Klagen aus der Wirtschaft
Den Klimakurs korrigieren? So einfach ist es nicht
Der Chef der Deutschen Industrie- und Handelskammer beklagt sich über die Klimavorgaben. Ja: Klima und Wirtschaft zu retten, ist schwierig – aber nicht unmöglich, findet unsere Autorin.
© Rolf Vennenbernd/dpa
Schrille Warnungen helfen nicht, die Krise zu lösen.
Von Rebekka Wiese
Weltuntergang oder Deindustrialisierung? So schrill klingt es leider oft, wenn über Klima- und Wirtschaftspolitik gestritten wird. Auch der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer hat nun davor gewarnt, dass eine Deindustrialisierung drohe. Er fordert mehr „Pragmatismus“, was man wohl frei mit „weniger Klimaschutz“ übersetzen kann.
Beide Seiten in der Debatte argumentieren mit Daten, um die jeweilige Dringlichkeit zu belegen: Die Kurve der weltweiten Durchschnittstemperatur geht zu stark nach oben, das Wirtschaftswachstum hingegen nicht genug. Zur Wahrheit gehört auch: Gleichzeitig das Klima und die Wirtschaft zu retten, ist schwierig – vor allem in Deutschland, das bis heute an den alten Technologien hängt.
Klimapolitik: Dänemark macht es vor
Unmöglich ist es aber nicht. Das machen andere Länder vor. Dänemark zum Beispiel gilt als klimapolitischer Vorreiter, zugleich wächst die Wirtschaft dort stabil. Natürlich ist die Ausgangslage in dem kleinen Land anders. Aber was man sich trotzdem abschauen kann: Die Dänen haben früh angefangen, eine Klimawende einzuleiten – und dabei gleich alle Akteure eingebunden, um breit unterstützte Kompromisse zu finden, die bis heute tragen. Das hat Innovationen vorangetrieben, die hier lange verzögert wurden.
In Dänemark schätzt man die Klimaziele außerdem, weil sie für Planungssicherheit sorgen. Auch Deutschland muss an seinen Vorgaben festhalten. Ein Zickzack-Kurs schadet langfristig. Zugleich muss es aber darum gehen, was die Wirtschaft braucht, um die Vorgaben auch erfüllen zu können. Was nicht hilft, ist eine polarisierte Debatte. Denn für Wohlstand braucht es beides: ein stabiles Klima und eine stabile Wirtschaft.
