Dax lahmt wegen Corona, Brexit und Euro

dpa Frankfurt/Main. Dem Dax hat es am Montag auf seinem bereits erhöhten Niveau an neuer Kraft gefehlt. Ein Mix aus Corona-Infektionsgeschehen, Brexit-Unsicherheit und Euro-Stärke lastete auf der Stimmung der Anleger.

Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Der deutsche Leitindex sank letztlich um 0,21 Prozent auf 13.271,00 Punkte. Er behauptete sich damit aber über der kurzfristig relevanten 21-Tage-Indikatorlinie bei 13.211 Punkten, die zeitweise unterschritten wurde.

In der vergangenen Woche hatten dem Dax nur noch wenige Punkte für ein neues Hoch seit dem Beginn des Corona-Crashs gefehlt. Während die Virus-Infektionszahlen vor allem in den USA steil ansteigen, warten die Anleger sehnsüchtig auf eine konkretere Impfperspektive. Zeitgleich wird der Zeitdruck bei den Brexit-Verhandlungen größer und der Euro wurde zuletzt vermehrt zum Problem auserkoren.

In der zweiten deutschen Börsenreihe gab der MDax am Ende moderat um 0,15 Prozent auf 29.474,44 Punkte nach, während sich der SDax quasi unverändert zum vergangenen Freitag verabschiedete.

Laut der österreichischen Raiffeisen-Bank konkurriert die Aussicht auf baldige Corona-Impfungen derzeit mit den nach wie vor steil steigenden Fallzahlen vor allem in den USA. „Da dort das Infektionsmomentum der jüngsten Ansteckungswelle noch nicht gebrochen ist, bleibt der Aktienmarkt anfällig für weitere Shutdown-Nachrichten“, sagte Finanzanalyst Valentin Hofstätter. Auch in Deutschland zeichnen sich eher Verschärfungen als Lockerungen ab.

Bei den festgefahrenen Brexit-Verhandlungen nähert sich außerdem mit dem Jahreswechsel das Ende der bisherigen Übergangsphase. Diplomaten berichteten aber, dass EU-Unterhändler Michel Barnier immer noch keinen entscheidenden Fortschritt sehe. Am Montagabend wollten der britische Premier Boris Johnson und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen Bilanz ziehen.

Auf Unternehmensseite sorgten Analystenstimmen im Chemiesektor für Bewegung. Im Dax profitierten die Covestro-Papiere mit plus 2,9 Prozent von einem frischen Kaufvotum der Bank of America. Matthew Yates zog nach einer Fachkonferenz ein optimistisches Fazit für den Sektor. Er rechnet damit, dass sich die Profitabilität des Kunststoffkonzerns schneller erholt als gemeinhin erwartet.

Linde wurden mit einem Aufschlag von 2,3 Prozent nach einer Hochstufung durch die Barclays-Experten zum zweitbesten Dax-Wert. Hier votiert Analyst Duffy Fischer nun mit „Overweight“. Er zeigte sich in seiner Studie allgemein sehr optimistisch für die gesamte Industriegase-Branche.

Dritter im Bunde im Chemiesektor waren die 0,9 Prozent höheren Lanxess-Aktien im MDax, die sich zeitweise aber noch deutlicher im Plus bewegt hatten. Hier sorgte Martin Rödiger von Kepler Chevreux für frischen Schwung, indem er seine bisherige Skepsis über Bord warf und seine Einschätzung der Aktien um gleich zwei Stufen auf „Kaufen“ anhob.

Bei Bilfinger nahmen Anleger nach einem anfänglichen Kurssprung um knapp 8 Prozent schnell Gewinne mit, die Papiere schlossen 0,4 Prozent tiefer. Der Industriedienstleister darf sich aus dem Weiterverkauf der früheren Gebäudemanagement-Sparte nachträglich über einen Buchgewinn von mehr als 200 Millionen Euro freuen.

Auf europäischer Bühne fiel der EuroStoxx 50 am Montag um 0,26 Prozent auf 3530,08 Punkte. Der französische Cac verlor 0,6 Prozent, während der Londoner FTSE 100 dank des schwachen Pfunds knapp im Plus schloss. In New York bewegte sich der Dow Jones Industrial zum hiesigen Handelsschluss auch moderat im Minus.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,56 Prozent am Freitag auf minus 0,58 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,18 Prozent auf 146,28 Punkte. Der Bund-Future lag zuletzt mit 0,26 Prozent im Plus bei 175,45 Punkten.

Der Euro behauptete sich nach einem zeitweisen Rücksetzer auf seinem erhöhten Niveau, zuletzt wurden 1,2135 US-Dollar gezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2128 (Freitag: 1,2159) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8245 (0,8224) Euro.

© dpa-infocom, dpa:201204-99-568140/13

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Erstellt:
4. Dezember 2020, 09:22 Uhr

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