Corona-Einschränkungen treffen Thermen: Hilfe gefordert

dpa/lsw Stuttgart. Der neuerliche Lockdown trifft die Thermen im Südwesten hart. Hilfe müsse endlich fließen, mahnt ihr Verband - sonst seien manche Bäder dem Untergang geweiht.

Christian Müller, Schwimmbadleiter des Mineralbads Leuze, inspiziert ein abgelassenes leeres Becken. Foto: Marijan Murat/dpa

Christian Müller, Schwimmbadleiter des Mineralbads Leuze, inspiziert ein abgelassenes leeres Becken. Foto: Marijan Murat/dpa

Dem Bäderland Baden-Württemberg droht aus Sicht des Heilbäderverbands der Abstieg. „Noch ist Baden-Württemberg mit seinen 56 höher prädikatisierten Heilbädern und Kurorten das Bäderland Nummer eins in Deutschland“, betonte Verbandspräsident Fritz Link. Doch ohne massive finanzielle Unterstützung drohe ein Sterben der Standorte, darunter 35 mit Thermal- und Mineralbädern. Die Thermen verzeichnen laut Verband coronabedingte Umsatzverluste von insgesamt über 52 Millionen Euro. Mit jedem weiteren Monat Schließung sei mit jeweils mit 17 Millionen Euro Einbußen zu rechnen.

Damit seien die Kommunen als Besitzer der Thermen überfordert. Die von der Landesregierung zur Unterstützung der Mineral-/Thermalbäder vorgesehenen 15 Millionen Euro müssten unverzüglich fließen. Dies könne aber nur die erste Tranche sein, sagte Link. Unbedingt notwendig sei auch die Teilhabe der Thermen an Überbrückungshilfen des Bundes - andernfalls drohten Schließungen und langjährige Investitionsstaus.

Baden-Württembergs Tourismusminister Guido Wolf (CDU) teilte am Samstag mit, die Kabinettsvorlage für das Hilfsprogramm befinde sich in der finalen Abstimmung mit anderen beteiligten Ministerien. „Wenn es nach mir geht, kann der Ministerrat noch im November das aus meiner Sicht erforderliche Hilfsprogramm beschließen.“

Eine Befragung nach dem ersten Lockdown ergab, dass in der Hälfte der Thermen der Betrieb mittel- bis langfristig nicht gesichert ist. Vor der Corona-Krise verzeichneten sie durchschnittlich 720 000 Besucher pro Monat, davon 30 Prozent aus medizinisch-therapeutischem Anlass, 70 Prozent zur Entspannung und Erholung. Die Besucherzahlen hatten sich nach der ersten Schließung halbiert.

Auch die Hotellerie in den Erholungs- und Gesundheitsgemeinden leidet unter den Folgen der Pandemie: Sie verbucht von Januar bis August 2020 im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 41,4 Prozent bei den Ankünften und von 33,6 Prozent bei den Übernachtungen. Im Jahr 2019 machten die Betriebe rund 3,5 Milliarden Euro Bruttoumsatz bei über 12,7 Millionen Übernachtungen.

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Erstellt:
7. November 2020, 09:51 Uhr

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