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Coronavirus: Infizierte China-Rückkehrer sind wohlauf

dpa Frankfurt/Main/Peking. Schlechte Nachrichten in der Kaserne in Germersheim: Bei zwei China-Rückkehrern wird das Coronavirus nachgewiesen. Chinesische Ärzte finden einen neuen Übertragungsweg der Viren.

Blick auf ein Gebäude auf dem Gelände der Bundeswehrkaserne in Germersheim, wo die Wuhan-Rückkehrer in Quarantäne sind. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Blick auf ein Gebäude auf dem Gelände der Bundeswehrkaserne in Germersheim, wo die Wuhan-Rückkehrer in Quarantäne sind. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Den beiden aus China zurückgekehrten und mit dem Coronavirus infizierten Passagieren geht es nach Einschätzung der Ärzte gut.

„Sie werden gegenwärtig isoliert stationär betreut und sind medizinisch wohlauf“, sagte der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Frankfurt, Jürgen Graf. Die beiden Deutschen waren am Wochenende mit 122 weiteren Menschen mit einem Bundeswehrflugzeug aus der stark vom Virus betroffenen Stadt Wuhan zurückgeholt worden.

Nach neuesten Erkenntnissen chinesischer Forscher kann sich das Coronavirus nicht nur über Tröpfchen, sondern auch über das Verdauungssystem verbreiten. Die Mediziner haben das Virus 2019-nCoV auch in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen hatten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete. An der Forschung waren die Universität Wuhan und das Virus-Institut der chinesischen Akademie der Wissenschaften in der schwer betroffenen Provinzhauptstadt von Hubei beteiligt.

Am Samstag hatte die Bundeswehr Deutsche und deren Angehörige aus Wuhan nach Frankfurt am Main gebracht. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatten die beiden Infizierten zunächst keine Symptome gezeigt. So wurden die beiden nach medizinischen Untersuchungen mit 113 weiteren Passagieren zu einer Kaserne nach Germersheim (Rheinland-Pfalz) gebracht. Da die Erkrankung bis zu zwei Wochen nach der Infektion ausbrechen kann, ist die dortige zweiwöchige Quarantäne nötig. Nachdem Schnelltests die Infektion zeigten, kamen die beiden in die Frankfurter Uniklinik.

Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, warnte derweil vor Ängsten: „Ich habe vor der Grippe deutlich mehr Angst - aus Sicht der Gesundheitsbehörden - als vor diesem Virus. Nach allem, was wir wissen, ist der Verlauf in Europa sehr mild.“ Weiteren Angaben zufolge hatten sich „99 Prozent“ der Passagiere an den Tests beteiligt. Ein Rückkehrer würde das noch nachholen.

Auch von den elf Passagieren, die direkt vom Flughafen in die Frankfurter Uniklinik gebracht wurden, seien inzwischen sieben in der Kaserne in Germersheim angekommen, hieß es. Bei einem Fluggast, der zunächst Symptome gezeigt hatte, musste abgeklärt werden, ob er mit dem Coronavirus 2019-nCoV infiziert ist - hier wurde am Sonntag Entwarnung gegeben. Konkrete Gründe für den Klinikaufenthalt der anderen zehn Rückkehrer waren zunächst nicht bekannt. Es sei einigen einfach nicht gut gegangen, es sei eine sehr lange Reise gewesen, sagte Spahn.

Die Stadt Wuhan in China gilt als Ursprungsort der Epidemie. Allein von dort wurden binnen eines Tages 45 weitere Todesfälle gemeldet. Die chinesische Gesundheitskommission teilte am Sonntag in Peking mit, dass die Lungenkrankheit nun insgesamt 304 Menschen in China das Leben gekostet habe. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen kletterte demnach so stark wie noch nie innerhalb eines Tages - um 2580 auf 14.380 Fälle. Etwa 150 Infektionen sind außerhalb Chinas bekannt. In Deutschland sind neben den zwei infizierten Reiserückkehrern aus China inzwischen acht Fälle in Bayern bekannt.

Alle bestätigten Übertragungen der Viren innerhalb Deutschlands stehen im Zusammenhang mit der Firma Webasto in Bayern: Angesteckt haben sich sieben Angestellte des Autozulieferers und das Kind eines Infizierten. Alle acht Menschen befinden sich nach Auskunft des bayerischen Gesundheitsministeriums vom Sonntag in guter Verfassung. Ein weiterer mit dem Virus infizierter Deutscher wurde auf der Kanareninsel La Gomera registriert. Es ist der erste bekannte Fall in Spanien. Der Mann sei mit einem der in Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen, teilte die spanische Regierung mit.

Am Sonntag meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den ersten bestätigten Todesfall außerhalb Chinas: Ein am 21. Januar auf die Philippinen gereister Chinese aus Wuhan sei am Samstag gestorben, seine Begleiterin erkrankt.

Immer mehr Länder holen ihre Staatsbürger heim. In Frankreich traf am Sonntag ein zweiter Flieger mit Rückkehrern aus Wuhan ein. Die Maschinen hatten Franzosen, Belgier, Niederländer und Dänen an Bord. Die Passagiere des ersten Fluges sind für die Quarantäne in einem Feriendorf bei Marseille untergebracht worden, auch die des zweiten Fluges sollten isoliert werden. Mehrere Länder haben Einreiseverbote oder -beschränkungen für Menschen aus China verfügt, zuletzt unter anderem Neuseeland, Australien und Israel.

China bekämpft die Seuche unterdessen hart: Erstmals seit Ausbruch des Krankheit wurde auch eine Millionenmetropole außerhalb der schwer betroffenen Provinz Hubei so gut wie stillgelegt. Für die neun Millionen Bewohner von Wenzhou wird auch beschränkt, wie oft sie vor die Tür gehen dürfen. Jede Familie könne ein Mitglied auswählen, das alle zwei Tage zum Einkaufen könne, teilte die Stadtregierung mit. „Andere sollten grundsätzlich nicht das Haus verlassen.“

Wenzhou liegt mehr als 800 Kilometer östlich vom Ursprungsort der Epidemie in Wuhan. Der öffentliche Nahverkehr wurde stillgelegt, ebenso der Überlandverkehr mit Bussen in andere Regionen. An den meisten Bezahl- und Kontrollstellen der Zufahrtsstraßen zu der Metropole wurde der Straßenverkehr gesperrt. Schulen und Universitäten bleiben vorerst geschlossen. Diverse Ausnahmen gelten nur für die medizinische Versorgung und die Bekämpfung der Seuche.

Die G7-Staaten wollen nach Angaben von Minister Spahn über ein einheitliches Vorgehen beim Coronavirus beraten. Spahn sagte, er habe am Samstag mit dem US-Gesundheitsminister telefoniert. Sie hätten vereinbart, dass es eine Telefonkonferenz der G7-Gesundheitsminister geben solle.

Chinas Notenbank stärkt derweil das Finanzsystem des Landes in der Coronavirus-Krise mit einer ungewöhnlich hohen Geldspritze: Die Zentralbank stelle den Geschäftsbanken am Montag 1,2 Billionen Yuan (rund 156 Milliarden Euro) Liquidität zur Verfügung, kündigte das Institut an. Das solle die Funktionalität des chinesischen Geldmarktes und Bankensystems während sicherstellen. Die Ausbreitung des Virus hatte den Börsen in den vergangenen Tagen weltweit gehörig zugesetzt.

Mitarbeiter tragen im chinesischen Fuzhou Mundschutz und Schutzanzüge in einer Produktionshalle eines Unternehmens zur Fertigung von Schutzanzügen. Foto: Lin Shanchuan/XinHua/dpa

Mitarbeiter tragen im chinesischen Fuzhou Mundschutz und Schutzanzüge in einer Produktionshalle eines Unternehmens zur Fertigung von Schutzanzügen. Foto: Lin Shanchuan/XinHua/dpa

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Erstellt:
2. Februar 2020, 11:48 Uhr

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