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Das größte Zirkuszelt der Welt steht in den Etzwiesen

Statt Filmvorführungen gibt’s im Backnanger Autokino Manegenluft unter freiem Himmel – und der BKZ-Fotograf stellt sich mutig einer gefährlichen Herausforderung. Zirkus Montreal und seine Artisten sind glücklich, Jung und Alt mit sehr viel Akrobatik sowie ein wenig Spaß endlich wieder begeistern zu dürfen.

Akrobat schön – und vor allem mit Kraft sowie Körperbeherrschung ausgestattet. Fast waagerecht hängt Jeffrey hoch oben in der Luft. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Akrobat schön – und vor allem mit Kraft sowie Körperbeherrschung ausgestattet. Fast waagerecht hängt Jeffrey hoch oben in der Luft. Foto: J. Fiedler

Von Simone Schneider-Seebeck

BACKNANG. Normalerweise taucht man in eine völlig andere Welt ein, wenn man eine Zirkusvorstellung besucht. Schon allein der Anblick des Zeltes mit seinen hohen Spitzen und bunten Farben. Und hat man innen Platz genommen, ist so vieles so anders – das Licht, der Duft, die Musik. Alles hat seinen eigenen Zauber. Doch was ist derzeit noch normal? Zum Glück gibt es kreative Menschen, die fast totgeglaubte Freizeitvergnügungen zu neuem Leben erwecken. So wie das Autokino auf den Etzwiesen. Das lässt sich nicht nur für den Filmgenuss nutzen.

Ein Vertreter des Kreisjugendrings hatte dem Zirkus Montreal vorgeschlagen, es doch mit einer Vorstellung im Autokino zu versuchen. Gut drei Monate hatte die Zirkusfamilie wegen der Coronaauflagen nicht auftreten können. So wurde die Idee dankbar aufgegriffen (wir berichteten). Zwar ist die Bühne etwas kleiner als eine Manege, doch: „Zirkusleute sind flexibel“, erklärt Zirkusdirektor Enrico. Er sieht den ungewöhnlichen Auftrittsort unter freiem Himmel sehr positiv: „Das ist das größte Zirkuszelt der Welt.“

Hauptsächlich Familien mit Kindern und jüngere Leute haben sich zu der gut besuchten Vorstellung am Samstagnachmittag eingefunden. Zirkusmusik stimmt die Gäste ein. Es fühlt sich an wie bei einem Sommerfest. Pünktlich betritt Enrico die Bühne, um den ersten Backnanger Zirkus im Autokino anzukündigen – eine Weltpremiere, wie es stolz heißt.

Los gehen die kurzweiligen eindreiviertel Stunden mit Michelle und Diego. Die Hula-Hoop-Reifen wirbeln nur so um die 18-Jährige herum. Zum Abschluss funktioniert das sogar mit Dutzenden davon. Klatschen ist im Auto zwar etwas schwierig, aber man kann ja glücklicherweise die Fenster offen lassen und die Artisten hören hoffentlich, dass ihre Nummern ankommen. Außerdem gibt es ja auch noch die Lichthupe.

Den 16-jährigen Diego sieht man noch mehrfach mit akrobatischen Nummern. Unglaublich gelenkig ist er. An einer Art Seilwinde, am Trapez, oder am Cube, einem Gestänge in Würfelform, schwebt er knapp unter der Bühnendecke, verbiegt sich, schwingt, führt eigene Choreografien aus. Kein Wunder, seit zwölf Jahren nimmt er schon an Artistikwettbewerben teil und gewinnt regelmäßig. Sein Spitzname: „Das Phänomen.“ Höhepunkt seiner Auftritte ist die Kontorsion, eine asiatische Kunst, die vor allem in der Mongolei sowie China und dort fast nur von Mädchen praktiziert wird. Erstaunlich, wie biegsam ein menschlicher Körper sein kann.

Circus Montreal im Backnanger Autokino

Impressionen vom Auftritt vom Circus Montreal im Backnanger Autokino

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© Jörg Fiedler

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Auch die anderen Artisten haben Kunststücke drauf, die mit viel Kraft und Körperbeherrschung einhergehen. Für Jeffrey ist es ein Leichtes, einen Stuhl auf der Kinnspitze zu balancieren. Oder einen Vorschlaghammer. Oder doch gleich vier Stühle und damit stolze 22 Kilogramm auf einmal. Auch andersrum funktioniert es – mit Handstand auf einem Stuhlturm. Völlig unangestrengt sieht das aus, kein Zittern, kein Wackeln. Genauso an den Kraft-Strapaten. Lässig hängt er waagerecht an einer Hand.

Der 22-jährige André wirbelt Bälle, Ringe, Kegel durch die Luft. Dabei braucht der Jongleur nicht einmal festen Boden unter den Füßen. Auf der römischen Rola-Rola balanciert André und lässt die Bälle fliegen oder macht Kunststücke mit Hula-Hoop-Reifen. Dabei steigt er mit der Rolle immer höher. Es klappt. Auch der Dreifach-Doppeldecker.

Die Clowns belustigen mit einer witzigen Gesangsnummer sowie einem Sketch vor allem die Kinder und bescheren dem armen Jeffrey gleich zwei Duschen. Der Schwerpunkt liegt aber auf Akrobatik in ihrer vielfältigsten Art. So schwebt Michelle elegant mit einem rotierenden Arialring in luftigen Höhen. Mit fließenden Bewegungen gehen ihre Übungen ineinander über. Alles sieht unglaublich mühelos aus. Danach folgt Nesthäkchen Alicia Evita, die noch keine 13 Jahre alt ist. Sie turnt in dem sich drehenden Ring, als hätte sie nie was anderes gemacht. Dem vierjährigen Jamie gefällt am besten, „was das Mädchen gemacht hat“. Auch die neunjährige Marleen ist von Alicia Evita beeindruckt: „Sie war richtig mutig.“ Sandro scheint gar ein echter Zirkuskenner zu sein. Sein Urteil? „Da gibt es viel Action. Das Mädchen ist toll, ich würde mich das nicht trauen. Hier wird alles geboten wie auch bei einem großen Zirkus.“

Den Abschluss macht die Dakota Wild West Show. Natalie und Jeffrey lassen die Seile schwingen und wirbeln, tanzen elegant mit ihrer Requisite. Das Lasso kreist in der Luft und zwei-, drei-, vier-, zehnmal schafft es Jeffrey, durchzuspringen. Dann das Messerwerfen. Zackig fliegen große Klingen durch die Luft, während Natalie mit keiner Wimper zuckt. Schließlich wird ein Freiwilliger gesucht – und gefunden. Zeitungsfotograf Jörg Fiedler stellt sich mutig den fliegenden Messern, die neben ihm ins Holz fahren.

Ein gelungener Nachmittag. Glücklich betreten alle Artisten noch einmal die Bühne. Sie durften endlich wieder vor Publikum auftreten. Auch die Besucher sind glücklich. Egal, ob Jung oder Alt – unter dem blau-weiß gemusterten Himmelszelt hat die temporeiche Vorstellung allen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

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Erstellt:
22. Juni 2020, 06:00 Uhr

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