d&b baut neue Halle im Spinnerei-Areal

Verwinkeltes Backsteingebäude wird abgerissen – Bebauungsplan muss geändert werden – Kein höheres Verkehrsaufkommen

Die Firma d&b Audiotechnik möchte im Backnanger Spinnerei-Areal eine neue Produktionshalle errichten. Das Bauwerk im hinteren Bereich des Standorts soll ungefähr 80 Meter lang, 40 Meter breit und über 10 Meter hoch werden. Dazu muss der Bebauungsplan geändert werden. Der Ausschuss für Umwelt und Technik ist damit einverstanden und empfahl dem Gemeinderat, dem Vorhaben zuzustimmen.

Im rückwärtigen Bereich der ehemaligen Spinnerei Adolff soll der neue Logistik- und Produktionsstandort entstehen. Zwar 80 Meter lang, aber acht Meter niedriger als die heutigen Gebäude.Fotomontage: Dibag

Im rückwärtigen Bereich der ehemaligen Spinnerei Adolff soll der neue Logistik- und Produktionsstandort entstehen. Zwar 80 Meter lang, aber acht Meter niedriger als die heutigen Gebäude.Fotomontage: Dibag

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Seit Jahren wächst das Backnanger Unternehmen d&b Audiotechnik kräftig, inzwischen beschäftigt es rund 500 Mitarbeiter. Und das vor allem in den alten und verwinkelten Backsteingemäuern der ehemaligen Spinnerei. Und seit 2013 in der Zweigstelle in der Stuttgarter Straße. Zudem wird der weltweite Versand seit 2016 über das Logistikzentrum in Ilsfeld abgewickelt. Um sich weiter entwickeln zu können, suchten die Verantwortlichen nun nach neuen Möglichkeiten. Zuerst wurde im Herbst vergangenen Jahres der Mietvertrag mit dem benachbarten Post-Zustellzentrum nicht mehr verlängert. Vermieter ist die Dibag Industriebau. Die Post wird mit dem Zustellzentrum ins Industriegebiet Lerchenäcker umziehen.

Im Spinnerei-Areal ergaben sich so aber neue Entwicklungsmöglichkeiten für d&b Audiotechnik. Die alten Gemäuer im hinteren Bereich sollen abgerissen und eine neue Halle gebaut werden. Erst war beabsichtigt, das Logistikzentrum aus Ilsfeld wieder zurückzuholen. Vor einem halben Jahr dann aber wurden die Pläne geändert. Nun soll die Halle nicht nur ausschließlich für Logistikzwecke genutzt werden, sondern auch als zusätzlicher Produktionsstandort.

Alte Halle weg, neue Halle gebaut – dafür bräuchte man eigentlich den Bebauungsplan nicht zu ändern. Zumal das bisherige Gebäude in großen Teilen acht Meter höher war als der Neubau sein wird. Aber im nördlichen Bereich standen auch Gebäudeteile, die deutlich niedriger waren. Aus diesem Grund war das Verfahren doch nötig. Die Erdgeschosshöhe der neuen Halle wird vier Meter höher liegen. Dadurch wird es selbst bei einem Hochwasser der Weißach, wie es nur einmal in 100 Jahren vorkommt, keine Probleme geben. Gleichzeitig geht auch keine Überschwemmungsfläche verloren, schließlich war das Grundstück bislang schon bebaut.

Stadtplanungsamtsleiter Tobias Großmann sprach von einem kniffligen Vorhaben. Auf der anderen Seite betonte er, dass es sich bei dem Abbruchgebäude um kein denkmalgeschütztes Objekt handelt. Durch die höhere Lage besteht die Möglichkeit, ebenerdig auf die Straße Roßlauf, die nach Sachsenweiler führt, hinauszufahren. Zudem befinden sich alle Produktionsflächen künftig auf einer Ebene. Ebenso die Verbindung über die Weißach in den westlichen Trakt.

Wegzug des Post-Zustellzentrums führt zu deutlich weniger Fahrten

Trotz des Ausbaus sinkt wegen der Verlagerung des Post-Zustellzentrums unterm Strich das Verkehrsaufkommen. Laut einer Erhebung kommt es derzeit täglich zu 553 Verkehrsbewegungen, dazu zählen 18 Schwertransporte, also Fahrten mit Fahrzeugen über 3,5 Tonnen. Davon entfallen 239 Fahrten auf d&b sowie 314 Fahrten auf die Deutsche Post. Während in Zukunft der Postverkehr komplett wegfällt, rechnet d&b nur mit 158 zusätzlichen Verkehrsbewegungen.

CDU-Stadträtin Ute Ulfert freute sich über das Wachstum von d&b und erklärte: „Wir befürworten es sehr, dass die Firma am Standort Backnang bleibt.“ Sie fragte sich jedoch, wie der Schwerlastverkehr fahren müsse, wenn es in der Eugen-Adolff-Straße zu Durchfahrtsverboten kommen sollte. Baudezernent Stefan Setzer konnte die Sorgen der Stadträtin gleich mehrfach zerstreuen. Erstens würde ein mögliches Fahrverbot nur den Durchgangsverkehr betreffen, Zulieferer seien ausdrücklich ausgeschlossen. Zudem handele es sich um Fahrten zwischen der Außenstelle Stuttgarter Straße und der Spinnerei. Im Betrieb an der Stuttgarter Straße werden die Hölzer zugesägt, am Standort Spinnerei ist die Endmontage. Der Begriff Schwerlastverkehr ist insofern irreführend, da meist nur 7,5-Tonner oder gar nur Fahrzeuge der Sprinter-Klasse eingesetzt werden. Auch zweifelte Setzer, dass es jemals zu Fahrverboten kommt, da derzeit an mehreren Stellschrauben parallel gedreht werde und deutliche Verbesserungen der Luft eintreten würden. Und Großmann schob nach: „Insofern sind wir froh, dass die große Logistiklösung nun doch nicht gekommen ist, sondern d&b den Standort Ilsfeld behält.“ Hätte d&b die Logistikzentrale nach Backnang geholt, hätte sich die Verkehrsbelastung nicht derart verbessert. Auch Gerhard Ketterer (CDU) nannte d&b ein innovatives und herausragendes Unternehmen an einem historischen Standort und sagte über den Schwerlastverkehr, der überwiegend im 7,5-Tonnen-Bereich stattfinden wird, „das können wir verkraften“.

Und so sprach sich der Ausschuss am Ende einstimmig für eine Beschlussempfehlung an den Gemeinderat aus.

d&b ist weiter auf Wachstumskurs und mittlerweile der fünftgrößte Arbeitgeber Backnangs. Neue Produktionsräume sind daher dringend nötig. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

d&b ist weiter auf Wachstumskurs und mittlerweile der fünftgrößte Arbeitgeber Backnangs. Neue Produktionsräume sind daher dringend nötig. Foto: A. Becher

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Erstellt:
26. Januar 2019, 06:00 Uhr

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