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Nach dem Tiefschlag: Allianz will Stuttgarts Ruf polieren

dpa/lsw Stuttgart. Als „Erlebnisregion“ will sich die Region Stuttgart vermarkten, als „Platz für Entdecker“ und attraktives Ziel für Manager und Touristen. Doch die jüngste Randale hat das Image einer Stadt angekratzt, in der Handel und Hotels bereits durch die Corona-Krise leiden.

Polizisten stehen eine Woche nach den nächtlichen Randalen auf dem Schlossplatz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Polizisten stehen eine Woche nach den nächtlichen Randalen auf dem Schlossplatz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Die Bilder haben nicht nur die Menschen in Stuttgart verstört: Zahlreiche vor allem junge Menschen ziehen randalierend durch die Innenstadt, sie plündern und zerstören wahllos und stundenlang. Szenen, wie sie vielleicht aus London bekannt sind, aus Hongkong oder den USA, keineswegs aber aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Es ist ein weiterer Riss im Image der Metropole, die bereits unter dem Bauprojekt Stuttgart 21 und jüngst unter Fahrverboten und zahlreichen Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen gelitten hat.

Clubbesitzer, Hoteliers und Gastronomen, Theaterintendanten und der Einzelhandel haben sich nun zusammengeschlossen, um den angeschlagenen Ruf ihrer City zu polieren. Ziel sei es unter anderem, Perspektiven für eine sichere Stadt aufzuzeigen und deutlich an die Politik zu appellieren, kündigte der Geschäftsführer der City-Initiative, Sven Hahn, an. Er will Details des Projekts heute in Stuttgart vorstellen.

Zuvor hatten Stadt und Land bereits Konsequenzen aus der Krawallnacht gezogen und eine Partnerschaft vereinbart, um die Innenstadt gemeinsam sicherer zu machen. Auch über eine Ausweitung der Videoüberwachung soll nachgedacht werden. Dass man diese an bestimmten Orten brauche, sei klar, hatte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) in der vergangenen Woche gesagt.

Die sogenannte Sicherheitspartnerschaft und die neue Allianz sind Reaktionen auf die schweren Auseinandersetzungen in Stuttgart vor mehr als zweieinhalb Wochen. In der Nacht zum 21. Juni waren zahllose Menschen durch die zentrale Einkaufsstraße gezogen, sie hatten Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an der Randale beteiligt - oder hatten dabei zugeschaut.

Der Tourismuschef von Stadt und Region macht sich allerdings noch keine Sorgen um nachhaltige Folgen für den Ruf Stuttgarts. „Ein Image lässt sich nicht durch wenige Bilder kaputtmachen“, sagt Armin Dellnitz. „Außerdem ist der Mensch vergesslich. Wenn sich diese Eindrücke aus der Nacht der Randale nicht wiederholen, gehe ich nicht von einer Langzeitwirkung aus.“ Deutlich schwerer wiege dagegen der Schaden durch die anhaltende Corona-Krise. „Die Pandemie hat uns in vollem Lauf erwischt und Angebot und Nachfrage auf Null gebremst.“

Allerdings spüre er, dass Handel, Kultur und Gastgewerbe durch die Pandemie und auch nach der Randale zusammenrückten. „Die Sorge um die Innenstädte schweißt zusammen“, sagt Dellnitz.

Dabei geht es eher um die gefühlte Sicherheit als um die nackten Zahlen. Denn laut Kriminalstatistik der Polizei bleibt Stuttgart eine der sichersten Großstädte in Deutschland. Gemessen an der Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner (8561) findet sich die Stadt hinter München und Nürnberg in der Spitzengruppe wieder - weit vor Berlin, Hannover, Leipzig und Frankfurt am Main. Die Aufklärungsquote bei den mehr als 54 000 Straftaten liegt bei fast 60 Prozent. Das ist zwar etwas weniger als im Jahr zuvor, aber mehr als in vielen anderen deutschen Großstädten.

Die Straßenkriminalität geht leicht zurück, auch die Zahl der Gewalttaten hat abgenommen. Mehr als 47 Prozent der Tatverdächtigen kommen allerdings nicht aus Deutschland. Offiziell kommt jeder vierte Einwohner Stuttgarts aus dem Ausland.

Tourismus-Experte Dellnitz geht nicht davon aus, dass sich Stuttgart innerhalb der kommenden zwei Jahre von der Krise erholen wird. „Die Zahlen aus dem ersten Halbjahr sind dramatisch“, sagt er. „Da ist es gut, wenn nun verstanden wird, dass wir es nur gemeinsam schaffen und nicht jeder für sich.“

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Erstellt:
9. Juli 2020, 01:36 Uhr

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