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„Demokratie braucht eine Öffentlichkeit“

Jasmin Meindl und Christian Muggenthaler vom Bandhaus-Theater Backnang als externe Blattkritiker in der Redaktion

Christian Muggenthaler (links) und Jasmin Meindl vom Bandhaus-Theater in Backnang halten als Blattkritiker zur Freude von Redaktionsleiter Kornelius Fritz ein Plädoyer für Zeitungsjournalismus im Internetzeitalter. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Christian Muggenthaler (links) und Jasmin Meindl vom Bandhaus-Theater in Backnang halten als Blattkritiker zur Freude von Redaktionsleiter Kornelius Fritz ein Plädoyer für Zeitungsjournalismus im Internetzeitalter. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Die Zeitung spielt für Jasmin Meindl, die seit April 2013 zusammen mit Juliane Putzmann das Bandhaus-Theater leitet, und Christian Muggenthaler, freier Journalist, Autor und Mitarbeiter des Bandhaus-Theaters, privat und beruflich eine wichtige Rolle. Nicht nur Nachrichtenvermittlung, sondern auch Kommentare und Hintergrundgeschichten gehörten zur Aufgabe der Zeitungen, so Muggenthaler beim Finale unserer Aktion „Externe Blattkritiker“. Das könne man für die Theaterarbeit gut nutzen.

„Wir wollten uns von Anfang an gut vernetzen“, sagt Meindl. Da sei die Tageszeitung eine gute Hilfe. Das Grafeneck-Dokumentarstück „Kannst du schweigen? Ich auch!“ wäre nicht so schnell zustande gekommen, wenn sie nicht gewusst hätten, welche Initiativen wie etwa die Initiative Stolpersteine vor Ort existierten, führen die Gäste als Beispiel an. Auch Berichte aus dem Gemeinderat liest Meindl mit besonderem Interesse: „Weil man die Leute kennt.“ So sei man auch gewappnet für Small Talk. Überdies erfahre man, wer einen runden Geburtstag hat. Mit Wissen wie diesem werde Kontaktpflege erleichtert. Fazit: Die Zeitung hat ihnen das Heimischwerden in Backnang erleichtert, versichert sie.

Der Wert einer seriösen Zeitung geht für die Theaterpädagogin, Regisseurin, Autorin und Theaterleiterin aber weit darüber hinaus: „Ich muss nicht überlegen, was ist wahr und was nicht.“ Mit Zeitungen verbindet sie eine hohe Glaubwürdigkeit. Es werde auch nicht einseitig berichtet. „So kann ich mir eine eigene Meinung bilden.“ Und die gebürtige Regensburgerin verrät: „Ich komme immer mehr weg vom Internet und den sozialen Medien.“ Christian Muggenthaler bescheinigt unserer Zeitung anhand des Artikels über den Sturm Sabine eine beispielhafte Präsentation: Die Autoren seien nicht in Alarmismus verfallen, hätten nicht übertrieben und seien nicht in den Aufgeregtheitsmodus geraten. Der gebürtige Landshuter ist kein Freund davon, wenn Zeitungen boulevardesker werden. „Boulevard spielt ja auch mit Emotionen. Das ist gefährlich.“ Obwohl Themen wie Kriminalität online zu den Klicksiegern gehören, warnte er davor, sich davon zu sehr beeindrucken zu lassen. „Das ist ja eine sich aufschaukelnde Welle.“ Beispielsweise könne so bei den Lesern das Gefühl entstehen, „dass ich in einem Land voller Messerstecher lebe“. Jasmin Meindl bekräftigt: „Die Zeitung hat eine hohe Verantwortung, welches Bild von der Wirklichkeit sie abbildet.“ Gerichtsberichte, von denen an diesem Blattkritik-Tag zwei in unserer Zeitung zu finden sind, hält Muggenthaler aus einem ganz besonderen Grund für wichtig: „Weil die Leute die Tat wahrnehmen und nicht so sehr die Urteile.“ Gut recherchierte, unterhaltende Geschichten gefallen den Redaktionsgästen. Auch an der Kulturberichterstattung haben sie nichts zu kritteln. Die Fülle des Kulturlebens in Backnang und der Region werde in der Zeitung „ganz toll abgebildet“, erklärt Muggenthaler. Was die Kollegen machen, sei für sie immer von Interesse, ergänzt Meindl. Muggenthaler dazu: „Wichtig ist zu erfahren: Was ist hier alles los? Was machen die anderen Sparten? Kultur ist die Seele einer Stadt.“ Auch der Blick über die Kreisgrenzen, etwa im Kulturfenster, kommt bei den beiden gut an. Für Jasmin Meindl spielt freilich die größte Rolle, „dass die Zeitung über das Bandhaus-Theater berichtet. Das brauchen wir auch. Die Glaubwürdigkeit, dass es etwas Gscheits ist. Es ist auch eine Wertschätzung unserer Arbeit“.

Und was ist ihnen wichtiger, vor oder nach einer Veranstaltung über das entsprechende Thema zu berichten? „Das kann man nur mit ,beides‘ beantworten“, findet Muggenthaler. „Es hat einen Grund, etwas zu machen. Über den Grund kann man schreiben. Aber es ist wichtig, eine Kritik zu haben.“ Meindl sieht Kritiken als „kleines Zeugnis“. Anhand von Kritiken sei es möglich zu überprüfen, ob man es geschafft habe, das zu vermitteln, was man vermitteln wollte. Auch die Beurteilung von Amateuren und Profis ist Thema. Jasmin Meindl: „Ich glaube, dass es für die Amateure gut ist, sie nicht so hart zu bewerten. Weil jeder gibt, was er kann. Ich würde mich immer schützend vor die Amateure stellen.“ Bei Profis verhalte sich dies anders. Muggenthaler spricht an, wie verletzend ein Verriss für einen Menschen sein kann, der auf der Bühne sehr viel von sich preisgibt.

Von unserer Zeitung fühlen sich die Theaterleute insgesamt fair behandelt. Auf die Nachfrage, was sie stört, was sie ärgert oder was sie vermissen, antwortet Meindl: „Eigentlich nichts. Wir finden, dass es eine gut gemachte Zeitung ist.“ Muggenthaler geht noch auf eine Gemeinsamkeit von Journalisten und Theatermachern ein: „Demokratie braucht eine Öffentlichkeit: Theater und Zeitung.“ Und er spricht von einem Marktplatz der Ideen. „Tun wir alles dafür?“, will Redaktionsleiter Kornelius Fritz wissen. Muggenthalers Haltung ist: „Ob man es richtig macht, weiß man erst in der Zukunft. Wichtig ist, dass man es macht.“

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Erstellt:
12. Februar 2020, 11:30 Uhr

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