit. Alles im Rahmen der 50+1-Regel, die beim VfB von niemandem angezweifelt wird.

Doch nun möchte sich Vogt nicht mehr an seine Zusagen den Partnern gegenüber halten. Schlimmer noch: Statt Ruhe beim VfB einkehren zu lassen, hat er den ohnehin im Fußball tobenden Kulturkampf zwischen Kurve und Kapital mit seinen Einlassungen in Stuttgart verschärft. Das zeigt vor allem eines: Vogt sagt und macht lediglich, was ihm selbst nutzt. Damit hat er sich für das Präsidentenamt disqualifiziert.

Zum Artikel

Erstellt:
14. März 2024, 22:20 Uhr
Aktualisiert:
15. März 2024, 21:53 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen