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Dauerhafter Blick in die Schatzkammer

Neue Dauerausstellung im Graphik-Kabinett Backnang: Heute Eröffnung des Riecker-Raums mit erster Ausstellung „Merry Mary!“

1600 Blatt umfasst die Sammlung von Ernst Riecker. Die hochkarätigen Druckgrafiken sollen ab sofort dauerhaft und in wechselnden Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Heute wird nicht nur die erste Ausstellung zum Thema „Merry Mary! – Mariendarstellungen“ eröffnet, sondern auch der Riecker-Raum des Graphik-Kabinetts im Helferhaus eingeweiht.

Dauerhafter Blick in die Schatzkammer

© Peter Wolf

Von Silke Latzel

BACKNANG. 14 Grafiken, davon neun von Albrecht Dürer: Die Ausstellung „Merry Marry!“ ist auch für Menschen, die sich nicht unbedingt als Kunstkenner bezeichnen, eine gute Möglichkeit, sich mit Grafiken zu beschäftigen. „Es soll einfach Spaß machen, hier durch den Raum zu laufen und sich die Werke anzuschauen.“ Celia Haller-Klingler, Leiterin des Graphik-Kabinetts, spricht mit viel Begeisterung, Leidenschaft und stolzer Stimme über die erste Ausstellung, die im neuen Riecker-Raum stattfindet.

Damit schon beim Betreten des Raumes eine Verbindung zu Ernst Riecker und der Zeit, in der er gelebt und die Grafiken gesammelt hat, entsteht, sind die Wände in einem „dreckigen“ Grün-grau gestrichen, passend zu den dunklen Holzböden. „Diese Farben waren im 19. Jahrhundert, in dem Ernst Riecker lebte, sehr populär und in einigen Haushalten so zu finden“, erklärt Haller-Klingler. Auch die Rahmen, mit denen die Grafiken an den Wänden befestigt sind, hat die Kunsthistorikerin extra umspritzen lassen, damit der Raum einheitlich wirkt.

Wissenschaftliche Aufarbeitung

vereinfacht Zugang zu den Werken

Die Sammlung Ernst Rieckers umfasst so viele Werke, dass „man die nächsten zehn Jahre die Besucher locken und mit Grafiken bombardieren kann“, so Haller-Klingler lachend. Für die aktuelle Ausstellung „Merry Mary!“ hat sie bewusst ganz unterschiedliche Mariendarstellungen ausgewählt, einmal Maria mit der Heiligen Familie, dann wieder Maria mit Strahlenkranz... Neben den Grafiken hängen Beschreibungen, die für eine Ausstellung erstaunlich ausführlich sind. Haller-Klingler erklärt das so: „Die Darstellungen sind oft sehr detailreich, es macht unheimlich Spaß, herauszufinden, was man alles sehen kann. Aber die Symbolsprache, die zur Zeit der Entstehung der Grafiken gängig war, kennt man heute nicht mehr, und deshalb erklären wir, was die Symbole damals für eine Bedeutung hatten.“ Durch die wissenschaftliche Aufarbeitung wird der Besucher der Ausstellung nicht mit den Grafiken allein gelassen, sie werden beschrieben, lassen aber dennoch Raum für eigene Interpretationen und Sichtweisen, insbesondere auch auf die Rolle von Maria – war sie nun Gottesmutter oder Jungfrau? Heilige oder eher dem Bürger nah? „Wir sehen in den verschiedenen Darstellungen, wie unterschiedlich sie betrachtet wurde und was mit ihr möglich ist.“

Neun der 14 Mariendarstellungen sind von Albrecht Dürer, die anderen von Lucas van Leyden, Hendrik Goltzius, Aegidius Sadeler und Daniel Hopfer. Nicht nur in der Art der Darstellung unterscheiden sich die Grafiken, sondern auch in Bezug auf ihren physischen Zustand – manche sind sehr gut erhalten, bei anderen erkennt man leichte Spuren der Zeit oder auch, dass sie nicht aus der ersten Auflage stammen. Diese und, sofern vorhanden, andere interessante Details, wie etwa der Preis, den Ernst Riecker damals für die Grafik bezahlt hat, lassen sich auf den Beschreibungen neben den Kunstwerken lesen. Neben den Grafiken ist in der Ausstellung auch ein Bruchteil der umfangreichen Bibliothek Rieckers zu sehen – leider nicht zum Stöbern, aber passend zum Thema der Ausstellung. „Wir erlauben mit den Büchern und Grafiken einen Blick durchs Schlüsselloch auf eine Schatzkammer.“

Die Ausstellung „Merry Mary!“ ist ab morgen und bis zum 3. Februar 2019 im Helferhaus Backnang zu besichtigen. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Freitag, 17 bis 19 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr. Auch für die kommenden Jahre hat Haller-Klingler schon Ausstellungen in Vorbereitung. Die nächste wird den Titel „Tierisch!“ tragen und ab Februar 2020 zu sehen sein. „Geplant ist, dass wir jedes Jahr drei Wechselausstellungen im Riecker-Raum zeigen.“

Ernst Riecker Zur Person Der Backnanger Apotheker Ernst Riecker (1845 bis 1918), der nach Amerika auswanderte, war Kunstsammler. Vor genau 100 Jahren wurde seine knapp 1600 Blatt umfassende hochkarätige Sammlung europäischer Druckgrafiken vom 15. bis 19. Jahrhundert, die er in den Jahren 1870 bis 1918 zusammengetragen hat, der Stadt Backnang gestiftet.
Albrecht Dürers „Die Heilige Familie mit der Libelle“, Kupferstich monogrammiert, von 1495.

© Peter Wolf

Albrecht Dürers „Die Heilige Familie mit der Libelle“, Kupferstich monogrammiert, von 1495.

Celia Haller-Klingler, Leiterin des Graphik-Kabinetts Backnang, ist begeistert von der umfangreichen Riecker-Sammlung. Fotos: P. Wolf

Celia Haller-Klingler, Leiterin des Graphik-Kabinetts Backnang, ist begeistert von der umfangreichen Riecker-Sammlung. Fotos: P. Wolf

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Erstellt:
26. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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