Verdi
Darum geht es im ÖPNV-Streik – Stuttgart vorerst nicht betroffen
Busse bleiben im Depot, U-Bahnen fahren nicht, Pendler frieren an den Haltestellen. Was will Verdi, und wie geht es nach den Verhandlungen am 11./12. Februar weiter?
© Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg
Afang Februar legte Verdi den SSB-Verkehr in Stuttgart lahm – nun sind München und Hamburg im Fokus.
Von Michael U. Maier
Wer aktuell vergeblich auf seinen Bus wartet, ist Opfer der sogenannten Tarifrunde TV-N (Tarifvertrag Nahverkehr). Anders als bei der Deutschen Bahn, wo oft die GDL verhandelt, geht es hier um den kommunalen Nahverkehr – also die Stadtwerke und Verkehrsbetriebe in Städten und Gemeinden. Es gibt drei Hauptgründe, warum Verdi die Muskeln spielen lässt.
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1. ÖPNV-Arbeitsbedingungen (Manteltarifvertrag)
In den meisten Bundesländern wird derzeit nicht über den Stundenlohn gestritten, sondern über die Rahmenbedingungen der Arbeit. Die sogenannten Manteltarifverträge sind in fast allen Bundesländern gleichzeitig gekündigt worden. Verdi will eine Entlastung für die Fahrerinnen und Fahrer durchsetzen.
Die zentralen Streikforderungen sind:
- Längere Ruhezeiten: Zwischen zwei Schichten soll mehr Zeit zum Schlafen und Erholen liegen (mindestens 12 Stunden).
- Kürzere Arbeitszeiten: Oft wird eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich gefordert.
- Bessere Schichtplanung: Weniger geteilte Dienste (bei denen man morgens und abends fährt, aber zwischendurch unbezahlt „frei“ hat).
- Höhere Schichtzuschläge: Verdi kritisiert, dass Überstunden die Arbeitgeber angeblich zum Teil billiger kommen als eine vernünftige vorausschauende Schichtplanung.
2. Der Teufelskreis des Personalmangels
Der ÖPNV hat ein massives Problem: Es fehlen Tausende Bus- und Bahnfahrer. Diejenigen, die da sind, müssen oft Überstunden schieben und einspringen, wenn Kollegen krank werden. Das führt zu noch mehr Krankheit und Erschöpfung – ein Teufelskreis.
Verdis Argumentation ist simpel: „Wir müssen den Job attraktiver machen, sonst fährt hier bald gar nichts mehr.“ Nur mit besseren Arbeitszeiten und weniger Stress ließen sich junge Menschen für den Beruf begeistern.
3. Der regionale ÖPNV-Flickenteppich
Ein Grund, warum es so kompliziert wirkt: Es gibt nicht die eine Verhandlung für ganz Deutschland. Verdi verhandelt in jedem Bundesland separat mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden (KAV).
In Bayern und Hamburg geht es aktuell auch hart um konkrete Gehaltserhöhungen. In Berlin (BVG) stehen ebenfalls Manteltarifverhandlungen an, die den Verkehr der Hauptstadt lahmlegen könnten.
Warnstreik auch wieder in Stuttgart?
Da sich die Arbeitgeber in den verschiedenen Regionen unterschiedlich positionieren, kommt es zu „Wellenstreiks“, die mal das eine, mal das andere Bundesland treffen. Stuttgart war Anfang Februar ebenfalls schon mit einem SSB-Streik betroffen – ist aber am Mittwoch außen vor.
Verdi verhandelt allerdings am 11. und 12. Februar in Potsdam mit den Arbeitgebern. Scheitern die Gespräche, könnten die Warnstreiks unter Umständen sofort auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.
Was sagen die ÖPNV-Arbeitgeber?
Die kommunalen Arbeitgeber halten dagegen, dass die Forderungen unbezahlbar seien. Die Kassen der Städte sind leer, und eine Arbeitszeitverkürzung würde bedeuten, dass man noch mehr Personal bräuchte – das der Markt aber gar nicht hergibt. Sie warnen vor steigenden Ticketpreisen oder einer Ausdünnung des Fahrplans, wenn die Kosten zu stark steigen.
DB und S-Bahn Stuttgart nicht von Verdi-Streiks betroffen
Der aktuelle Konflikt im Februar 2026 ist ein überraschend heftiger Machtkampf um die Zukunft des ÖPNV-Berufsfeldes. Da die Fronten verhärtet sind, müssen sich Pendler wohl leider auf weitere ungemütliche Tage einstellen.
Tipp: S-Bahnen und Regionalzüge (meist Deutsche Bahn) sind von diesen spezifischen Verdi-Streiks in der Regel nicht betroffen. Ein Blick in die App lohnt sich also, um Alternativen zu finden.
