Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Damit es wieder rundläuft

Neues Konzept für den Kindergarten Kunterbunt in Althütte – Leiterin wird zu 100 Prozent freigestellt

„Das passt alles nicht mehr“, hat Ingeborg Kaufmann, die Leiterin des Kindergartens Kunterbunt, festgestellt. Ein veraltetes Konzept, ungeklärte Zuständigkeiten, zerstrittenes Personal: So ging es nicht weiter. Der Gemeinderat stellte Kaufmann jetzt für sechs Monate zu 100 Prozent frei, um den Kindergarten wieder auf Kurs zu bringen.

Ingeborg Kaufmann, Leiterin des Kindergartens Kunterbunt in Althütte, ist für sechs Monate freigestellt, um den künftigen Kindergartenalltag besser zu gestalten. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Ingeborg Kaufmann, Leiterin des Kindergartens Kunterbunt in Althütte, ist für sechs Monate freigestellt, um den künftigen Kindergartenalltag besser zu gestalten. Foto: A. Becher

Von Annette Hohnerlein

ALTHÜTTE. 1998 als eingruppige Einrichtung gebaut, hat sich der Kindergarten Kunterbunt und die angegliederte Krippe Farbennest mit jeweils zwei Gruppen zum „Flaggschiff der Kinderbetreuung“ entwickelt, so Bürgermeister Reinhold Sczuka in der letzten Gemeinderatssitzung. Diese Entwicklung brachte eine Reihe von Veränderungen mit sich: Die Öffnungszeiten wurden verlängert, der Ganztagsbetrieb eingeführt, die Altersstruktur änderte sich, die Krippe wurde eingerichtet. „Der Kindergarten wuchs und wuchs und wuchs“, sagt Ingeborg Kaufmann. Was mit dem Wachstum jedoch nicht Schritt hielt, war das Konzept der Einrichtung. „Man hat sich so durchgewurstelt, aber nie die Zeit gehabt, die Konzeption zu ändern“. Die Folgen waren veraltete Strukturen, ungeklärte Zuständigkeiten, ein schlechtes Betriebsklima, Zerwürfnisse unter den Mitarbeitern; es lief nicht mehr rund im Kindergarten Kunterbunt.

Keine Gruppenräume mehr, sondern Funktionsräume schaffen

Im Mai dieses Jahres kam Ingeborg Kaufmann als neue Leiterin in die Einrichtung. „Ich bin mit dem Auftrag angetreten, ein neues Konzept zu erarbeiten“, sagte die Sozialpädagogin im Gemeinderat. Sie habe zahlreiche Gespräche mit den Mitarbeiterinnen geführt und festgestellt: „Es ist sehr schwierig, zum normalen Alltag und normaler Kommunikation zu kommen,“ Erschwerend sei dazugekommen, dass der Krankenstand zeitweise hoch gewesen sei, was die Kolleginnen zusätzlich belastet habe.

Dennoch habe man im letzten halben Jahr einiges auf den Weg bringen können, um den Tagesablauf im Kindergarten neu zu strukturieren. Zum Beispiel sei man zu einem offenen Konzept übergegangen, das keine festen Gruppenräume vorsieht, sondern Funktionsräume: einen Bewegungsraum, ein Atelier für gestalterisches Arbeiten, einen Ruheraum zum Entspannen und Zurückziehen, ein Kindercafé. Zudem sei man übereingekommen, dass die Erzieherinnen im wöchentlichen Rhythmus wechselnde Aufgaben wie die Frühstücksbetreuung übernehmen, damit sie alle Kinder im Blick haben. Statt eines gemeinsamen Frühstücks zu einer festen Uhrzeit wurde ein Zeitfenster für ein offenes Frühstück festgelegt; „Ein zweijähriges Kind, das um 7.15 Uhr gebracht wird, hat nicht erst um halb zehn Hunger“, so Kaufmann. Bei einem pädagogischen Tag wurden die Zuständigkeiten für verschiedene Aufgabengebiete wie Materialbestellung, Wäsche oder den Hygieneplan festgelegt und damit ein Potenzial für Unstimmigkeiten beseitigt.

Kaufmann sieht sich und ihr Team auf einem guten Weg: „Wir haben tolle Mitarbeiterinnen; da lässt sich was machen.“ Aber sie hat festgestellt, dass ihre Zeit nicht reicht, um die begonnene Erneuerung weiterzuführen: „Es sind viele Baustellen zu bearbeiten. Diese Dinge brauchen Zeit.“ Neue Maßnahmen müssten ausgearbeitet, im Team besprochen, dokumentiert und den Eltern erläutert werden.

Als Leiterin der Einrichtung, die für Kindergarten und Krippe zuständig ist, ist Kaufmann bisher zu 50 Prozent in den laufenden Betrieb eingebunden, davon 15 Stunden am Kind und 5 Stunden Vorbereitungszeit. Für die restlichen 50 Prozent ihrer Arbeitszeit ist sie für Verwaltungstätigkeiten freigestellt. Wenn es zu Personalengpässen kommt, etwa wegen Krankheit, springt Kaufmann jedoch für die Kolleginnen ein. Das führte zu einer Reduzierung der Bürostunden, sodass noch weniger Zeit für konzeptionelle Aufgaben übrig blieb.

Eine Halbtagskraft

soll unterstützen

Das Beratungsunternehmen Schneider & Zajontz Consult GmbH aus Heilbronn, das den Kindergarten im Auftrag der Gemeinde unter die Lupe genommen hatte, sprach die Empfehlung aus, die Leiterin für die Dauer von sechs Monaten zu 100 Prozent freizustellen, um ein neues Konzept zu erstellen und die Defizite aus der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Ein Vorschlag, den der Gemeinderat einstimmig befürwortete. Reinhold Sczuka stellte klar, dass die nun fehlenden Stunden nicht vom bestehenden Personal aufgefangen werden müssen, sondern dass befristet eine Halbtagskraft gesucht werde: „Damit wir wieder Ruhe reinbekommen in den personellen Bereich.“

Zum Artikel

Erstellt:
22. Dezember 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Die freiwilligen Feuerwehrleute geben alles, um möglichst schnell am Einsatzort zu sein. Trotzdem gelingt das oft nicht innerhalb der gesetzlichen Hilfsfristen. Archivfoto: A. Becher
Top

Stadt & Kreis

Feuerwehr stößt im Ehrenamt an Grenzen

Ein Gutachten über die Backnanger Feuerwehr zeigt: Auf Dauer wird die Stadt nicht drum herumkommen, ihre Wehr mit hauptamtlichen Kräften zu verstärken. Schon heute werden die Hilfsfristen in vielen Fällen nicht eingehalten.

Stadt & Kreis

„Die Wahrheit ist unbequem“

Wissenschaftler und Umweltpolitiker Ernst Ulrich von Weizsäcker referiert bei zwei ausverkauften Veranstaltungen in Backnang und Murrhardt darüber, was uns für eine nachhaltige Klimapolitik fehlt.

Stadt & Kreis

„Ich tue alles, um Autofahren zu vermeiden“

Familien aus Backnang und Umgebung sammeln Erfahrung mit Fahrradanhänger und Lastenfahrrad. Angesichts des Klimawandels wollen sie einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Zudem nimmt man beim Radfahren die Umwelt viel besser wahr.