1500 Mitarbeiter

Depot erneut insolvent – welche Filialen schließen jetzt?

Die Deko-Kette Depot ist zum zweiten Mal in kurzer Zeit insolvent. 150 Filialen und rund 1500 Mitarbeiter sind betroffen. Das Ladensterben lässt allmählich die Städte veröden.

Bereits Ende 2024 musste Depot Insolvenz anmelden, nun ist es erneut soweit.

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Bereits Ende 2024 musste Depot Insolvenz anmelden, nun ist es erneut soweit.

Von Michael Maier

Die Deko-Kette Depot steckt erneut in der Krise. Die GDC Deutschland GmbH, unter der das Unternehmen firmiert, hat beim Amtsgericht Aschaffenburg einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Eine Gerichtssprecherin bestätigte den Antrag. Die vorläufige Eigenverwaltung wurde bereits angeordnet, zum vorläufigen Sachwalter wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Thomas Rittmeister bestellt.

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Es ist bereits das zweite Mal innerhalb weniger als zwei Jahren, dass die Wohndeko-Kette mit Sitz im unterfränkischen Großostheim in Bayern diesen Schritt gehen muss. Schon Ende 2024 hatte Depot Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Damals folgte eine drastische Schrumpfkur: Von einst rund 400 Filialen in Deutschland wurden hunderte Standorte geschlossen, rund 2000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Übrig blieben etwas mehr als 150 Geschäfte und etwa 1500 Beschäftigte, die nun erneut um ihre Stellen bangen.

Misserfolg für „Kreativ-Hotspot Depot 2.0“

Geschäftsführer Christian Gries, Gründerenkel des Unternehmens, hatte nach der ersten Insolvenz noch einen Neuanfang versprochen. Unter dem Motto „Depot 2.0“ sollte die Kette agiler werden, mit niedrigeren Preisen, schnelleren Trend-Produkten und einem moderneren Konzept. Von einem „Kreativ-Hotspot“ war die Rede. Dieser Neustart ist nun offenbar gescheitert.

Gries nennt gegenüber Medien mehrere Gründe für die erneute Schieflage. Neben gestiegenen Zöllen und der wachsenden Konkurrenz durch Online-Plattformen wie Temu sei vor allem die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher ein zentrales Problem. „Es ist eine schwierige Zeit für den Handel. Viele Kunden schauen stark auf die Preise“, sagte er. Dauerhaft sinkende Preise seien jedoch kein tragfähiges Geschäftsmodell. Ob und wie viele weitere Filialen nun geschlossen werden, konnte Gries noch nicht beziffern. Alle Standorte kämen erneut auf den Prüfstand, Gespräche mit Vermietern liefen bereits.

Filialschließungen auch bei Mäc Geiz, Rofu und WMF

Depot steht mit seiner misslichen Lage nicht allein. Der stationäre Einzelhandel in Deutschland steckt tief in der Krise. Auch der Non-Food-Discounter Mäc Geiz meldete in dieser Woche Insolvenz an, mit 183 betroffenen Filialen. Spielwarenhändler Rofu befindet sich in Sanierung und schließt ebenfalls Filialen, auch in Baden-Württemberg. Und auch der beliebte schwäbische Haushaltswaren-Hersteller WMF aus Geislingen im Kreis Göppingen hat bei seinen eigenen Geschäften den Rotstift angesetzt.

Die Zahl der Pleiten in der Branche befindet sich laut dem Kreditversicherer Allianz Trade auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren.

Geschlossene Depot-Filialen

Für Depot und seine Mitarbeiter bleibt die Lage ungewiss. Gries betont, das Unternehmen auf jeden Fall weiterführen zu wollen. Wie viel von der einstigen Deko-Kette am Ende übrig bleibt, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Bei der letzten Insolvenz Ende 2024 standen folgende Filialen auf der Schließungsliste von Depot:

  • Stuttgart (Klett-Passage)
  • Ahlen (NRW)
  • Berlin (Lindencenter)
  • Berlin (Spandau Arkaden)
  • Bornheim
  • Donauwörth
  • Dortmund
  • Düsseldorf (KöBogen II)
  • Essen
  • Flensburg (Holm)
  • Frankfurt (Skyline Plaza)
  • Hamburg (Hamburger Meile)
  • Kassel (Obere Königsstr.)
  • Leer
  • Lingen
  • Neu-Isenburg
  • Neunkirchen
  • Peine
  • Sandersdorf-Brehna
  • Schönebeck
  • Schongau
  • Schweinfurt Stadtgalerie
  • Stein (Forum)
  • Sylt (Westerland)
  • Übach-Palenberg
  • Wadgassen
  • Wuppertal (Werth)

Pleiten und Verödung der Innenstädte

Der Handelsverband Deutschland schätzt, dass die Zahl der Ladengeschäfte in diesem Jahr erstmals unter 300.000 sinken wird. Ende 2015 waren es noch rund 372.000. Viele Innenstädte veröden zusehends. 2024 wurden 2.571 Insolvenzen im Einzelhandel verzeichnet, und Branchenexperten rechnen mit weiter steigenden Zahlen. Laut dem Ifo-Institut schätzten im April dieses Jahres 17,4 Prozent der Einzelhändler ihre Lage als existenzbedrohend ein, so viele wie noch nie seit Beginn dieser Erhebung.

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Erstellt:
19. Mai 2026, 15:29 Uhr

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