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Das frühe Aufstehen lässt ihn kalt

Rolf Teuber ist Zeitungsausträger in Backnang – An seinem Zweitjob genießt er die tägliche Bewegung an der frischen Luft

An sechs Tagen in der Woche steckt morgens die Backnanger Kreiszeitung in mehr als 13000 Briefkästen. Damit die Nachrichten täglich pünktlich zum ersten Kaffee am Morgen auf dem Esstisch liegen, braucht es nicht nur Redakteure und Drucker, sondern auch Zeitungsausträger. Rolf Teuber ist einer von vielen, die dafür sorgen, dass jede Ausgabe im richtigen Briefkasten landet.

Und ab damit in den Briefkasten: Rolf Teuber macht seinen Zweitjob als Zeitungsausträger wegen der Bewegung an der frischen Luft. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Und ab damit in den Briefkasten: Rolf Teuber macht seinen Zweitjob als Zeitungsausträger wegen der Bewegung an der frischen Luft. Foto: J. Fiedler

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Tasche auf, Zeitung raus, Tasche zu. Klappe auf, Zeitung rein, Klappe zu. Wenn er losgeht, ist die Nacht noch schwarz. Auch die meisten Fenster sind noch dunkel, nur hier und da brennt schon Licht. Bis um sechs Uhr sollte er seine Runde beendet haben, sodass jeder beim Frühstück die Zeitung lesen kann. Rolf Teuber ist Zeitungsausträger – und das nun seit gut 20 Jahren. „Ich wollte anfangen, mich mehr zu bewegen“, beginnt er zu erzählen. Zur Auswahl standen Hund oder Zeitung: „Beides zwingt einen, sich draußen zu bewegen.“

Jeden Tag ist der 65-Jährige anderthalb bis zwei Stunden an der frischen Luft, denn Teuber beliefert gleich zwei Bezirke in Backnang. Als er um 5 Uhr den Stapel Zeitungen am Seniorenzentrum in der Eugen-Adolff-Straße abholt, hat er schon ein Gebiet beliefert. Er öffnet das in Folie eingeschweißte Paket und verteilt gleich an Ort und Stelle die ersten Exemplare. Wie im Schlaf steckt er Zeitung um Zeitung in ausgewählte Briefkastenschlitze. Doch Teuber ist bereits hellwach, das frühe Aufstehen oder späte Insbettgehen, mache ihm gar nichts aus. Spät ins Bett? „Ja, manchmal gehe ich auch um 2 Uhr los.“ Dann geht er nach einem langen Tag gar nicht mehr erst ins Bett, sondern geht vorher noch eine Runde, denn ab 2 Uhr liegen die Ausgaben am Seniorenzentrum zur Verteilung bereit.

In Backnang trägt Teuber erst seit drei Jahren Zeitungen aus. Davor lebte er in Nordholland, wo er ebenfalls die Zeitungen verteilte. Gerne denkt er an die Zeit zurück, als er noch am Boulevard direkt am Meer morgens lief und wie dabei die Sommersonne aufging: „Da bin ich auch gerne mal früher aufgestanden.“ Wegen der Familie ist Teuber nun wieder in Backnang. „Was in Holland der Wind ist, sind hier die Berge.“

Seinen Handwagen, in den er die rund 60 Ausgaben gepackt hat, parkt er nun an der Einbiegung zur Oberen Hasenhälde. Er zählt ab und stiefelt los. Die Vorlieben der Zeitungskunden hat er alle im Kopf. Hier kommt die Zeitung hinters Gitter am Fenster geklemmt, die eine wird ganz reingeworfen, die anderen nur halb reingesteckt. „Hier holt die Frau, die morgens als Erstes wach ist, alle Zeitungen aus den Briefkästen und schafft so Platz für die Post“, weiß der 65-Jährige. Zu den Stammkunden kommen auch hin und wieder Probeabonnenten. Auch deren Adressen hat Teuber im Kopf. Eine Liste mache er sich zwar manchmal, aber mitnehmen braucht er die nicht. Persönlich kennt er nur wenige Gesichter, die zu den Häusern und Wohnungen seines Gebiets gehören.

Um die Uhrzeiten, zu denen der Zeitungsausträger unterwegs ist, trifft er meistens nicht viele Leute. Normalerweise sind nur wenige schon so früh unterwegs, am Wochenende manche auch immer noch. Als er noch in Holland lebte und arbeitete, habe ihn morgens mal eine Frau auf einen Kaffee hereingebeten: „Sie sagte: ,Das ganze Jahr stehen Sie für mich früh auf, heute bin ich für Sie früh aufgestanden.‘ Da freut man sich natürlich.“

Weiter geht es die Hasenhälde auf der einen Seite hoch und auf der anderen wieder runter, genau so die Eugen-Adolff-Straße hinauf bis zur Annonaystraße. Doch ist es nicht vor allem im Winter schwer, so früh morgens draußen unterwegs zu sein? „Da nehme ich manchmal auch das Auto“, gibt er zu. Wenn es aber geht, macht er alles zu Fuß oder mit dem Rad. Seit seiner Zeit in Holland habe er sich das Radfahren angewöhnt und schätzen gelernt. Womit er am Anfang in Backnang so seine Probleme gehabt habe, seien die vielen Treppenstufen vor den Häusern. „In Holland ist alles flach, da war ich das nicht gewohnt.“ Zu Beginn hätte er jede Stufe einzeln nehmen müssen, jetzt nimmt er manchmal zwei auf einmal. Er ist fitter geworden. Hat die Entscheidung, sechsmal die Woche Zeitungen auszutragen, also doch etwas gebracht. Je näher der Uhrzeiger an die 6-Uhr-Marke rückt, desto mehr füllen sich auch die Straßen: Autos brummen auf dem Asphalt, ziehen kalten Wind vorbei, Menschen laufen mal mehr, mal weniger gehetzt gen Bahnhof. Teuber hat seine Runde beendet, nun geht für ihn der Rest des Alltags los. Ein Kaffee zwischendurch, dann weiter zur Arbeit in der Agentur.

Auch Sie wollen Zeitungen austragen? Dann melden Sie sich bei Jens Unkel telefonisch unter 07191/808-112 oder per E-Mail an j.unkel@bkz.de.

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Erstellt:
3. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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