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Das Freibad erwacht aus dem Winterschlaf

Reinigungsarbeiten starten etwa sechs Wochen vor Saisonbeginn – Becken werden von zweimal von Hand geputzt

Es nieselt und ist kalt – und vermutlich denkt noch niemand daran, dass in ein paar Wochen die Freibadsaison eröffnet wird. Niemand? Doch. Denn das Backnanger Freibad Wonnemar erwacht dieser Tage aus seinem Winterschlaf und wird sommerfit gemacht. Wir waren dabei und haben den Profis beim Saubermachen zugesehen.

Sieht nicht gerade einladend aus: Das Wasser bleibt den Winter über in den Freibadbecken, wird erst im Frühjahr abgelassen. Und sobald die Becken leer sind, heißt es schrubben. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Sieht nicht gerade einladend aus: Das Wasser bleibt den Winter über in den Freibadbecken, wird erst im Frühjahr abgelassen. Und sobald die Becken leer sind, heißt es schrubben. Fotos: A. Becher

Von Silke Latzel

BACKNANG. Im Kleinen kennt es eigentlich jeder: Hin und wieder muss das Badezimmer einfach geputzt werden. Auch – wenn vorhanden – die Badewanne. Und eigentlich ist so ein Freibadbecken nichts anderes als eine sehr, sehr große Badewanne. Das sagt zumindest Stefanie Guthardt, Fachangestellte für Bäderbetriebe und Teamleiterin Freibad im Wonnemar Backnang. Und sie muss es wissen, denn Guthardt und ihr Team wecken jedes Frühjahr das Freibad aus seinem Winterschlaf und machen es wieder fit für den Sommer. Das bedeutet – natürlich nicht nur, aber vor allem: putzen, putzen, putzen.

Reinigung mit alkalischem und saurem Reinigungsmittel

Etwa sechs Wochen vor dem Start der neuen Freibadsaison beginnen dort die Arbeiten – egal, wie das Wetter ist. „Ich kann mich auch daran erinnern, dass wir hier schon bei Eis und Schnee gearbeitet haben“, erzählt Carina Neumann, Marketingbereich des Wonnemar. „Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt müssen wir einfach loslegen. Sonst werden wir bis zum Saisonstart am 1. Mai nicht fertig.“

Zuerst wird das Wasser der Vorsaison aus den Becken gelassen, das dauert etwa zwei Tage. Der Laie mag jetzt stutzen: Wieso ist denn da überhaupt noch Wasser drin? Schadet es den Becken nicht, wenn das Wasser im Winter gefriert? „Wir haben eine Enteisungsanlage in den Becken, sinkt die Wassertemperatur auf minus zwei Grad, springt die Umwälzung an und sorgt dafür, dass sich kein Eis bildet“, erklärt Guthardt. Auch seien die Schäden, die entstehen könnten, wenn das Wasser im Becken bleibt, viel geringer als die, die es geben könnte, wenn etwa die Murr im Winter Hochwasser hat. Denn durch den Druck des steigenden Murrwassers könnten die Wände und Böden der Freibadbecken brechen.

Nachdem die Becken leer sind, wird erst einmal eine Grundsäuberung mit dem Hochdruckreiniger vorgenommen – und sieht man, wie schnell das geht und wie sauber die Fliesen dann eigentlich schon sind, wünscht man sich ein solches Gerät auch fürs heimische Badezimmer. Doch damit ist es ja nicht getan, denn jetzt beginnt die Arbeit, die zu Hause kaum jemand gern macht: Mit Schwamm und Reinigungsmittel werden die Fliesen und die Fugen geputzt – einzeln und von Hand. Und das sogar zweimal: einmal mit alkalischem und einmal mit saurem Reiniger.

„Dieses Jahr haben wir ziemlich viel zu tun. Es hat sich eine Menge Kalk abgelagert und wir mussten auch einige kaputte Fliesen austauschen.“ Stefanie Guthardt ist trotz einsetzenden Nieselregens guter Laune. „Ich freue mich jedes Jahr auf diese Einsätze vor der Saison. Und wenn dann noch gutes Wetter ist, ist es umso schöner. Aber das kann man sich ja leider nicht aussuchen.“ Nicht zu ihren absoluten Lieblingsaufgaben zählt nach ihrer eigenen Aussage das Abschrubben der Liegen und die Überlaufrinne wieder am Beckenrand reinzuschrauben. „Sonst hab ich eigentlich an allem Spaß.“ Generell sei es übrigens einfacher, das Nichtschwimmerbecken zu reinigen, so Guthardt, da dieses nicht so tief ist, wie das Schwimmerbecken. „Ansonsten gibt es da gar keine Unterschiede, was die Arbeitsabläufe angeht.“

Ohne Wasser in den Becken wirkt das Freibad surreal. Dass Menschen auf dem Grund der Becken laufen, Regenjacken und Matschhosen statt Badebekleidung tragen und sich in einer Ecke der vier Meter tiefen Sprunggrube – die leer sogar noch tiefer wirkt als sie tatsächlich ist – zentimeterhoch Schlamm gesammelt hat, will nicht so recht mit den Sonne-Sommer-Bildern zusammenpassen, die man vor dem geistigen Auge hat.

Weil die Becken über sechs Monate offen sind, wird alles ungehindert vom Wind ins Wasser getragen, was die Natur so hergibt, egal ob Staub oder Blätter der umstehenden Bäume. In den Fugen bilden sich durch den Stillstand des Wassers Algen, die müssen ebenfalls entfernt werden. Und manchmal steht auch eine Rettungsaktion an: „Wir mussten einen Frosch aus dem Becken tragen, der saß im Sprungbecken im Schlamm und ist mir entgegengehüpft“, erzählt die Teamleiterin lachend.

Guthardt und ihre Kollegen arbeiten dieser Tage zur dritt im Freibad. Unterstützung bekommen sie allerdings an einem Tag von den Triathleten. „Wir haben da sozusagen einen Deal mit ihnen: Wir öffnen das Freibad einen Tag vor Saisonstart für den Citymarathon, dafür helfen sie uns ehrenamtlich beim Auswintern.“

Kosten „im niedrigen sechsstelligen Bereich“

Doch nicht nur die Becken selbst müssen gereinigt werden. Die Wege, die Beckenumgänge und die Rutschen werden ebenfalls geputzt. Kaputte Fliesen müssen ausgetauscht, die Technik überprüft und gegebenenfalls repariert werden. Auch die Grünanlagen müssen sommerfrisch gemacht und gepflegt werden – das fällt allerdings nicht in den Aufgabenbereich von Stefanie Guthardt.

Nicht ganz billig ist die Auswinterung, außerdem „kostet das Freibad das ganze Jahr über, auch wenn gar nichts passiert“, so Guthardt. Mit einer „niedrigen sechsstelligen Summe“ rechnet Rico Haas, Centermanager des Wonnemar in diesem Jahr. „Die Auswinterung ist etwas teurer als sonst, da wir mehr machen mussten als im Vorjahr, zum Beispiel den Belag der Rutschen erneuern“, sagt er.

Wenn sich am 1. Mai die Tore des Freibads wieder öffnen, wird für die Besucher wieder alles so sein wie im Vorjahr: das Wasser frisch eingelassen, die Becken sauber, die Wege geputzt. Und dann genießen auch die Mitarbeiter des Bads die Arbeit ihm Freien – ohne Regenjacke und ohne Gummistiefel.

Kaputte Fliesen müssen vor Beginn der Saison ausgetauscht werden, hier von Azubi Firat Kocamer.

© Pressefotografie Alexander Beche

Kaputte Fliesen müssen vor Beginn der Saison ausgetauscht werden, hier von Azubi Firat Kocamer.

Auch ohne „Gesperrt“-Schild würde jetzt sicherlich niemand ins leere Becken springen.

© Pressefotografie Alexander Beche

Auch ohne „Gesperrt“-Schild würde jetzt sicherlich niemand ins leere Becken springen.

Deutlich sichtbarer Unterschied: Der Hochdruckreiniger ist Stefanie Guthardt eine große Hilfe.

© Pressefotografie Alexander Beche

Deutlich sichtbarer Unterschied: Der Hochdruckreiniger ist Stefanie Guthardt eine große Hilfe.

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Erstellt:
10. April 2019, 06:00 Uhr

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