Das härteste Gefängnis der USA steht mitten in New York

Mexikanischer Drogenboss „El Chapo“sitzt während Prozesses unter strengsten Auflagen in Haft – Expertin: Zustände, die an russische Straflager erinnern

New York (dpa/AFP). Wall Street, One World Trade Center, Brooklyn Bridge – der Südzipfel Manhattans gehört für Touristen zum Pflichtprogramm beim Besuch der US-Metropole New York. Doch nur wenige ahnen, dass zwischen all diesen Sehenswürdigkeiten der berüchtigte mexikanische Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán in einer Zelle sitzt. Im Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe des Rathauses sollen die härtesten Bedingungen herrschen, die der amerikanische Strafvollzug zu bieten hat.

Von dem Gefängnis aus wird „El Chapo“, über den es ganze TV-Serien gibt, regelmäßig in den Stadtteil Brooklyn ins Gericht gebracht. Dort wird ihm der Prozess gemacht, weil er für den Tod Tausender Menschen verantwortlich sein und das mexikanische Sinaloa-Kartell unter seiner Führung zwischen 1989 und 2014 fast 155 Tonnen Kokain und große Mengen anderer Drogen in die USA geschmuggelt haben soll.

Das Gefängnis heißt offiziell Metropolitan Correctional Center – abgekürzt wird es MCC genannt. Politik-Professorin Jeanne Theoharis, die als Expertin für das MCC gilt, vergleicht das Gefängnis mit einem Arbeitslager in der Sowjetunion: verdreckte und kalte Räume, kein Tageslicht und eine so strenge Isolierung der Gefangenen , dass selbst Gespräche durch die Wand bestraft werden. Bei den Verhältnissen denke man eigentlich, man befinde sich im Iran oder in Russland, sagt sie.

Für den 61 Jahre alten Guzmán könnte das Gefängnis vorerst die Endstation sein. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft gefordert, ihn in allen Anklagepunkten zu verurteilen. „Hier sitzt er. Lassen Sie nicht zu, dass er sich seiner Verantwortung entzieht. Machen Sie ihn für seine Verbrechen verantwortlich. Sprechen Sie ihn in allen Punkten schuldig“, appellierte Staatsanwältin Andrea Goldbarg an die Geschworenen. Am Donnerstag stand das Schlussplädoyer der Verteidigung an.

Wieder und wieder hatten Guzmáns Anwälte im Verfahren über die harten Bedingungen für ihren Mandanten geklagt. Ihnen zufolge verbringt er 23 Stunden am Tag in einer 15 Quadratmeter großen, fensterlosen Zelle bei durchgehend eingeschaltetem Licht. Depressionen und Halluzinationen seien die Folge. Professorin Theoharis führt gegenüber der Website „Gothamist“ weiter aus, dass die Häftlinge teils zwangsernährt würden und Zeitungen erst sehen dürften, wenn sie 30 Tage alt sind.

„Ich habe bisher keinen Ort gesehen, der dem Menschsein im Bezug auf Körper, Geist, Psyche und Gefühle so sehr widerspricht“, sagt Anwalt Joshua Dratel. Ein Sonderbeobachter der Vereinten Nationen zum Thema Folter kam zu dem Ergebnis, dass die Einzelhaft den Vereinigten Staaten als zivilisierte Demokratie nicht angemessen sei. Die zuständige Gefängnisbehörde bestätigt keines dieser Details.

Eröffnet wurde das MCC 1975. Derzeit sind in dem grauen Betonklotz gut 820 Häftlinge untergebracht. Unter anderem saß hier Ramsi Ahmet Jussef ein, Drahtzieher des Terroranschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993, und der Mega-Betrüger Bernie Madoff, der mit einem Schneeball-System in Milliardenhöhe Tausende Anleger prellte.

In Mexiko konnte Guzmán zweimal aus dem Gefängnis ausbrechen: 2001 in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel unter seiner Dusche. Sollte er jetzt wieder verurteilt werden – was als sicher gilt – und längere Zeit im MCC bleiben, gäbe es durchaus Vorlagen für einen Ausbruchsversuch: Im Jahr 1990 seilten sich zum Beispiel zwei Häftlinge mit einem Elektrokabel aus einem Fenster im ersten Stock ab. Einer von ihnen – ein Kolumbianer – steht in den USA bis heute auf einer Liste der meistgesuchten flüchtigen Straftäter.

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Erstellt:
1. Februar 2019, 03:14 Uhr

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