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Erster Corona-Toter im Südwesten: Alarmstellung

dpa/lsw Stuttgart. Nach Hunderten von Infektionen ist nun das erste Mal ein mit dem Coronavirus infizierter Mensch in Baden-Württemberg gestorben. Die Zahl der Infizierten werde weiter steigen, solange es keinen Impfstoff gebe, warnen die Kliniken. Sie seien aber vorbereitet.

Eine Medizinisch-technische Assistentin hält auf zwei Fingern einen 3D Druck von einem Coronavirus. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Eine Medizinisch-technische Assistentin hält auf zwei Fingern einen 3D Druck von einem Coronavirus. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

In Baden-Württemberg ist erstmals ein mit dem Coronavirus infizierter Mensch gestorben. Es handle sich um einen 67 Jahre alten Mann aus dem Rems-Murr-Kreis, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag in Stuttgart mit. Sein Leichnam sei positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden sei, nachdem auch seine drei Jahre ältere Ehefrau am Coronavirus erkrankt war. Sie war zuvor aus Frankreich zurückgekehrt. Es ist der bislang vierte Todesfall in Deutschland.

Der Mann kommt nach dpa-Informationen aus Remshalden. Im Rems-Murr-Kreis sind nach Angaben des Gesundheitsamtes bislang mindestens 20 Menschen mit dem Virus infiziert worden. Der 67-Jährige war im Februar aus dem Kongo zurückgekehrt und am 4. März zu Hause gestorben. Nach der Erkrankung seiner Frau habe man Zweifel bekommen und den Test durchgeführt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Obduziert wurde die Leiche nicht.

„Der erste Todesfall in Baden-Württemberg im Zusammenhang mit Corona macht den Ernst der Lage noch einmal deutlich“, sagte Landrat Richard Sigel. „Diese neue Entwicklung muss zu einem noch konsequenteren Handeln auf allen Ebenen und klaren Vorgaben des Bundes und der Länder zur Eindämmung der Pandemie führen.“

Die Zahl der mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen in Baden-Württemberg stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums bis Mittwochabend auf 335. Neue Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Das grassierende Coronavirus hatte zuvor den Betrieb im baden-württembergischen Landtag durcheinander gebracht. Die Plenarsitzung verzögerte sich am Donnerstag, die Tagesordnung wurde verkürzt, Debatten gestrichen, wie eine Sprecherin der Landtagsverwaltung mitteilte.

Ein Grünen-Abgeordneter hatte erklärt, Kontakt zu jemandem gehabt zu haben, der positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Nach Angaben von Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz ist noch unklar, ob sich der Abgeordnete auch selbst mit dem Virus infiziert hat. Die Grünen hatten zunächst empfohlen, die Plenarsitzung vorsichtshalber zu verschieben. Das Landtagspräsidium entschied dann aber, die Sitzung verkürzt stattfinden zu lassen - vorerst ohne die Grünen-Abgeordneten. „Die Arbeitsfähigkeit des Landtags ist wichtig“, sagte Landtags-Vizepräsidentin Sabine Kurtz. Eine komplette Absage der Sitzung wäre auch falsches Signal ins Land hinaus, wo es Unternehmen und Institutionen gebe, die auch arbeitsfähig bleiben müssten.

Auch der Terminplan von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist vom Coronavirus betroffen: Er nimmt sicherheitshalber nicht an der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag in Berlin teil. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, teilte das Staatsministerium mit. Es gehe „nun darum, dass Personen, die in räumlicher Nähe zum Abgeordneten waren, weitere Kontakte vorsorglich vorerst vermeiden“.

Am Mittwoch hatte die Ausbreitung des Coronavirus bereits zu drastischen Maßnahmen auch in Baden-Württemberg geführt: Der Start des Sommersemesters an den Hochschulen im Land wurde auf nach Ostern verschoben, das traditionsreiche Stuttgarter Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen abgesagt. Die Gymnasiallehrer forderten eine präventive Schließung aller Schulen bis Ostern - die Landesregierung war am Mittwoch aber weiter gegen pauschale Schulschließungen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stufte die an Deutschland grenzenden ostfranzösischen Gebiete Elsass und Lothringen als Risikogebiete ein - das betrifft Zehntausende Pendler im Land.

Bundesweit wird mit weiter steigenden Krankenzahlen gerechnet. Experten gehen davon aus, das sich zwischen 60 und 70 Prozent der Menschen in Deutschland infizieren werden, solange es keinen Impfstoff gibt.

Auch die Kliniken im Südwesten bekommen diese Ausbreitung deutlich zu spüren. Schutzbekleidung ist nach Angaben der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft noch vorhanden. „Aber die Preise dafür explodieren gerade“, sagte Hauptgeschäftsführer Matthias Einwag. Aktuell zahle man für Masken, Schutzbrillen und andere Ausrüstung das Zehnfache des Preises vor der Krisenzeit. Wegen der Knappheit an Nachschub müssten die Krankenhäuser neue Beschaffungswege vor allem in Osteuropa suchen.

Laut Einwag bereiten sich die Krankenhäuser darauf vor, dass nicht nur die Zahl der Infizierten, sondern auch die der schwer an Covid-19 Erkrankten in die Höhe schnellen. „Tatsächliche Krankheitsfälle gibt es momentan noch ganz wenige. Aber da kommt etwas auf uns zu, das mutmaßlich ziemlich heftig ausfällt.“

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Erstellt:
12. März 2020, 11:49 Uhr

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