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Börsen-Panik: Zweitgrößtes Dax-Minus der Geschichte

dpa Frankfurt/Main. Die sich weiter verschärfende Coronavirus-Krise hat am Donnerstag an den globalen Finanzmärkten zu massiven Verwerfungen geführt.

Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Wie schon zu Wochenbeginn flohen die Anleger in als sicher empfundene Wertpapiere wie etwa amerikanische und deutsche Staatsanleihen, während Aktien weltweit aus den Portfolios der Investoren flogen. Auch die Ölpreise und der Goldpreis gingen auf Talfahrt, wohingegen der Dollar gegenüber allen wichtigen Währungen an Wert gewann.

Der deutsche Leitindex Dax, der schon zum Handelsstart um mehr als 500 Punkte auf unter 10.000 Punkte gesackt war, schloss 12,24 Prozent tiefer bei 9161,13 Punkten. Es ist auf Schlusskursbasis der zweitgrößte prozentuale Tagesverlust seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte. Lediglich Mitte Oktober 1989 hatte es ein noch höheres Minus gegeben, als der Dax nach dem „Schwarzen Freitag“ an der Wall Street auf Talfahrt gegangen war. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor am Donnerstag 10,91 Prozent auf 20.168,02 Punkte.

Auch europaweit brachen die Aktienmärkte ein: Der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, sackte um 12,40 Prozent auf 2545,23 Punkte ab. Ähnlich deutlich ging es auch in Paris nach unten, während der britische FTSE 100 fast 11 Prozent einbüßte. Die Börse in Mailand rauschte um 17 Prozent in die Tiefe und die in Madrid um rund 14 Prozent.

Der US-Aktienhandel war nach erneut panikartigen Verkäufen kurz nach der Startglocke für 15 Minuten unterbrochen worden. Kurz nach dem europäischen Börsenschluss grenzte der Leitindex Dow Jones Industrial aber seine Verluste auf fast 4 Prozent ein, nachdem die US-Notenbank erklärt hatte, Wertpapierkäufe auszuweiten.

Ausgelöst wurde der historische Kurssturz beim Dax durch die Reisebeschränkung der USA für Bürger aus Europa und die drastischen Maßnahmen, die in Italien ergriffen wurden, um die Viruskrise zu meistern. Seit Donnerstagmorgen sind die meisten Geschäfte im Land geschlossen. Zudem blieb die von vielen Anlegern erhoffte Beruhigung der Lage von Seiten der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Europas Währungshüter stemmen sich zwar mit einem umfassenden Maßnahmenpaket gegen wirtschaftliche Folgen der Coronavirus-Krise, konnten die Märkte damit aber nicht überzeugen.

Die EZB steckt bis zum Jahresende 120 Milliarden Euro zusätzlich in Anleihenkäufe. Zudem sollen besonders günstige Kredite Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und so besonders betroffene Branchen und Unternehmen zu unterstützen. Das soll vor allem kleinen und mittelgroßen Firmen helfen. Bei den Zinsen beließen die Währungshüter bei ihrer Sitzung am Donnerstag in Frankfurt vorerst alles beim Alten: Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent, Geschäftsbanken müssen weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

In den wichtigen deutschen Indizes, dem Dax, dem MDax und dem SDax, gaben alle Aktien nach. Besonders unter Abwärtsdruck stand erneut die Freizeit- und Reisebranche. Hierzulande brachen die Papiere der Lufthansa um 14 Prozent ein.

Den Papieren des Flughafenbetreibers Fraport erging es im MDax mit einem Minus von fast 12 Prozent kaum besser. Die Titel des Flugzeugbauers Airbus sackten um mehr als 17 Prozent ab. Auch Bankaktien brachen ein. Die Anteile der Deutschen Bank und der Commerzbank erreichten Rekordtiefs. Trotz gestiegener Gewinne im abgelaufenen Geschäftsjahr gaben die Anteile des Versorgers RWE im Dax um rund 17 Prozent nach. Am Dax-Ende fanden sich die Papiere des Autobauers Daimler mit einem Minus von fast 19 Prozent wieder.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite auf ein neues Rekordtief von minus 0,83 Prozent, nach minus 0,78 Prozent am Tag zuvor. Der Bund-Future sank um 0,02 Prozent auf 176,65 Punkte. Der Rentenindex Rex stieg deutlich um 3,38 Prozent auf 152,14 Punkte. Der Kurs des Euro fiel und notierte zuletzt bei 1,1146 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1240 (Mittwoch: 1,1336) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8897 (0,8822) Euro.

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Erstellt:
12. März 2020, 09:08 Uhr

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