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Das Spiel mit Holz und alten Karten

Christel und Werner Drautz stellen unter dem Titel „Farben und Formen“ im Bürgerhaus in Unterweissach aus

Sie gestaltet Skulpturen aus Holz, Aquarelle und Holzschnitte sind sein Ding: Das Ehepaar Drautz stellt gemeinsam im Bürgerhaus Unterweissach aus – eine Doppelausstellung mit Seltenheitswert. Die Präsentation „Formen und Farben“ ist ein gleichberechtigtes Miteinander.

Einzelfiguren und Menschengruppen als Motive: Christel Drautz arbeitet mit Holz, ihre Skulpturen strahlen eine große Ruhe aus. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Einzelfiguren und Menschengruppen als Motive: Christel Drautz arbeitet mit Holz, ihre Skulpturen strahlen eine große Ruhe aus. Fotos: A. Becher

Von Ingrid Knack

WEISSACH IM TAL. Bei der 34. Ausstellung des Kulturkreises Bildungszentrum Weissacher Tal und der Gemeinde im Bürgerhaus kommt dem Ehepaar Drautz noch eine Doppelfunktion zu. Denn Werner Drautz hat die Ausstellungen mit Unterstützung seiner Frau „stets geplant und vorbereitet – und unheimlich viel Zeit und Muße dafür aufgebracht“, wie Ian Schölzel bei der Vernissage wissen lässt. „Wir haben dabei immer Wert darauf gelegt, Künstlerinnen und Künstlern ganz unterschiedlicher Richtungen eine Plattform zu bieten“, so Schölzel. Nun ist der Hauptorganisator der Ausstellungen selbst Aussteller.

Christel und Werner Drautz sind in der Kunstszene in der Region keine Unbekannten. Werner Drautz beispielsweise stellt regelmäßig mit den Malern der Baracke aus, zudem war er jetzt erst bei den „Backnanger Ansichten“ im Backnanger Helferhaus vertreten. Von Christel Drautz stammt die „Najade“, eine Skulptur des ersten Weissacher Skulpturenpfads. Schölzel: „Heute ist die Skulptur im Ochsengarten zu bewundern. Am ,Weissacher Eck‘ richtet sie den weiten Blick auf den Zusammenfluss vom Brüdenbach und der Weißach.“ Der Bürgermeister erinnert überdies daran, dass der Skulpturenpfad „vor allem eine Idee und ein Schaffenswerk“ des Ehepaars sei.

Zufriedene und friedliche Weltenbürger

Christel Drautz setzt sich mit dem Thema Kunst schon seit rund 40 Jahren auseinander. Zunächst arbeitete sie mit Ton, Gips und Speckstein, seit zirka 30 Jahren mit Holz – gelegentlich auch mit Sandstein. Bei Kursen der Volkshochschule Backnang oder auch im Lechtal, wo eine Holzbildhauerschule beheimatet ist, tauchte sie immer tiefer in das Thema ein. Christel Drautz beschäftigt sich mit dem Thema Mensch. Die Kinder, Frauen, Männer und Familien, die sie künstlerisch zum Leben erweckt, sind zufriedene und friedliche Weltenbürger, sie strahlen Ruhe, Harmonie und Zusammengehörigkeitsgefühl aus. Oft kommen sie in Gruppen daher. Ob sie nun über- oder nebeneinander angeordnet sind, gibt der Stamm vor, aus dem sie entstehen. „Die Idee ist auch durch den Ast gekommen“, sagt Christel Drautz zum Beispiel im Zusammenhang mit einer Figurengruppe, die ganz real zeigt und darüber hinaus in übertragenem Sinne meint: „Einer trägt den anderen.“ Ein Schmunzeln entlockt einem die Arbeit mit den Kirschen stehlenden Buben. Der eine hilft dem anderen durch eine Räuberleiter, an die Steinfrüchte zu kommen. Hier wie auch in manch anderem Werk kommt noch der Aspekt der Bewegung hinzu. In ihren Skulpturen spielt Christel Drautz auch mit Farbe: Die „Wartende“ hat an ihrem Outfit einen grünen Kragen und sie trägt grüne Schuhe. Lange wird sie wohl nicht alleine bleiben. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Ist es Zufall oder ein Augenzwinkern? Die vorwiegend minimalistisch verwendeten Farben verleihen den Figuren etwas Leichtes, Heiteres.

Das Holz lagert Drautz mehrere Jahre, „dass die Hauptspannung rausgeht und nicht mehr so reißt“. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Beim „Stürzenden“ arbeitete Christel Drautz wie immer mit und nicht gegen die Struktur, die Maserung, die Kraft des Stammes, der gesprungen ist. Hier darf das Holz deshalb auch einmal rau sein. Ansonsten überwiegen die fein bearbeiteten Oberflächen, die am Ende durch Wachs noch ein wenig Glanz bekommen. Ernst Hövelborn, der bei der Vernissage die Einführungsrede hält, spricht davon, dass Christel Drautz aus Eichen- und Nussbaumstämmen Figuren herausmeißelt, „die auf der einen Seite ihre Herkunft aus dem Gegebenen des Baumstamms als Signatur in sich tragen und auf der anderen Seite doch unmittelbar aus dieser vom Material bestimmten Grenze heraustreten“. Die in sich verharrenden Einzelfiguren, von denen es ebenfalls etliche gibt, erscheinen als geschlossene Formen mit minimaler Gestik. „So liegen die Hände oft am Körper, verschränken sich vor ihm, oder manchmal geht die Hand in ruhiger Bewegung zum Kopf“, so Hövelborn. „Ihre Aura bekommen sie durch dieses stille, ständig in sich verharrende Stehen und durch ein in sich versenktes Blicken, beides macht sie zu Wesen ganz eigener Art.“

Werner Drautz beschäftigt sich in seinen Aquarellen und (Farb-)Holzschnitten entweder mit der nicht zu bändigenden Natur – die Wellen des Meeres kommen fast bedrohlich daher –, vielfach aber mit einer Natur und einer Umgebung, der die Handschrift des Menschen aufgedrückt wurde. Fischerboote, Leuchttürme, Blumengärten oder auch Szenen aus Ortschaften stehen für das jeweils Charakteristische einer Gegend. Es sind stimmungsvolle Bilder, die meist gegenständlich daherkommen – was kein Widerspruch zur eigensinnigen Aquarellfarbe, sondern eine besondere Fertigkeit von Werner Drautz ist, der auch gerne vor der Natur malt. Etwas ganz Besonderes ist seine Kunst auf alten Karten aus dem Atlas „Königreiche Würtemberg“, auf den er im Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg gestoßen ist. Auf die topografischen Karten aus dem frühen bis mittleren 19. Jahrhundert mit starken Grauwerten und vielen Linien setzt er als Farbholzschnitte Motive wie das Mühlrad der Hundsberger Sägmühle. Auch alte Flurkarten von Backnang, die er bei einer Aufräumaktion im Backnanger Helferhaus entdeckt hat, wurden als Hintergrund für neue Kunstwerke verwendet – auf ihnen ließen sich sogar Aquarelle realisieren, da die Grauwerte nicht bildfüllend stark ausgeprägt sind. Passenderweise hat Drautz dafür Backnanger Motive ausgewählt. Eine Arbeit aus der Serie ist nun im Bürgerhaus in Unterweissach zu sehen. Sie zeigt die Villa Adolff auf einer alten Flurkarte. Auch die Arbeiten auf den anderen Karten beziehen sich immer direkt auf den Hintergrund. Wo Karten im besagten Atlas über die Grenzen „Würtembergs“ hinausgehen, eröffnet sich ebenfalls ein idealer Malgrund für den Aquarellisten.

Die Ausstellung im Weissacher Bürgerhaus ist bis 13. Oktober sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Werner Drautz vor Aquarellen, die Steilküsten zeigen. Auch mit Holzschnitten ist er vertreten.

© Pressefotografie Alexander Beche

Werner Drautz vor Aquarellen, die Steilküsten zeigen. Auch mit Holzschnitten ist er vertreten.

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Erstellt:
27. September 2019, 16:00 Uhr

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