Das Virus stoppt auch die Freizeiten der Lebenshilfe

BKZ-Leser helfen: Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen leiden unter den Folgen der Pandemie, weil durch die Schließung des Wilhelm-Traub-Hauses die sozialen Kontakte für die Gäste und die Entlastung für die Eltern wegfallen. Und die Lebenshilfe Rems-Murr knabbert zudem an gewaltigen Einnahmeausfällen.

Uno spielen mit Lebenshilfe-Mitarbeiterin Ursula Bläske lieben alle im Wilhelm-Traub-Haus. Hier können Menschen mit Behinderung an jedem Wochenende Spaß haben und Freunde treffen. Bloß derzeit nicht. Wie im Frühjahr ist auch jetzt das Haus wegen der Pandemie geschlossen. Foto: privat

Uno spielen mit Lebenshilfe-Mitarbeiterin Ursula Bläske lieben alle im Wilhelm-Traub-Haus. Hier können Menschen mit Behinderung an jedem Wochenende Spaß haben und Freunde treffen. Bloß derzeit nicht. Wie im Frühjahr ist auch jetzt das Haus wegen der Pandemie geschlossen. Foto: privat

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Coronapandemie stellt auch für die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und deren Familien eine sehr schwierige Zeit dar. Davon kann auch der Kreisverband Rems-Murr ein Lied singen. Die Menschen mit Behinderung leiden darunter, dass unter anderem das Backnanger Wilhelm-Traub-Haus im Plattenwald aktuell geschlossen ist. In der segensreichen Einrichtung konnten sie das ganze Jahr über immer ihre Wochenenden verbringen und Freunde treffen. Dies war während des ersten Lockdowns und jetzt wieder seit 1. November nicht mehr möglich. Was besonders auf Menschen mit geistiger Behinderung große Auswirkungen hat, weil auch Online-Kontakte für sie schwierig sind beziehungsweise bei vielen sogar ganz wegfallen. „Die soziale Teilhabe rückt für sie in weite Ferne“, beklagt Ursula Urbanski. Die Geschäftsführerin der örtlichen Lebenshilfe verweist darauf, dass ihr Verein „normalerweise“ mit seinen Freizeitaktivitäten ein breites Programm anbietet. „Das lag zuletzt alles brach.“ Mit der Konsequenz, dass die Eltern wieder alleine für ihre Kinder verantwortlich waren, sie waren zu dieser Zeit wieder sieben Tage die Woche rund um die Uhr gefordert. Urbanski erinnert deshalb daran, dass das Wilhelm-Traub-Haus in erster Linie für die Familienentlastung gebaut wurde. Um eben diese Entlastung wieder zu erreichen, versuchten die Verantwortlichen im Juni schon wieder, als es die ersten Lockerungen gab und die Infektionszahlen recht niedrig waren, das Haus wieder zu öffnen und den Eltern so wieder etwas zu helfen. Allerdings mit eingeschränktem Programm. Während die Teilnehmer üblicherweise drei Tage im Traub-Haus verbringen, fielen im Sommer die Aufenthalte deutlich kürzer aus. Anfangs nur samstags. Die Verantwortlichen wollten damit testen, wie es mit den Abstands- und Hygieneregeln klappt.

Seit September ging es dann wieder mit einer Übernachtung. Aber obwohl das Haus Platz für acht Teilnehmer bietet, konnten nur jeweils vier das Angebot nutzen, weil selbst in einem Dreibettzimmer nur ein Gast übernachten durfte. War dies schon wirtschaftlich sehr schwierig, so ist das Haus seit November wieder völlig geschlossen. Urbanski: „Da leiden alle sehr darunter. Unsere Gäste werden von dringend notwendigen sozialen Kontakten abgeschnitten. Und wir haben keine Einnahmen.“

Für das begehrte Freizeitangebot gibt es sogar eine Warteliste.

In der Vergangenheit wurde das Angebot sehr gut angenommen, schließlich wurden die Eltern drei Tage lang entlastet. Urbanski: „Wir holen die Menschen mit Behinderung mit unserem Fahrdienst am Freitagmorgen von zu Hause und am Abend von ihrem Arbeitsplatz ab und bringen sie direkt ins Traub-Haus. Und sonntags um 17 Uhr wieder heim.“ Die Auslastung ist so groß, dass es sogar eine Warteliste für die insgesamt 50 bis 60 Interessenten gibt. Manche kommen jede Woche, manche nur einmal im Monat, andere etwa zweimal im Jahr.

Viele Eltern genießen es, zum Beispiel einmal im Monat ein Wochenende freizuhaben. Tage, an denen sie auch einmal etwas für sich machen können. Urbanski bestätigt, dass sie auch im Lockdown Rückmeldungen bekommen habe, „wann geht es wieder los?“. Andere Eltern sind sehr vorsichtig: „Es handelt sich bei unseren Gästen ja auch um eine Risikogruppe, manche haben Vorerkrankung. Etliche Eltern haben ihre Kinder auch nicht mehr angemeldet.“

Für den rührigen Verein hat dies große finanzielle Auswirkungen. Urbanski: „Wir wissen nicht, wie es mit den Freizeiten weitergeht. Im Januar werden wir sicher nicht öffnen können, obwohl die Planung schon für das ganze Jahr stand. Vielleicht klappt es im März, ich weiß es nicht, wir hängen alle in der Luft.“

Die Lebenshilfe bietet in normalen Zeiten auch andere Freizeiten in unterschiedlicher Zusammensetzung und von unterschiedlicher Dauer an, die rege und gerne in Anspruch genommen werden. Es bestehen 13 aktive Freizeitgruppen plus wechselnder Freizeitangebote in allen Bereichen, die sich sportlich oder auch kulturell betätigen. Alle Teilnehmer werden nach Wunsch zu den jeweiligen Aktivitäten mit vereinseigenen Bussen zu Hause oder an den Werkstätten für Menschen mit Behinderung abgeholt und wieder zurückgebracht.

Auch diese Angebote wurden mit Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr zum Teil ausgesetzt. Aus diesem Grund sind auch drei Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße 8 (Alte Post) seit April bis heute in Kurzarbeit. Die Geschäftsstelle wird seitdem nur noch eingeschränkt betrieben. Vor allem für die Geschäftsstelle verbleiben dennoch monatliche Fixkosten von ungefähr 5000 Euro. Erfreulicherweise wurde die Miete für die Büroräume vonseiten der Paulinenpflege Winnenden ab Mai bis heute ausgesetzt. Die vier auswärtigen Freizeiten (insgesamt rund 100 Teilnehmer) mussten abgesagt werden.

Eine weitere wesentliche Finanzierung der Lebenshilfe umfassen auch die Veranstaltungen, die seit März nicht stattfinden können. Die letzte Veranstaltung war der Benefiz-Theaternachmittag des Gesangvereins Harmonie Waldrems/Heiningen im Februar 2020 zugunsten der Lebenshilfe.

Besonders sticht hier der Burgberg-Stäffeleslauf heraus, der im September hätte stattfinden sollen und auch der Pandemie zum Opfer gefallen ist. Der letzte Stäffeleslauf 2018 brachte Einnahmen von ungefähr 15000 Euro bei nur geringen Aufwendungen.

Somit fehlen der Lebenshilfe wesentliche Nettoeinnahmen und die Belastungen sind bei einem Verein, der Angebote für Menschen mit Behinderung vorhält, derzeit sehr hoch. Diese Personengruppe hat einen großen Unterstützungsbedarf, der in den zurückliegenden Monaten nicht aufrechterhalten werden konnte. Freizeitangebote mit stark reduzierter Teilnehmerzahl bei erhöhtem Aufwand sind nur durch die besondere Situation zu rechtfertigen.

Die Aktion „BKZ-Leser helfen“ wird die Lebenshilfe unterstützen und dazu beitragen, dass zumindest die finanziellen Auswirkungen der Pandemie etwas gemildert werden.

Das Virus stoppt auch die Freizeiten der Lebenshilfe
Die aktuelle Spenderliste

Ursula Erkenbecher; Monika Heinrich, Althütte; Gerda und Helmut Wahl, Weissach im Tal; Edith Navrath; Ingrid Schulz; Gottfried Richter; Rosemarie und Horst Kronmüller; Angela und Lothar Kern; Petra und Uwe Lehnert; Ingrid und Günter Ruff; Annegret und Ernst Mauritz; Irene und Franz Fiala, Besigheim; Rosemarie und Eugen Frank, Aspach; Ksenija Schramm; Hildegard Pfeil; Stefan Gerngross, Germannsweiler; Ekaterini Evnouchou; Jutta und Joachim Moll; Ingeborg und Theodor Ruppert; Hermengart und Niels-Jürgen Rueter; Brigitte Klumparendt; Gottfried Herzan; Waldemar Wages; Annella und Erwin Pichot; Sabine und Klaus Peter Zwiener; Barbara Erb; Marie Luise und Dieter Riess, Aspach; Christa Mauser; Karl-Heinz Graupmann; Adelheid und Walter Hägele; Ilona und Waldemar Flügge; Anneliese Baum; Margarete Weber, Backnang; Reginald Kunzelmann; Oslinde Schäfer, Burgstetten; Christa Elser, Backnang; Irmgard Binder; Kreissparkasse Waiblingen; Annerose und Roland Kübler; Barbara und Volker Harms; Herbert Häussermann; Felix Lauterbach; Brigitte Scholz; Ingrid Pohl; K. und C. Schmid, Strümpfelbach; Andrea Irsigler; Sonja Uebers; Eva-Maria und Joachim Tränkle; Sonja und Manfred Mayer; Lore und Lothar Friederichs; Sabine und Günter Neuhaus, Großerlach; Irmgard Langer; Hans-Joachim Schon; Rosemarie Schieber; Luis Barahona Garcia; Andre Gruber; Andrea und Michael, Großerlach; Luise Reber; Gretel Hildenbrand; Roland Ehinger; Bärbel und Werner Rattig; Hans Carle, Allmersbach im Tal; Else Speckmaier; Monika Aldinger; Anna-Maria Zott; Ursula Bauer, Backnang; Margit und Joachim Gassmann; Irmgard Serve; Irene Baumann; Brigitte Scheyhing und Siegfried Lehmann; Elsbeth und Heinz Piller, Aspach; Friedrich Peter, Backnang; Hannelore und Gerhard Förg, Backnang; Helmut Klopfer; Christine Christner; Karin und Alfred Stoss; Sylvia und Martin Vogel; Renate und Siegbert Glock; Andrea Kurz; Waltraud und Hans-Jürgen Silber; Kurt Mögel; Ingrid Sieland; Peter Grüner; Gerlinde und Martin Ortloff; Silvia und Manfred Siwinna; Sieglinde Loeschel. Allen Spendern gilt ein herzliches Dankeschön.

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Erstellt:
12. Dezember 2020, 11:00 Uhr

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